Schnelle Hilfe für Verbrechensopfer – oft auch in der größten Not

Schnelle Hilfe für Verbrechensopfer – oft auch in der größten Not

Seit 1980 sind Mitarbeiter des Weißen Rings im Tal aktiv.

Wuppertal. Ein Tourist, der in Wuppertal festsitzt, weil ihm die Geldbörse gestohlen wurde. Eine Seniorin, der die Handtasche mit der Rente weggerissen wurde. Ein junge Frau, die vor ihrem prügelnden Ehemann flüchten will. All das sind regelmäßig vorkommende Fälle, bei denen der Weiße Ring einspringt - um Verbrechensopfern zur Seite zu stehen.

"Unser Vorteil ist es, dass wir unbürokratisch und schnell helfen können", sagt Wilfried Gembruch, Mitarbeiter des Wuppertaler Weißen Rings. Während Behörden oft langwierigen Schriftwechsel benötigen, kommen die Ehrenamtler des Weißen Rings, falls gewünscht, noch am Tag einer Straftat zu den Opfern. Sie klären über Anlaufstellen und Gesetzeslage auf und stellen in Härtefällen Geld zur Verfügung - etwa, damit Opfer von Raubüberfällen ihr Essen für die nächsten Tage bezahlen können.

Solche Hilfe in höchster Not ist kein Einzelfall: "Ich erinnere mich, wie wir im Bekanntenkreis für eine alte Dame gesammelt haben, der die komplette Rente gestohlen worden war", sagt Walter Stachowicz, Leiter der Außenstelle. Ebenso oft wie finanzielle Hilfe ist persönliche Begleitung nötig: Die Ehrenamtler gehen mit zu Gerichtsverhandlungen und bereiten die Opfer auf diese Situation vor. Sie vermitteln kurzfristige Termine mit Psychotherapeuten, und organisieren zügig Wohnungen für Frauen, die ein neues Zuhause brauchen.

So halfen sie etwa dem Mädchen, das vom Balkon der elterlichen Wohnung gestoßen wurde, bei der Einrichtung einer eigenen Bleibe. Drei Kindern zwischen 16 und 21 Jahren, deren Mutter ermordet worden war, halfen sie beim Antrag für die Hinterbliebenenrente. Und eine Mutter, die vor den Augen ihres Kindes missbraucht wurde, schickte der Weiße Ring zusammen mit dem Kind erst einmal in Urlaub.

Finanziert wird das Angebot aus Spenden und aus gerichtlichen Zuweisungen von bezahlten Geldbußen. "Wir wünschen uns, dass die Wuppertaler häufiger an uns denken - sowohl, wenn sie Opfer von Straftaten geworden sind, als auch bei Spenden", hofft Walter Stachowicz. Denn alleine die Zahlen des ersten Halbjahres 2008 zeigen, dass die Anzahl der Fälle für die Wuppertaler Opferhelfer weiter steigt.

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