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Schlimmer Beginn einer Reise

Schlimmer Beginn einer Reise

Erhard Holzmann wurde Opfer eines Taschendiebs. Die anschließenden Behördengänge glichen einer Odyssee.

Wuppertal. Der Urlaub in Westerland auf Sylt mit seiner Frau sei zwar sehr schön gewesen, sagt Erhard Holzmann. Aber er hätte noch schöner sein können — wenn er nicht auf der Anreise bestohlen worden wäre. Der Diebstahl müsse passiert sein, als er am Dortmunder Hauptbahnhof umgestiegen ist: „Ich habe den ersten Koffer in den Zug gestellt und bin wieder raus, den zweiten Koffer holen“, erzählt Holzmann. „Da hat ein Mann den ersten Koffer mit dem Fuß blockiert.“ Holzmann habe an dem Koffer gezogen und den Mann schließlich gebeten, ihn freizugeben.

Der Schock kam dann, als er an seinem Platz angekommen war: Sein Portemonnaie war weg. „Vorher waren wir noch in einem Restaurant, da habe ich sofort angerufen, ob es liegengeblieben ist“, sagt Holzmann. Aber das war nicht der Fall. Warum er so sicher ist, dass ihm das Portemonnaie in dieser Situation gestohlen wurde? „Ich habe noch gesehen, wie der Mann wieder aus dem Zug gesprungen ist, kurz bevor er losgefahren ist.“ Das war kein schöner Start in den Urlaub für Erhard Holzmann.

„Ich bin bald durchgedreht, war nervös und habe furchtbar schlecht geschlafen.“ Doch der richtige Stress kam erst auf ihn zu, als er wieder zurück in Wuppertal war. Denn mit dem Portemonnaie waren auch der Personalausweis, die Krankenversicherungskarte, zwei Bankkarten, der Führerschein, die ADAC-Karte, die Jahreskarte des Zoos und sein Schwerbehindertenausweis weg. Das alles neu zu beantragen, sei „für einen Schwerbehinderten mit 74 Jahren eine Zumutung.“ Es seien zwar alle freundlich und verständnisvoll gewesen, aber die Lauferei und der Zeitaufwand seien sehr groß.

Am schlimmsten sei es beim Straßenverkehrsamt gewesen, da habe er gut zwei Stunden warten müssen. Und bei einer Bank habe alles nur reibungslos funktioniert, weil seine Frau eine Vollmacht habe, ohne Personalausweis wäre sonst nichts zu machen gewesen. „Am einfachsten war es bei der Jahreskarte des Zoos. Da hatte ich innerhalb von zehn Minuten einen Ersatz“, sagt Holzmann. Und bei dem Schwerbehindertenausweis habe es sogar besser funktioniert, als er erwartet hatte: „Mir wurde gesagt, dass der Ausweis in drei bis vier Wochen zugeschickt wird. Er war aber schon nach vier Tagen da.“ Wann sein neuer Personalausweis zur Abholung bereit war, konnte er im Internet nachschauen.

Auch wenn Erhard Holzmann das ganze Prozedere als Zumutung bezeichnet, sagt er, dass insgesamt alles gut funktioniert habe. Besonders ärgerlich allerdings: Einen Tag, nachdem er alles neu beantragt hatte, kam ein Anruf aus Dortmund. Der Hausmeister der Arbeitsagentur, die an den Hauptbahnhof grenzt, habe sein Portemonnaie zwar ohne die 250 Euro Bargeld, aber mit allen Papieren im Gestrüpp gefunden. „Jetzt ist es zu spät, für die Anträge habe ich 106 Euro in den Sand gesetzt. Hätte ich doch noch drei Tage gewartet, aber so ist es nun mal im Leben. Es gibt Schlimmeres, aber man ärgert sich doch“, sagt Holzmann.

Der Polizist, bei dem er Anzeige erstattet hat, konnte ihm auch keine Hoffnung auf eine Aufklärung des Falles machen. „Er hat gesagt, das passiere andauernd und immer wieder ähnlich, mit Rempeln und Stoßen. Besonders in der Urlaubszeit sei das gang und gäbe und die Polizei nahezu machtlos“, sagt Holzmann. Deswegen wird er in Zukunft in solchen Situationen besonders gut auf seine Wertsachen achten.