WZ Wissen: „Schlagfertigkeit ist wie Grammatik“

WZ Wissen : „Schlagfertigkeit ist wie Grammatik“

Sabine Altena vermittelte im Rahmen der Reihe „WZ Wissen“ rhetorisches Rüstzeug für Alltag und Beruf.

Dass Kommunikation mehr ist als das gesprochene Wort, macht Sabine Altena im Casino der Barmenia-Versicherungen schnell deutlich. Die Trainerin und Expertin für Auftritt und Wirkung beschränkt sich am Mittwochabend bei ihren Ausführungen zum Thema „Schlagfertigkeit“ nicht auf eine schnöde Power-Point-Präsentation oder das Ablesen vorgefertigter Empfehlungslisten. Die langjährige Radio- und TV-Moderatorin tänzelt bei ihrem Vortrag im Rahmen der Reihe „WZ Wissen“ über die Bühne, wirft sich in Pose, setzt auf Mimik und Körpersprache, stellt immer wieder bestimmte Kommunikationssituationen vor allem aus dem beruflichen Alltag nach.

Dabei wechselt sie hin und wieder in einen Tonfall, der stark an die TV-Serienfigur Bernd Stromberg erinnert, der ja bekanntlich auch für eine Versicherung gearbeitet hatte.

Vor allem aber setzt Altena auf den Lerneffekt: Das Publikum ist gefordert und muss ihre Tipps in vier Übungen gleich vor Ort mit dem oder den Sitznachbarn erproben. Kommunikation kann man eben am besten im direkten Dialog oder der unmittelbaren Diskussion erleben und erproben. Und Schlagfertigkeit sei „eine Art Grammatik“, die jeder und jede erlernen könne und die „viel Vorbereitung“ erfordere, sagt Sabine Altena. Ebenso wichtig sind der Expertin aber auch der Spaß und die Freude am Lernen. „Denn wenn ihr Spaß habt, ist das Gehirn entspannt“, betont sie. Und ein entspanntes Gehirn – so offenbar der Umkehrschluss – lernt eben auch leichter. Und zum lockeren Lernen soll anscheinend auch das vertrauliche Duzen beitragen, auf das die Medien- und Kommunikationsexpertin von Beginn an setzt und auch nicht näher begründet.

Das Publikum hat freilich wenig Zeit, sich darüber zu wundern, wird es doch schon nach gut zehn Minuten von Altena zur ersten Übung ermuntert. Es geht darum, die negative Aussage des Gegenübers mit einem Gefühl des „Ich liebe dich!“ oder ähnlichen Stimmungslagen zu begegnen. Denn um schlagfertig zu sein, geht es vor allem darum, ruhig zu bleiben, Blickkontakt zu halten und sich bei der Antwort auch eine Pause zu gönnen. Nach jeder Übung geht Altena ins Publikum und bittet um ein kurzes Feedback.

Fünf Techniken empfiehlt Altena ihren Zuhörern. Da ist zunächst eine rhetorische Strategie, die sie „Das große Ganze“ nennt: Dabei geht es darum, ein vom Gegenüber angesprochenes Detail – etwa Kritik an den beruflichen Leistungen – aufzunehmen, zu wenden und in einem ganzheitlichen Kontext eine neue Richtung zu geben.

Eine weitere Technik ist das konsequente Stellen von Gegenfragen, mit denen der Kommunikationspartner rhetorisch in die Enge getrieben werden kann, oder die Position des „Dolmetschers“, bei der der Sprecher eine vermeintlich persönliche Schwäche zu einer Stärke umwandelt.

Dass es mitunter einfach auch nur ausreicht, ja zu sagen, vermittelt Altena ebenfalls. Diese Technik nennt sie das „überraschende Ja“, kann ein solches Eingeständnis dem Sprecher doch auch etwas über sich selbst verraten und dazu beitragen, dass er Mängel erkennt und beseitigt.

Und im Notfall kann der Sprecher auch einfach nur Verwirrung stiften: Indem er seinem Gegenüber einen Spruch an den Kopf haut, über den dieser erst einmal einige Zeit nachdenken muss. Altena hat da gleich ein paar Beispiele mitgebracht: Sentenzen wie „Die Birne hat den Stiel hinten“ oder „Wer kein Messer hat, kann kein Brot schneiden“ sind einige ihrer Favoriten.

Zudem präsentiert sie ganz zum Schluss die Top 3 der schlagfertigsten Sätze, die immer für Aufsehen sorgen. Top 3 lautet „Sorry, komische Akustik hier - haben Sie was gesagt?“, Top 2 ist „Es ist so toll, wie Du ein Wort ans andere reihst“, Top 1 fällt auf „Können Sie das auch rückwärts sagen?“. Wer zu solchen ultimativen Mitteln greift und sich möglicherweise damit den Unmut von Vorgesetzten, Kollegen, Freunden oder Bekannten zuzieht, sollte es vorher dann aber wohl lieber mit den eleganteren Techniken probieren, die Sabine Altena vorgeführt hat.

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