Schlagershow: Die Stars waren nicht ganz bei der Sache

Schlagershow: Die Stars waren nicht ganz bei der Sache

Klaus Densow produzierte bei Hako Sport eine TV-Show mit vielen Stars. Die wussten zum Teil selbst nicht, warum sie dabei waren.

Wuppertal. Der deutsche Schlager hat spätestens seit dem Ende der Deutschen Hitparade im Fernsehen so gut wie keine Lobby mehr. Der Produzent Schlagersänger Klaus Densow will das ändern - mit seiner Show "VOM - Vision of Music". Im Stil der einstigen öffentlich-rechtlichen Vorbilder will sie alter und neuer Prominenz der Schlager-Szene wieder eine TV-Bühne verschaffen. Am Sonntag wurde sie bei Hako Sport in Vohwinkel vor Publikum aufgezeichnet - mit reichlich Prominenz.

So hatte sich etwa ein Heinz Rudolf Kunze, einst so etwas wie der Lyriker unter den Deutschrockern, nach Wuppertal aufgemacht, um bei der Aufzeichnung mitzuwirken. Das letzte Mal war Kunze vor zwei Jahren im Rahmen seiner Tour in der Stadt und wusste offenbar selbst nicht so genau, worauf er sich eingelassen hatte. "Ich bin hier, weil mich das Management geschickt hat", sagte Kunze auf Nachfrage der WZ.

Etwas positiver äußerte sich Gunther Gabriel ("Hey Boss, ich brauch mehr Geld"), eine weitere Legende seiner Zunft. Er führte seinen Auftritt in Vohwinkel eigentlich nur auf die guten Kontakte zum Organisator zurück: "Das ist heute nicht wichtig, das mache ich nur für Klaus."

A propos Klaus: Der Name war in der Künstlerriege weitere zweimal vertreten - durch Klaus und Klaus, das durch Titel wie "Es steht ein Pferd auf dem Flur" und "An der Nordseeküste" berühmt gewordene norddeutsche Sänger-Duo. "Eigentlich wollten wir das hier schnell hinter uns bringen und dann ins Stadion", ließen sich die Sänger noch entlocken - mit norddeutscher Direktheit, aber immerhin ehrlich.

Und das Publikum? Hatten die Zuschauer wenigstens mehr Spaß als die Stars? Die Hako-Event-Arena war jedenfalls nur spärlich besucht, und zu Beginn der Show war die Stimmung hinter der Bühne sogar besser als in der Halle. Immerhin: Direkt vor der Bühne tummelte sich eine Schar gut gelaunter Fans, tanzte, klatschte, schunkelte und spendete den Stars auf der Bühne ehrlichen Applaus. Zumal, das sei zugegeben: Die Bühnenshow mit Vollplayback konnte sich sowohl sehen- als auch hören lassen. Im Fernsehen dürfte die Schlagershow so einen guten Eindruck machen.

Manche der zahlenden Gäste waren trotzdem enttäuscht. "Ich gehe zu fast jeder Schlager-Veranstaltung", sagte etwa Ursula Lohrmann (36). "Und das hier ist die mit Abstand schlechteste." Sie hatte gegen Aufpreis einen Sitzplatz erworben und saß daher in der eindeutig zu kalten Halle am hintersten Ende - fernab von der Bühne in völliger Dunkelheit. Auch Schlagerfan Jürgen Fauerbach (47) fand, dass man "durchaus etwas mehr hätte heizen können" und beklagte "die geringe Resonanz". Allerdings: Die Show fand er "an und für sich gut".

Und genau darauf, betonte Veranstalter Klaus Densow, kam es letztlich bei dem Schlager-Abend in der Hako-Arena: "Es geht hier nicht um das Publikum", so Densow zur WZ, "Es geht um die Qualität der Aufzeichnung." Dass diese den Schlager-Stars wieder eine TV-Plattform bietet, versöhnte auch kritische Zuschauer - wie etwa Melanie Ketzer (30): "Ich rege mich zwar auf - aber ich komme trotzdem wieder."

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