Schauspielhaus: 500 Besucher beim emotionalen Abschied

Schauspielhaus: 500 Besucher beim emotionalen Abschied

Im ausverkauften Haus zeigen die Gäste vor allem Trauer und Bestürzung.

Wuppertal. Für das Schauspielhaus ist der wahrlich letzte Vorhang nun gefallen — doch nicht ohne gewaltigen Paukenschlag. Es war noch vor Beginn der Aufführung, als Kulturdezernent Matthias Nocke seine letzten Worte an das ehrwürdige Haus richten wollte. Was er zu sagen hatte, verhallte aber in den wütenden Protestrufen des Ensembles hinter der Bühne und den Mitarbeitern des Hauses.

Laute Buh-Rufe und Parolen wie „Nocke raus“, „Verschwinde“ und „Wir wollen Schauspiel“ zermürbten den CDU-Politiker sichtlich. Um Fassung ringend, versuchte er, seine Ansprache trotz der Proteste zu Ende zu bringen. Nur wenig Applaus erntete er, als er gesenkten Hauptes die Bühne verließ. So machte er den Schauspielern Platz, die ein letztes Mal das Erfolgsstück „Eine Billion Dollar“ vor restlos ausverkauftem Haus aufführten.

Fast ironisch der Titel, denn ein Bruchteil dieser Summe und ein wenig vorausschauendes Handeln hätten die Schließung des Wuppertaler Schauspielhauses verhindern können. So lautete jedenfalls die Meinung unter den Zuschauern des Stückes, die gekommen waren, um dem Gebäude ein letztes Mal die Ehre zu erweisen. „Ich empfinde Wut und Trauer und Entsetzen“, sagte Britta Reiter. Marlies Raabe ging noch weiter: „Ich bin richtig wütend.“ Allgemeine Trauer und Bestürzung waren im Publikum durchgängig zu hören. „Das Haus gehört doch auch einfach zu Wuppertal“, fanden auch Erika Zippmann und Ute Fleichter. Seit der Eröffnung 1966 kamen die Damen hierher ins Theater. Nicht nur für sie geht nun eine Ära zu Ende.

Vieles hat das Schauspielhaus zu sehen bekommen. Nicht zuletzt hat Pina Bausch auf dieser Bühne Geschichte geschrieben. Und so ist es fast tragisch, dass Pina Bauschs vierter Todestag mit dem Tag der Schließung „ihres“ Schauspielhauses auf einen Tag fällt. Für die großartige Tanzchoreographin legten Ensemble und Zuschauer zum Ende der Aufführung eine Schweigeminute ein.

Schauspielintendant Christian von Treskow würdigte Bausch und auch sein Ensemble. „Es war ein Theaterwunder, unter diesen Umständen hier im kleinen Schauspielhaus 40 Premieren und über 400 Vorstellungen zu spielen.“ Das Publikum zollte den Theatermachern ihren Respekt mit stehenden Ovationen und minutenlangem Applaus.