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Schauspiel-Chef: „Bei uns ist nichts mehr zu holen“

Schauspiel-Chef: „Bei uns ist nichts mehr zu holen“

Christian von Treskow wehrt sich gegen städtische Sparpläne. Er fürchtet den Verlust einer Sparte.

Wuppertal. Für Schauspiel-Chef Christian von Treskow ist das städtische Sparpaket eine Tragödie. „Die Verwaltung macht einen Vorschlag, der ganz klar dazu führen würde, dass eine Sparte geschlossen werden muss“, betont der Intendant, den die tatsächliche Verkündung der lange angedrohten Sparmaßnahmen zwar nicht unvorbereitet, aber doch ins Mark getroffen hat: „Mich wundert, dass man uns trotz aller Argumente, die ausgetauscht wurden, ins Sparpaket getrieben hat.“

Wie die WZ berichtete, will die Stadtspitze im Bereich der Kultur drei Millionen Euro sparen. Kämmerer Johannes Slawig erklärte dazu, dass der Betriebskostenzuschuss für die Wuppertaler Bühnen, der derzeit noch 10,8 Millionen Euro pro Jahr beträgt, um zwei Millionen Euro gekürzt werden soll.

Von Treskow hält dagegen: „Das Actori-Gutachten hat sehr deutlich gezeigt, dass an den Bühnen nichts mehr zu holen ist.“ Im Gegenteil. „Wenn wir diesem Theater mittel- bis langfristig eine Perspektive geben wollen, müssen drei Bedingungen erfüllt sein.“

Der wichtigste Punkt: Der bestehende Zuschuss dürfe nicht gekürzt werden. „Wir stehen personell am Rande dessen, was ein solches Haus leisten kann. Wenn sich das weiter nach unten bewegt, würde das einen substanziellen Verlust an Qualität und Quantität nach sich ziehen.“ Punkt zwei: Personalkosten sind ein entscheidender Faktor, der die finanzielle Zukunft der Bühnen „in eine existenzielle Schieflage“ bringen könnte, wie der Intendant erklärt. „Die Kostensteigerung aus den Flächentarifverträgen muss von der Stadt übernommen werden“, fordert er. „Das ist beim Tanztheater der Fall und das möchte ich auch für die Wuppertaler Bühnen erreichen.“

Wer von Treskow kennt, weiß: Der dritte Punkt ist eine Herzensangelegenheit. Die Forderung nach einer kleinen Spielstätte ist nicht neu, aber für den Theatermacher nicht zuletzt auch eine Existenzfrage. „Wer das Schauspiel erhalten möchte, muss auch für eine entsprechende Spielstätte sorgen. Und zwar brauchen wir eine, die den Namen auch verdient.“ Zumal das Schauspielhaus, so Slawigs Absicht, als Spielstätte aufgegeben werden soll. Wie die WZ berichtete, heißt es in Insiderkreisen, dass es bereits Pläne geben soll, einen neuen kleinen Veranstaltungsort auf dem Areal des Historischen Zentrums zu etablieren.

„Ich sehe jetzt Bewegung“, sagt von Treskow mit Blick auf die lange andauernde Spardiskussion. Erleichtert sei er, nachdem die Politik das Sparpaket kritisiert hätte. „Im Vergleich zu vor zwei Jahren ist eine größere Bereitschaft da, uns zuzuhören.“ Was den 43-Jährigen persönlich betrifft: Sein Vertrag läuft bis 2014 — im Sommer könnte über eine mögliche Verlängerung verhandelt werden. „Alle Ratsfraktionen haben sich für den Erhalt der Schauspiel-Sparte ausgesprochen. Jetzt muss man aushandeln, unter welchen Bedingungen.“