Satire: „Der Postillon“ kommt in die Börse Wuppertal

Wuppertal : „Der Postillon“ kommt live in die Börse

Das Satire-Magazin ist auf Tour in Deutschland. Ein Interview über Trump, Medien & Co.

Im Netz ist „Der Postillon“ ein echter Hit. Die Satire-Website hat viele Fans — die den Postillon bald auch in Wuppertal live erleben können. Anne Rothäuser und Thieß Neubert, die Originalsprecher der Postillon-Video- und Radionachrichten, gastieren am 26. Oktober in der Börse. Vorab gaben die beiden der WZ ein Interview.

Trump als US-Präsident und ein bayerischer Ministerpräsident, der ein Raumfahrtprogramm starten will: Funktioniert in solchen Zeiten Satire überhaupt noch?

Thieß Neubert: Selbstverständlich — sogar besser denn je! Herr Söder ist viel zu unkreativ, um von selbst auf solche Ideen zu kommen. Da braucht es schon Inspirationsquellen wie den Postillon.

Anne Rothäuser: Trotzdem, da muss man aufpassen. Es nimmt überhand. Wenn das so weiter geht, haben wir bald keinen Job mehr!

Feiert sich die Redaktion, wenn mal wieder jemand auf eine Postillon-Geschichte reingefallen ist?

Neubert: Na klar! Es ist ein Riesenspaß zu sehen, wenn unsere Leser sich durch einen kleinen Gag in den Artikeln auf die falsche Fährte locken lassen. Sie glauben gar nicht, wie viele Leute darauf hereinfallen und unsere knallhart recherchierten Fakten für Witze halten.

Rothäuser: Die BILD-Zeitung hat ja das gleiche Problem — nur eben genau anders herum.

Wie reagiert die Redaktion, wenn es mal wieder wüste Beschimpfungen hagelt?

Rothäuser: Es macht uns traurig und betroffen.

Neubert: Was aber eher an den orthographischen Kompetenzen der Verfasser liegt. Ansonsten weiß meine Kollegin eine etwas rauere Wortwahl durchaus zu schätzen.

Ist man eher belustigt oder doch traurig, wenn „seriöse“ Medien Postillon-Artikel für bare Münze nehmen?

Neubert: Seri-was?

Rothäuser: Weder noch. Aber unsere Aktionäre freuen sich über die kostenlose Publicity, wenn das ganze auffliegt und dann von allen Medien aufgegriffen wird.

War schon mal ein Wuppertaler Thema Gegenstand eines Postillon-Artikels?

Neubert: Das kann ich nicht sagen. Ich lese die Artikel nicht.

Rothäuser: Doch, ich erinner mich. Da war mal irgendetwas mit einer verbogenen Klinge. Oder ging es um Porzellan?

Über wen oder was wurde schon besonders häufig berichtet? Spontan fällt mir da der Flughafen Berlin ein, der bestimmt noch ein paar Jahre Stoff bietet.

Neubert: Das ist richtig. Zum BER hat der Postillon sogar mal eine Studie in Auftrag gegeben, in der nachgewiesen wurde, dass nach einer Sprengung des gesamten Flughafens mehr Bauteile an der richtigen Stelle wären, als es momentan der Fall ist.

Rothäuser: Am häufigsten wird jedoch über Gulasch berichtet.

Gibt es Themen, die für den Postillon tabu sind? Wenn ja, warum?

Rothäuser: Witze über Chuck Norris sind bei uns tabu.

Neubert: Das stimmt. So etwas macht man einfach nicht!

Auf was dürfen sich die Besucher der Show einstellen, was erwartet sie?

Rothäuser: Also wenn das Publikum Spaß erwartet, ist es bei uns natürlich völlig fehl am Platze. Aber so viel sei versprochen: Es wird eine bunte Show geben. Mit Filmen, Reportagen und jeder Menge Überraschungen. Und wenn es dem ein oder anderen am Ende nicht gefallen hat, lag es vermutlich an Thieß.

Neubert: Das war natürlich jetzt ein Witz von meiner lieben Kollegin.

Rothäuser: Stimmt. Bunt wird die Show nicht werden.

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