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Samy Deluxe und Co. bald in Wuppertaler Musik-Studio?

Produktionsfirma investiert : Platz für Kreativität: Wupperwerft baut Studios in der Cotton Factory

Die neuen Wupperwerft-Studios sollen ein Platz zum Austausch für Kunst und Kultur sein. Die Räume der Cotton Factory sollen nach dem Wunsch der Betreiber deutschlandweit in der Musikszene bekannt werden.

Noch riecht es nach Farbe in den neuen Wupperwerft-Studios. Horst Wegener navigiert zwar durch Kartons und Paletten, doch während er die Vision für die Räume erklärt, wird vorstellbar, was hier entsteht: „Es ist alles darauf ausgelegt, kreativ zu arbeiten.“ Und viele Schritte sind bereits getan in der Cotton Factory an der Uellendahler Straße. Hier, in der Landmarke im Norden Elberfelds, entstehen seit November die Wupperwerft-Studios. Die Produktionsfirma, geleitet von Wegener, Vater Andre und Kollege Arne Schramm, will den Platz für verschiedenste Projekte und gemeinschaftlichen, künstlerischen Austausch nutzen.

Dabei lassen die jungen Köpfe des Teams vielfältige Ideen einfließen. Neben Musikvideo-Produktionen, die sie bereits für Musiker wie Samy Deluxe oder Culcha Candela realisiert haben, sollen hier Fotoshootings und auch ganze Events stattfinden können. Musik selbst kann hier ebenfalls erarbeitet werden. Horst Wegener, der erst vor wenigen Monaten seinen letzten Song herausbrachte, vereint seine beiden Standbeine nun also an einem Ort. Wichtig ist ihm aber vor allem, dass die Räume nicht nur als Arbeitsplatz der Wupperwerft verstanden werden, denn sie lassen sich mieten. Schon jetzt nutzen auch andere Künstler die Möglichkeiten. „Wir wollen das Netzwerk von außerhalb mit dem Netzwerk aus Wuppertal verbinden“, plant er. Dabei werden nach seiner Vorstellung die Studios, mit einem Co-Working-Space als Mittelpunkt, zum Austausch für Kunst und Kultur dienen. „Alle, die kommen, sollen sich gegenseitig unterstützen“, wünscht sich Wegener.

Dabei soll seine Heimatstadt nicht nur durch die Aussicht aus dem vierten Stock neu wahrgenommen werden: Ein „Level, was man aus Wuppertal nicht so kennt“ möchte er mit den Kreativ-Strukturen erreichen. Tatsächlich sei von erstem auswärtigem Besuch bereits attestiert worden: „Das hat Großstadt-Vibes.“ Dazu arbeiten Wegener und Schramm eng mit ihren Kontakten im Tal zusammen, haben sogar eine alte Kneipen-Couch aus dem Luisenviertel belebt. Von der Küche bis zur Technik – viel kommt direkt aus der Stadt. Für so viel lokale Unterstützung ist Wegener dankbar: „Unser Netzwerk hat es möglich gemacht, dass wir dieses Investitionsvolumen stemmen konnten.“

Ein Symbol dafür,
woher Wuppertal kommt

Thilo Küpper vermietet die 220 Quadratmeter große Fläche an die beiden Produzenten und zeigt sich von ihnen begeistert: „Sie sind unglaublich junge, motivierte Menschen, die sich einsetzen für Gleichberechtigung und das Aufbrechen von Mauern im Kopf“, sagt er. Ihr Netzwerk mache Wuppertal erlebbar. Küpper hält die Cotton Factory, die Ende des 19. Jahrhunderts als Zwirnerei Hebebrand erbaut wurde, für eine der „wichtigsten Industriebauten der Stadt“. Die ehemalige Textilfabrik sei ein „Symbol dafür, woher Wuppertal kommt“ – mit den neuen Mietern werde deutlich, wohin es geht.

Die Wupperwerft war zuvor in der Nordstraße auf weniger als einem Viertel der jetzigen Fläche beheimatet. Neue Möglichkeiten also, die Wegener und Schramm teils selbst kreierten: „Wir konnten alles mitgestalten.“ Wände wurden gezogen, wo zuletzt ein Großraumbüro war, und sogenannte Lichtschwerter erhellen die Zimmer. Nun kann es losgehen, erste Shootings sind im Kasten und im Videoschnitt-Bereich wird schon gearbeitet. „Eine Community, die das Studio zum Austauschen und Zusammenbringen von Ideen und Wissen nutzen kann“, stellt Arne Schramm sich für die nahe Zukunft vor. Dafür planen die beiden auch Mitgliedschaften für die Studios.

Doch damit nicht genug, denn weitere Projekte im Gebäude habe man in der Hinterhand, verrät Wegener. Final sollen die neuen Studios „deutschlandweit in der Musikszene bekannt werden“, hat sich der Rapper, Sänger und Songwriter zum Ziel gesetzt. Nach einer Tour durch die Räume, mitsamt der enthusiatischen und dennoch realistischen Ideen, schenkt man ihm dabei nur zu gern Glauben.