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Säumige WSW-Kunden: Sechs Millionen Euro fehlen

Säumige WSW-Kunden: Sechs Millionen Euro fehlen

Wie die Stadtwerke versuchen, die Zahlungsmoral ihrer Kunden zu verbessern.

Wuppertal. Immer mehr Gas- und Stromkunden der Wuppertaler Stadtwerke (WSW) sind entweder nicht in der Lage oder nicht willens, ihre Rechnungen zu bezahlen. Derzeit haben die Stadtwerke Außenständen von etwa sechs Millionen Euro. 2008 waren es noch etwa vier Millionen Euro, die Wuppertaler Kunden den WSW schuldeten.

Nach Auskunft von Holger Stephan, Sprecher der WSW, rechnen die Stadtwerke damit, dass nur 60 bis 70 Prozent der Außenstände eingetrieben werden. Das heißt, etwa zwei bis 2,5 Millionen Euro wird das kommunale Unternehmen — das ohnehin vor großen Herausforderungen steht — abschreiben müssen. Im vergangenen Jahr, so Stephan, mussten bereits 2,5 Millionen Euro abgeschrieben werden.

Im Vergleich mit anderen Versorgungsunternehmen in Deutschland stünden die WSW jedoch noch recht gut da, sagt Stephan. Die sogenannte Ausbuchungsquote — sie gibt an, wie hoch der Prozentsatz der Außenstände ist, die nicht mehr eingetrieben werden kann — beträgt demnach 0,458 Prozent.

Die WSW sehen sich einem Trend gegenüber, der sie nicht unerwartet trifft. Bereits 2008 hat Rainer Gutseel, der Leiter des Forderungsmanagement bei den WSW, gegenüber der WZ prophezeit: „Wir gehen davon aus, dass wir mehr säumige Zahler haben werden, wenn die Gaspreise wie angekündigt steigen werden.“ Seit dieser Aussage hat es mehrere Erhöhungen bei Strom und Gas gegeben — und Gutseel hat offensichtlich Recht behalten.

Wenn sich die Außenstände gar nicht eintreiben lassen, sperren die Stadtwerke den Kunden Strom- und Gasanschlüsse. Die Zahl der jährlichen Sperrungen schwankt laut Stephan um einen jährlichen Wert von etwa 6000, wobei es Abweichungen nach oben und unten gebe. Ein Trend sei nicht erkennbar.

„Bevor der Strom abgestellt wird, gehen drei Mahnungen raus. Dann folgt die Ankündigung der Sperrung. In vielen Fällen bleiben unsere Briefe aber ungeöffnet, weil den Betroffenen auch von anderen Stellen die Rechnungen ins Haus flattern. Das Problem wird verdrängt“, schildert Stephan den Alltag in den betroffenen Haushalten.

„Wenn ein Kunde auf unsere Mahnungen schnell reagiert, finden wir in der Regel immer Möglichkeiten, den Kunden zu helfen“, heißt es beim Forderungsmanagement der Stadtwerke. In der Tat: Jedes Jahr werden etwa 7200 Vereinbarungen über Ratenzahlungen getroffen.

Um die Zahl der Sperrungen und Forderungsausfälle zu senken, haben die Stadtwerke bereits seit 2009 eine Kooperation mit der Wuppertaler Verbraucherzentrale vereinbart. Die WSW haben das Problem schon im Herbst 2009 angepackt. In Kooperation mit der Verbraucherzentrale gibt es eine gemeinsame Beratung für Energieschuldner. Als unabhängige Moderatorin zwischen betroffenen Verbrauchern und WSW versteht sich die Juristin Kathrin Rietbrock. Seit Projektbeginn hat sie 91 säumige WSW-Kunden rechtlich und wirtschaftlich beraten.

Bezieher von SGB II-Leistungen und Rentner suchen besonders häufig Rat. Überdurchschnittlich hoch war auch der Anteil an Einpersonen-Haushalten — quer durch alle Altersgruppen. Vor allem durch Ratenzahlungsvereinbarungen konnten Lösungen erreicht werden. Das Projekt ist zunächst bis Ende August 2012 befristet. Die WSW finanzieren die „Erstberatung bei Energieschulden“ mit 30 000 Euro pro Jahr.