Rundgang zeigt die Pflanzenvielfalt der Barmer Anlagen in Wuppertal

Tag des Baumes : Die Pflanzenvielfalt der Barmer Anlagen

Am Tag des Baumes führte Professorin Gertrud Lohaus durch das Arboretum. Für Teilnehmer gab es vieles zu entdecken.

Das Wissen um die Bedeutung des Begriffs „Laurophysillierung“ war sicher nicht die einzige Erkenntnis, die den 15 Naturfreunden vermittelt wurde, die sich am frühen Donnerstagnachmittag an der Unteren Lichtenplatzer Straße versammelt hatten. Sie wollten mit der Botanik-Professorin Gertrud Lohaus von der Bergischen Universität einen Baumspaziergang durch die Barmer Anlagen unternehmen. Auf einer Route, die die Studierenden der Uni konzipiert hatten.

Eingeladen hatte der Barmer Verschönerungsverein (BVV), für den Klaus-Günther Conrads die Gäste zusammen mit Michaela Dereschewitz, der Geschäftsführerin des BVV, begrüßte. Ziel war das „Arboretum“ (Ansammlung von Bäumen) der Barmer Anlagen anlässlich des „Tages des Baumes“, an dem die Professorin den sachkundigen Begleitern in ihren robusten Wanderschuhen einiges von der Artenvielfalt im Barmer Naherholungsgebiet erläuterte.

Die Barmer Anlagen sind nach und nach durch die Käufe diverser Grundstücke von betuchten Barmer Bürgern zu einem rund 100 Hektar großen Gelände entstanden und dem 1864 gegründeten Barmer Verschönerungsverein überlassen worden. Zum größten öffentlich zugänglichen Privatpark Deutschlands, der übrigens über 72 verschiedene Baumarten verfügt.

Rund 90 Minuten führte die Botanikerin die kleine Schar durch das bergige Areal und hielt zunächst an einer urigen Hängebirke, direkt gegenüber dem Denkmal des Dichter und Menschenfreundes Emil Rittershaus, das ihm seine Freimaurer-Logenbrüder 1900 errichtet hatten. „Bei der Hängebirke hängen die Blätter im Gegensatz zur nur auf moorigem Untergrund gedeihenden Moorbirke herunter“, erfuhren die Zuhörer, von denen der Älteste 85 Jahre und die Jüngste neun Monate alt war. Das war Franziska, die von Mama Sandra im Tragetuch durch die erwachende Natur transportiert wurde. „So lernt sie schon früh, Park und Bäume zu lieben“, erklärte Sandra Tienken.

Senior Heinz Overath berichtete, dass er im großen Arboretum Burgholz groß geworden sei und das kleinere in den Barmer Anlagen auch gern mal kennenlernen wollte. So erfuhr er auch, dass „Laurophysillierung“ bedeutet, dass im Zuge des Klimawandels immer mehr immergrüne Pflanzen in Deutschland überleben würden. „Früher waren die Winter erheblich kälter, und da wären Sträucher wie der Kirschlorbeer schnell erfroren“, erläuterte die Professorin. Ein anderer „Immergrüner“, die Stechpalme, trägt ihre spitzen Blätter nur zur Abwehr gegen Fresser im unteren Bereich. „Oben sind die Spitzen nicht nötig, weil ja keiner heran kommt.“

Ehrfürchtiges Staunen der Gruppe vor den beiden Mammutbäumen (Roter Mammut und Urwelt-Mammut), wahren Baumriesen mit schuppenartigen Blättern und rustikaler Rinde. Zwar gelte die Eiche als „der“ deutsche Baum, doch während hierzulande nur wenige Arten existieren, gibt es in China und Amerika rund 50 Sorten dieser Spezies. „Eher ist da schon die Linde der Baum der Deutschen“, so Gertrud Lohaus. „Sie kommt ja auch in vielen Volksliedern vor.“

Ein wenig makaber die These, dass sich zum Tode durch Erhängen verurteilte Delinquenten wünschten, an einer Linde gehenkt zu werden. „Deren Zweige brechen nämlich leicht ab, so dass da die Überlebenschance größer war“, wusste die Referentin. Trauerweide, Kuchenbaum, Lärche Eibe und Scheinzypresse waren gleichfalls Gegenstand wissenswerter Erläuterungen durch die freundliche Expertin.

Baumschäden, Verdorrtes oder Bedrohtes waren auf dem Spaziergang nicht zu sehen, doch das sei nichts Ungewöhnliches: „Im Frühling treiben fast alle Gewächse Blätter. Wie es tatsächlich um die Gesundheit eines Baumes steht, sieht man erst in einem dürren Sommer“, so Lohaus. Und der soll ja auch 2019 bevorstehen.

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