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Ronsdorfer Pfarrerin lenkt Gemeinde besonnen und liebevoll durch die Krise

Gespräch : „Besonnen und liebevoll“ durch die Krise

Die Pfarrerinnen Friederike Slupina-Beck und Ruth Knebel halten den Glauben aufrecht.

Die Lutherkirche ist die älteste Kirche Ronsdorfs, hat eine lange Geschichte – und bleibt seit Tagen leer. An den vergangenen vier Sonntagen hat dort wegen der Corona-Pandemie kein Gottesdienst stattgefunden. Trotzdem haben die Menschen in der evangelischen Kirchengemeinde Ronsdorf die Hoffnung nicht verloren. Pfarrerin Friederike Slupina-Beck erkennt in der aktuellen Zeit das Motto: „In jeder Krise steckt eine Chance“. Die 55-Jährige, die in Ronsdorf bereits seit 27 Jahren als Pfarrerin wirkt, erklärt, dass gerade jetzt inne gehalten und „das vermeintlich Selbstverständliche als Geschenk“ gesehen werden kann.

Dabei kann der Glauben laut Slupina-Beck eine Stütze sein, denn auch ohne Gottesdienste in der Kirche gibt es in Ronsdorf „kräftige österliche Zeichen“: So wird zum Beispiel jeden Abend um 19 Uhr vom Balkon „Der Mond ist aufgegangen“ gesungen. „Man singt einander Zuversicht zu“, sagt die Pfarrerin über das neu geschaffenen Ritual.

Ihre Arbeit besteht während der Kontaktsperre vor allem aus Telefonseelsorge. Das bestätigt Ruth Knebel, die ihre Pfarrstelle ebenfalls 1993 angetreten hat. Sie ruft bei Gemeindegliedern im Altenheim oder im Krankenhaus an und bleibt zeitgleich mit den Konfirmanden in Kontakt. Diesen Kontakt spürt sie in allen Generationen. Besonders greifbar werde die Diakonie am Beispiel von Kindergartenkindern, die Osterbilder für alte Menschen malen. Nicht nur solche Aktionen initiiert Knebel: Am Ostersonntag wird ein Trompeter auf den Turm der Lutherkirche steigen und Lieder zum Fest spielen. Die Pfarrerin vertraut dabei darauf, dass auf den Balkons mitgesungen wird. „Dann wird sich ein musikalisches Band durch Ronsdorf ziehen“, hofft die 57-Jährige.

Gottesdienste können zwar nicht in Gemeinschaft abgehalten werden, finden aber trotzdem im Rahmen der Möglichkeiten statt. In der Kirche werden Videos aufgenommen, die im Netz verfügbar sind. Daran arbeiteten zum Beispiel auch die Konfirmanden mit, die Gemeinde bleibt lebendig. So können Gottesdienste auch zu Hause gefeiert werden. Jene, die keinen Internet-Zugang haben, werden auch bedacht. Sogenannte Briefkasten-Predigten landen mithilfe ehrenamtlicher Helfer dort, wo die Kirche nicht online weiterverfolgt werden kann. Und auch im Alltag geht die Gemeinde unterstützend zur Hand, organisiert etwa Einkaufshilfen für die Risikogruppe.

Es gibt viel positive Rückmeldung zu den Aktionen, weiß Knebel zu berichten. Sie und Slupina-Beck werden dabei unter anderem von der diakonischen Mitarbeiterin Rosi Würzbach unterstützt, die „unendlich viel macht“. Auch die Kirchenmusik ist weiterhin aktiv und spielt nun nicht mehr für die Kirchenbesucher, sondern im Internet.

Friederike Slupina-Beck zeigt sich von der Verbundenheit in der Krise überwältigt, „es wird sehr besonnen auf die Maßnahmen reagiert“. Sie habe zuvor häufig Rastlosigkeit und Aktionismus erlebt, dieses Phänomen sei nun durch eine ruhige Stimmung abgelöst worden. Die „Pfarrerin mit Leib und Seele“, wie sie sich nennt, bemerkt eine steigende Zahl derer, die sich an die Kirche richten. Die Online-Gottesdienste würden nun von mehr Menschen besucht als jene in der Kirche. In der jetzigen Situation erreiche man außerdem „sogenannte Kirchenferne in hoher Zahl“. Im Übrigen werden sie nicht nur hierzulande verfolgt, sondern auch in Partnergemeinden Ronsdorfs, zum Beispiel in Syrien. „Gerade jetzt ist der Blick über die eigene Kirchturmspitze wichtig“, sagt die Pfarrerin und verweist darauf, dass der Blick immer auch auf andere gerichtet sein sollte.

„Nicht aufdringlich, aber eindringlich“ möchte man in der Ronsdorfer Kirchengemeinde miteinander umgehen, Trost spenden und Gemeinschaft leben. Dann können aus der Krise mit Sicherheit gleich mehrere Chancen entstehen.