Ehrenamt: Ronsdorfer Bürgerbus muss Finanzierung neu aufstellen

Ehrenamt : Ronsdorfer Bürgerbus muss Finanzierung neu aufstellen

Den Ehrenamtlern wurde die Gemeinnützigkeit aberkannt. Das hat Auswirkungen beim Sponsoring.

Gemäß des Beschlusses der Finanzministerkonferenz des Bundes und der Länder wurde den Bürgerbussen bereits im November 2011 die Gemeinnützigkeit entzogen. Dementsprechend stellt der Einsatz der Bürgerbus-Vereine keinen gemeinnützigen Zweck dar, was in der Praxis bedeutet, dass die Vereine ihren Gönnern und Sponsoren auch keine abzugsfähigen Spenden-Quittungen mehr ausstellen können. „Zwar hat das hiesige Finanzamt die bisher geübte Praxis geduldet, doch soll der Beschluss der Finanzministerkonferenz nun umgesetzt werden“, berichtet Ulrich Wiesner, Vorstandsmitglied des Bürgerbusvereins Ronsdorf.

Ein Umstand, der die ausschließlich ehrenamtlich geführten Bürgerbus-Vereine vor erhebliche Probleme stellt, wie auch die übrigen Vorstandsmitglieder des Bürgerbusvereins Ronsdorf bei ihrer Zusammenkunft am Donnerstag zum Ausdruck brachten. Allerdings sieht Günter Andereya, der Vereinsvorsitzende, die Angelegenheit recht pragmatisch: „Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ist auch nicht gemeinnützig. Das hat man wohl bei dem Beschluss zugrunde gelegt.“

Bürgerbusse fahren da, wo der ÖPNV nicht mehr hinkommt

Bürgerbusse befahren aber Strecken, die für den ÖPNV teilweise wegen der Enge der befahrenen Straßen und wegen der relativ geringen Fahrgastzahlen eher unattraktiv sind. Der Bürgerbusverein Ronsdorf bedient zwei Strecken und setzt insgesamt etwa 30 ehrenamtlich tätige Busfahrer ein. Er erhebt dabei Fahrpreise, die unterhalb derer des ÖPNV liegen. Befördert werden vornehmlich außerhalb der ÖPNV-Strecken wohnende Senioren bei Arztbesuchen oder Einkäufen wie auch Jugendliche, die ähnlich unmobil sind, womit sie in den Augen der Bevölkerung durchaus gemeinnützige Ziele verfolgen.

„Klagen nützt nichts“, sagt Günter Andereya, der darauf hinweist, dass im nächsten Jahr ein neuer Bürgerbus angeschafft werden muss. „Das hat alle sieben Jahre oder nach Erreichen von 300 000 gefahrenen Kilometern zu erfolgen.“ Die Kosten für einen neuen Bus belaufen sich auf 70 000 bis 90 000 Euro und werden zur Hälfte seitens des Landes bezuschusst. „die andere Hälfte müssen wir erwirtschaften“, so Stefan Bernsmüller, Schriftführer des Bürgervereins Ronsdorf. Die Ronsdorfer haben ihr Ziel, die Hälfte des Anschaffungspreises zu stemmen, schon erreicht.

Doch der Blick des Vorstandes geht in die Zukunft: „Wir werden die Preise erhöhen müssen, möchten dabei jedoch darauf hinweisen, dass es seit Gründung des Vereins im Jahre 2006 lediglich 2013 eine Preisanpassung gegeben hat. Wir sind also optimistisch, dass wir unsere Fahrgäste, die den Preis auch mit der Ronsdorfkarte entrichten können, finanziell nicht überfordern“, ist sich Ulrich Wiesner sicher. „Eine weitere Maßnahme ist die Anhebung der Preise für die Außenwerbung auf unserem Bus. Und da sind wir ziemlich sicher, dass unsere Werbepartner das mittragen“, sagt Vorstandsmitglied Edeltraud Evels.

„Gerne würden wir auch noch andere Maßnahmen ergreifen, um finanziell auf sicheren Füßen zu stehen. Aber da fehlen uns momentan die nötigen ehrenamtlichen Kräfte, mit denen wir beispielsweise auf dem Weihnachtsmarkt in Aktion treten können“, bemerkt Stefan Bernsmüller und fügt hinzu: „Was wir außerdem auch noch suchen, sind Busfahrer, die sich ehrenamtlich zur Verfügung stellen.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung