Robotik-Preis für die Firma Heinz Berger

Robotik-Preis für die Firma Heinz Berger

Hannover Messe: Auszeichnung für eine Roboter-Anwendung, die für WMF produziert wurde.

Cronenberg. Tradition und Innovation sind keine Gegensätze. Das hat die Fachjury auf der Hannover Messe, die in der letzten April-Woche stattfand, erkannt — und den Robotik-Preis an die Heinz Berger Maschinenfabrik verliehen. Noch vor dem Fraunhofer-Institut Ifam und dem Automatisierer drag&bot.

Gewonnen hat das Unternehmen mit seiner Prozesskette aus Roboterzellen. Insgesamt 33 vollständig interagierende und vernetzte Roboteranlagen führen vollautomatisierte Werkstück- und Werkzeugwechsel durch. Eine intelligente Interaktion der Zellen und Aufteilung der einzelnen Produktionsschritte ermöglicht eine flexible und effiziente Produktion kleiner Losgrößen. Durch eine integrierte Industrie-4.0-Schnittstelle lässt sich die Anlage weltweit steuern und überwachen.

Die Anlage wird bereits in der Produktion betrieben. Und zwar bei WMF, wie Geschäftsführer Andreas Groß sagt. „Die Anlage ist so groß wie ein Handballfeld“, erklärt er. Sie steuere selbstständig die Werkzeuge, die gebraucht werden, die Werkstücke und die Mitarbeiter. Die große Hightech-Innovation ist also für die Produktion von Pfannen und Töpfen verantwortlich.

Die Jury begründete ihre Entscheidung unter anderem damit, dass es sich um eine ganzheitliche Lösung für den Mittelstand handelt, die einen Bereich betrifft, der vorher nicht automatisiert war, so die Meldung der Hannover Messe zu dem Preis. Groß ergänzt das: „Es ist das erste Mal, dass alle Aspekte von Industrie 4.0 vollständig umgesetzt wurden.“

Für Groß ist die Auszeichnung besonders wertvoll. Immerhin sei der Preis der wichtigste Preis für Robotik in Deutschland. Er nennt den Preis „den Oscar“ in der Branche. „Sie wissen gar nicht, wie viele Glückwunsche ich seit der Verleihung bekommen habe“, sagt Groß. Das sei schon eine sehr coole Geschichte.

Seit 1957 baut die Heinz Berger Maschinenfabrik an der Kohlfurther Brücke Schleif- und Poliermaschinen. Spezialisiert ist das Unternehmen auf Schleif- und Poliertechnik für die Herstellung von Werkstücken unterschiedlichster Industrien wie Schneidwaren, Handwerkzeuge, chirurgische Werkstücke oder Werkstücke der holzverarbeitenden Industrie.

Hierzu kommen unterschiedliche mechanische Bearbeitungen wie Schleifen, Polieren, Wälzschlagen, Bandstahl-Schleifen und spanabhebende Bandbearbeitung zum Einsatz. Gleichzeitig bezeichnet sich Berger selbst als „Roboter-Systemhaus“, das Automations- und Prozessintegrationsaufgaben löst. Spätestens mit dem Award ist das auch außerhalb der Branche bekannt.

Die Berger Gruppe verkauft heute in über 70 Länder und ist auf der ganzen Welt vertreten.

Der Robotics Award ist mit 10 000 Euro dotiert. Er wird seit acht Jahren auf der Hannover Messe verliehen — für innovative robotergestützte Lösungen im Bereich industrielle Automatisierung oder mobile Roboter und autonome Systeme. Die Einreichungen müssen marktreif oder bereits industriell erprobt sein und der Öffentlichkeit erstmals präsentiert werden.

In ihrer Entscheidung legt die Jury laut eigener Aussage besonderen Wert darauf, dass die Automatisierungs-Lösungen sowohl in technologischer als auch in ökonomischer Hinsicht fortschrittlich sind und einen bedeutenden Beitrag in industrieller oder gesellschaftlicher Hinsicht leisten. ecr

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