Robert Schumann mal ganz privat

Konzert : Robert Schumann mal ganz privat

Lutz Görner veranstaltete einen humorvollen Abend mit Musikern.

„Ein unmöglicher Mensch“, urteilte Richard Wagner über seinen Zeitgenossen Robert Schumann. Aus ihm bekomme man kaum ein Wort heraus. Und andersherum? Wagner würde pausenlos reden, ereiferte sich Schumann. Mit Anekdoten wie diesen gestaltet Lutz Görner an der Seite der Pianistin Nadia Singer in ganz Deutschland kurzweilige Veranstaltungen rund um große Komponisten, die über bloße Entstehungsgeschichten bekannter Werke hinausgehen. Nach Liszt, Beethoven, Schubert, Meyerbeer, Wagner und Chopin ist Schumann Gegenstand des aktuellen Programms, mit dem das Duo, verstärkt durch den englischen Tenor Edward Leach, am Sonntagnachmittag in der Immanuelskirche gastierte.

Als „außerordentlich prädestiniert“, um von Schumanns Leben zu berichten, bezeichnet sich Görner mit einem Augenzwinkern auf Basis einer biografischen ‚Verwandtschaft‘, beginnend bei der Geburt in Zwickau – wenn auch mit mehr als hundert Jahren Abstand. In einem harmonischen Wechselspiel aus humorvoll rezitierten Texten und passenden Werkausschnitten zeichneten Görner, Singer und Leach das Leben Robert Schumanns nach – von seinen jugendlichen Ambitionen bis hin zu seiner fortschreitenden Krankheit. „In einer Gesellschaft, wo ich nicht der Erste sein kann, bin ich lieber nichts“, schrieb der zwischen Ehrgeiz und Schüchternheit schwankende Pianist 1832 in sein Tagebuch. Als freundlich, beinahe kindlich beschreiben ihn seine Weggefährten. Durch direkte Zitate, Einträge seiner Frau Clara ins gemeinsame Ehetagebuch, Briefe und Erinnerungen von Freunden und Musikerkollegen entstand nach und nach ein ungewöhnlicher und sehr privater Blick auf den Komponisten.

Lutz Görner scheute sich nicht, den verschiedenen Urhebern der Texte unter vollem Körpereinsatz eigene Stimmen und sogar Dialekte zu verleihen. Nadia Singer hingegen schien Schumanns Musik regelrecht zu atmen; mal energisch, mal verspielt-beschwingt, mal lyrisch interpretierte die junge Pianistin Werke verschiedenster Couleur, darunter Ausschnitte aus dem „Carnaval“, den „Fantasiestücken“ und der Klaviersonate Nr. 1. Im Duett mit Edward Leach verstand sie es jedoch ebenso, sich zurückzunehmen, damit dessen warmes Timbre sich bei der Präsentation von Schumanns Liedern mit Texten von Heine, Rückert und Eichendorff vor allem in den tiefen Lagen voll entfalten konnte. Die Zugabe ließ das Duo, das gemeinsam bereits die Internationale Robert Schumann-Songcompetition in Frankfurt am Main für sich entscheiden konnte, noch einmal glänzen.

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