Rentner fast umgebracht - Wuppertaler „Gucci-Gang“ vor Gericht

Jugendliche Intensivtäter : Rentner fast umgebracht - Wuppertaler „Gucci-Gang“ vor Gericht

Zwei Intensivtäter (14) sollen einen Wuppertaler Rentner fast umgebracht haben. Nun stehen sie vor Gericht. Die Jungen sollen zu der sogenannten Gucci-Bande aus Kindern und Jugendlichen gehören

Am Freitag hat vor dem Amtsgericht Wuppertal der Prozess gegen die beiden 14-Jährigen begonnen, die einen Rentner (70) brutal zusammengeschlagen haben sollen. Der Mann ist inzwischen ein Pflegefall. Die Jungen sollen zu der sogenannten Gucci-Bande aus Kindern und Jugendlichen gehören, die rund anderthalb Jahre in Wuppertal durch Straftaten aufgefallen ist.

Die beiden Jungen sind wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Laut Anklage wollte der 70-Jährige sie aus dem Hausflur des Mietshauses schicken, in dem sie sich schon öfter unerlaubt aufgehalten hatten. Darüber soll es dann zum Streit gekommen sein, in dem die Angeklagten gegen seinen Kopf geboxt haben, einer ihm in den Rücken gesprungen sein soll, so dass der Mann mit dem Kopf gegen die Wand prallte. Der 70-Jährige hat eine Hirnstammblutung erlitten, aber laut Anklage könne nicht geklärt werden, was genau diese verursacht hat.

Wegen des Alters der Jugendlichen ist die Öffentlichkeit von der Gerichtsverhandlung ausgeschlossen, für die insgesamt drei Tage eingeplant sind. Vor den Kameras sprach vor allem Rechtsanwalt Carsten Rebber, der die Familie des Opfers betreut. Er erläuterte noch einmal, wie falsch er es findet, dass die Anklage nur auf gefährliche Körperverletzung lautet, weil die Staatsanwaltschaft keinen Zusammenhang zwischen der Tat und dem jetzigen Zustand des 70-Jährigen sehe.

Mit dieser Einstufung ist auch verbunden, dass er den 70-Jährigen und seine Familie nicht als Nebenklageanwalt vor Gericht vertreten darf. Dagegen hat er zum Prozessauftakt Beschwerde eingelegt. Über diese Beschwerde muss seinen Angaben nach nun eine Kammer des Landgerichts entscheiden.

Als Zeugin war Vida Polat, die Ehefrau des Opfers, geladen. „Verzweifelt“ sei sie, erzählt sie auf Nachfrage. Wegen der geringen Einstufung der Tat fühle sie sich im Stich gelassen.

Frau des Opfers beobachtete das Geschehen

Sie erinnert sich, wie sie von der Bushaltestelle das Geschehen beobachtete, wie ihr Mann dann zitternd zu ihr zurückkehrte. Als sie mehr wissen wollte, habe er gesagt: „Ich konnte die doch nicht schlagen, das sind doch Kinder.“ Dann sei es ihm immer schlechter gegangen, bis er zusammenbrach. Der Rettungswagen habe ihn ins Krankenhaus gebracht, dort sei er nicht mehr ansprechbar gewesen.

Jetzt ist er halbseitig gelähmt, kann nicht sprechen, ist bei allem auf Hilfe angewiesen. Das alles erzählt sie auch als Zeugin vor Gericht, wie ihr Anwalt berichtete, der sie als Zeugenbeistand begleitet hat. Sie habe auch den Haustürschlüssel gezeigt, mit dem ihr Mann eigentlich die Tür abschließen wollte: Der Bart ist im Verhältnis zum Griff um 45 Grad verbogen. „Daran sieht man die Gewalt, die ausgeübt worden ist“, hatte sie noch vor der Tür gesagt.

Über die beiden Angeklagten berichtete der Anwalt, sie wirkten „wie kleine Kinder“. Einer habe versucht, sich bei seiner Mandantin zu entschuldigen. Er habe einen Brief an ihren Mann vorbereitet gehabt. Doch sie habe diesen und die Entschuldigung nicht annehmen wollen und einen Weinkrampf bekommen. Und dann gesagt: „Ihr versteht nicht, dass wir für den Rest unseres Lebens bestraft sind. Ich werde meinen Mann bis an sein Lebensende pflegen müssen.“

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