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Religionen in Wuppertal und das Weihnachtsfest

Weihnachten Multikulti : So begehen Religionsgemeinschaften in Wuppertal das Weihnachtsfest

Orthodoxe und afrikanische Christen feiern unterschiedlich - Muslime und Juden gehen anders mit dem christlichen Fest um. Die WZ hat sich umgehört.

Pfarrer Eleftherios Argiropoulos von der griechisch-orthodoxen Kirchengemeinde in Wuppertal ist sich unsicher, ob er bei sich zuhause noch einen weiteren Verwandten zum Weihnachtsfest einladen darf, da er mit seiner Frau und seinen vier Kindern schon zu sechst in einem Haushalt wäre. Es sind keine normalen Zeiten, unter denen der Stern von Bethlehem in diesem Jahr leuchtet.

„Das Familienfest wird für uns alle dürftiger ausfallen“, sagte er ernüchtert. Normalerweise weicht die griechisch-orthodoxe Gemeinde bei der Weihnachtsmesse in größere Kirchen Wuppertals aus, sodass viele Menschen dem freudigen Fest beiwohnen können. Mit Corona ist alles anders. Anfang der Woche war Eleftherios Argiropoulos noch dabei, die Teilnehmerlisten für die Rückverfolgung auszufüllen. Nur eine begrenzte Anzahl an Gläubigen darf die Messe besuchen: So gibt es am 24. Dezember und 25. Dezember zwei Messen, die gelesen werden. Aber auch das wird bis zum Schluss auf der Kippe stehen, wenn neue Regelungen zur Eindämmung der Pandemie erlassen werden, weiß Pfarrer Eleftherios Argiropoulos, für den die Vorbereitungen viel Stress bedeuten. Der Kern von Weihnachten sei das Beisammensein von mehreren Generationen und das gemeinsame Essen. Dies trage entscheidend zum Wohle der Menschen bei, betonte er. Und das falle zum größten Teil nun weg.

Orthodoxe feiern eigentlich 13 Tage später als andere Christen

Die orthodoxen Kirchen feiern Weihnachten normalerweise 13 Tage später als die übrigen Christen. Grund dafür ist, dass sie das Fest nach einem älteren Kalender berechnen. Einige orthodoxe Gemeinden, worunter die griechische fällt, übernahmen aber den gregorianischen Kalender und feiern Weihnachten zeitgleich mit den katholischen und evangelischen Gläubigen.

Generell gebe es die Bescherung erst in der Nacht zum 1. Januar (sie werden üblicherweise unterm Bett versteckt), jedoch verteilten in der griechisch-orthodoxen Kirchengemeinde in Wuppertal auch schon viele am 24. Dezember die Geschenke. „Wir sind ein bisschen amerikanisiert“, sagte Eleftherios Argiropoulos schmunzelnd.

Aus Respekt vor dem Christentum feiern die meisten Moslems kein Weihnachten

Weihnachten würde er als Moslem nicht feiern, erklärte Samir Bouaissa, stellvertretender Vorsitzender der Islamischen Gemeinde Wuppertal, auf WZ-Nachfrage. Selbstverständlich wünsche man Nachbarn und Freunden, die Christen sind, ein schönes Fest, jedoch möchte Bouaissa aus Respekt vor dem Christentum keinen Weihnachtsbaum bei sich zuhause aufstellen. Sich nur die Bescherung an Weihnachten herauszupicken, empfände der NRW-Landesvorsitzende des Zentralrats der Muslime als nicht richtig, weil sie nur einen Teil der christlichen Tradition und Geschichte rund um Christi Geburt ausmache.

Geschenke und Süßes bekämen die Kinder in islamischen Familien zu ihren Feiertagen, wie dem Opferfest oder dem Ramadanfest. Es sei wichtig, den Kleinen zu erklären, warum es keine Bescherung für sie an Weihnachten gebe, meinte Bouaissa. So habe er es auch mit seinen drei Kindern gemacht. Dabei habe er ihnen die Botschaft des Christentums nähergebracht. „Weihnachten zu feiern, wäre für mich der Versuch, etwas nachzuahmen“, so Bouaissa. Jedoch würde er keinem Moslem, der Weihnachten gerne feiern möchte, das Fest verleiden wollen. „Das muss jeder für sich selber entscheiden“, sagte er.

Einige Juden schmücken einen Baum zu Silvester

Leonid Goldberg, Vorsitzender der jüdischen Kultusgemeinde in Wuppertal, erklärte, dass einige Jüdinnen und Juden, die aus der Sowjetunion zugewandert sind, am 31. Dezember einen geschmückten Tannenbaum zum Neujahrswechsel aufstellen, der ein Symbol für Silvester ist. „Es ist eine Gewohnheit, die mitgebracht wurde“, so Goldberg.

Weihnachten hingegen sei für die Menschen jüdischen Glaubens nicht mehr als ein gesetzlicher Feiertag in Deutschland. Im Gegenzug feiern Jüdinnen und Juden das Chanukka-Fest (auch Lichterfest genannt): In diesem Jahr begann es am Abend des 10. Dezember und endete am Abend des 18. Dezember. Zu dem jährlichen jüdischen Fest zum Gedenken an die Wiedereinweihung des zweiten Tempels in Jerusalem im Jahr 164 v. Chr. werden auch Geschenke verteilt.

Für Buddhisten ist Losar ein wichtiger Feiertag

Ebenso wenig wird im Buddhismus das Weihnachtsfest begangen. Jedoch würden die Buddhisten mit ihren Familienmitgliedern immer gerne an den Festtagen zusammensitzen und feiern, führte Sandra Hofmann vom Wuppertaler buddhistischen Zentrum in der Heinkelstraße aus.

„Das hat eher mit Familie und der Kultur zu tun, in der wir geboren sind, und nicht mit der buddhistischen Sichtweise“, erklärte sie. Buddhisten feiern das neue tibetische Jahr um den Februar herum stark: Losar. Dieser ist der wichtigste Feiertag in Tibet, der Silvester ähnelt.

Singen und Musik sind die Pulsadern der afrikanischen Kultur

Afrikanische Klänge werden die Gemeindemitglieder des International Worship Centers in der Rolandstraße in diesem Jahr nicht in der Kirche hören können. Die Wuppertaler Gemeinde ist evangelisch, ihre Türen stehen aber allen Konfessionen offen, betonte Pfarrer Charles Donkor. Corona habe Planungen für Weihnachtsmessen einen Strich durch die Rechnung gemacht, bedauerte er.

Viele afrikanische Kulturen seien sehr stark von Musik geprägt. So habe es vor dem Gottesdienst an Heiligabend auch immer ein Weihnachtskonzert gegeben, das nun im Internet veröffentlicht wird.

Die rund 50 Gemeindemitglieder kommen aus 18 Nationen, die meisten davon aus afrikanischen Ländern. Die Messe wird auf Englisch gehalten. Die Musik, so Donkor, sei aber eine Sprache, die jeder spricht und versteht.