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Reisezentrum im Wuppertaler Hauptbahnhof steht schon auf der Kippe

Ärgernis für Kunden : Wuppertaler Reisezentrum verkauft keine Nahverkehrstickets mehr - Bahn baut Personal am Hauptbahnhof ab

Das neue Reisezentrum am Wuppertaler Hauptbahnhof darf ab Sonntag keine Nahverkehrstickets mehr verkaufen. Die gibt es dann nur noch an Automaten eines privaten Unternehmens.

Ab dem 15. Dezember wird das Reisezentrum der Bahn am Hauptbahnhof nur noch Tickets für Fernzüge verkaufen dürfen. Fahrkarten für den Nahverkehr innerhalb des VRR gibt es dann in der Bahnhofsmall an den Automaten des privaten Mitbewerbers Transdev. Der Verlust des bedeutenden Anteils am Gesamtkartenverkauf könnte Folgen haben. Eine Garantie auf den Fortbestand des erst am 14. Mai eröffneten Reisezentrums in Wuppertal gab die Bahn auf Anfrage der WZ nicht ab.

Jahrelang hatten sich die Fahrgäste am Wuppertaler Hauptbahnhof mit dem Service in einem Container an Gleis 1 begnügen müssen. Dort stellten sich zwar die befürchteten langen Warteschlangen nicht ein, aber die Wege zum Container waren während der Bauarbeiten am Döppersberg und wegen fehlender Aufzüge zum Gleis 1 für viele Menschen sehr beschwerlich. Nachdem in der Bahnhofsmall die ersten Ladenlokale längst bezogen waren, kam die Bahn dort mit ihrem modernen Reisezentrum mit einigen Monaten Verspätung an. Zu diesem Zeitpunkt war allerdings längst schon bekannt, dass das Reisezentrum bald wieder an Bedeutung verlieren würde.

„Der Verkauf von VRR-Tickets hatte einen maßgeblichen Anteil am Gesamtverkauf aller Tickets im Reisezentrum“, sagt ein Sprecher der Bahn. Eine Aussage, auf die Axel Walter Sindram vom Fahrgastverband Pro Bahn mit einer Portion Skepsis reagiert. Er verweist auf die Entwicklung anderer Reisezentren der Bahn. So wird zum Beispiel zum Jahreswechsel das Reisezentrum der Bahn im Neusser Hauptbahnhof schließen. Damit geht dort eine wichtige Anlaufstelle für die Zugreisenden verloren, die sich bei Fahrplanänderungen oder Verspätungen informieren wollen.

Hintergrund ist, dass die für die Reisezentren verantwortliche Bahn-Tochter DB Vertrieb in einem Bieterverfahren den Auftrag für den VRR an Transdev verloren hat. Nun müsse sich der Konzern deutlicher fragen, ob sich der Betrieb der Zentren noch lohnt, wenn nur noch Fernreise-Tickets verkauft werden, so ein Bahnsprecher.

Auf den Wegfall der VRR-Beauftragung hat die Bahn in Wuppertal schon reagiert und die Zahl der Mitarbeiter reduziert. „Die Sorge, dass das Reisezentrum schon bald nach der Eröffnung wieder geschlossen werden könnte, ist real. Auch in Krefeld und Mönchengladbach will die Bahn ihre Reisezentren dicht machen. Es betrifft alle mittelgroßen Bahnhöfe, weniger die großen Knotenpunkte des Fernverkehrs“, sagt Axel Walter Sindram.

An fünf Automaten gibt es Tickets für den Nahverkehr

Laut Angaben von Transdev wurden in der Mall inzwischen fünf Ticket-Automaten aufgestellt, drei sind bereits in Betrieb. Zwei weitere werden in der Nacht vom 14. auf den 15. Dezember live geschaltet. Ab dem 16. Dezember sollen am Wuppertaler Hauptbahnhof Fahrscheine auch an einem Schalter im Rahmen einer „Shop-in-Shop-Lösung“ vertrieben werden. Dort soll es auch die Möglichkeit einer individuellen Beratung beim Fahrkartenverkauf geben. Diese Kaufmöglichkeit soll den Fahrgästen im Nahverkehr zu den Kernöffnungszeiten von Montag bis Samstag geboten werden.

„Die Transdev Vertrieb GmbH hat im Bereich des VRR bereits erfolgreich den Verkauf am Düsseldorfer Flughafen übernommen“, so ein Sprecher der Transdev. Von den Kunden werde das Angebot sehr gut angenommen. Der VRR habe zudem eine Kommunikationskampagne zur Umstellung des Vertriebs gestartet.