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Reiner Rhefus begibt sich auf Friedrich Engels’ Spuren in Wuppertal

Der Mit-Kurator der Jubiläumsausstellung hat sein neues Buch vorgestellt : Reiner Rhefus begibt sich auf Engels’ Spuren

Der Mitkurator der Jubiläumsausstellung zum berühmten Wuppertaler Sohn hat sein neues Buch vorgestellt.

Die Ausstellung „Friedrich Engels – ein Gespenst geht um in Europa“ im Haus der Jugend nähert sich seinem Ende. Im Haus der Jugend stellte auch Reiner Rhefus, Mitkurator der Ausstellung, sein neues Buch „Friedrich Engels in Wuppertal – Auf den Spuren des Denkers, Machers und Revolutionärs im ,deutschen Manchester’“ vor.

Rhefus, Mitarbeiter im Historischen Zentrum und Stadt-Guide zahlreicher Führungen zum Thema Engels im Jubiläumsjahr, legt ein umfassendes und informatives Werk vor. Er folgt Engels auf dessen Spuren durch das frühindustrielle Wuppertal. Dabei begegnet der Leser vielen Personen mit denen Engels zum Teil bis in sein hohes Alter zu tun hatte.

Seinem Vetter Carl Siebel zum Beispiel, Kaufmann und Dichter. Er unterstützte Engels und auch Marx, den er bei seinem Aufenthalt in Manchester 1859 kennengelernt hatte, rezensierte das zunächst kaum beachtete „Kapital“ und sorgte für dessen Kenntnis: „Ihr bekommt ein Gedicht von mir, wenn ihr die Rezension abdruckt.“ Siebel ist für Rhefus ein Beispiel für Engels’ zahlreiche internationale Kontakte.

Andreas Bialas und Olaf Reitz, beide begnadete Vorleser, stellten in ausgewählten Texten und Briefen das Buch vor. Zu Carl Siebel lasen sie einen Brief von Engels an seine Mutter, in dem dieser von dem, um einige Jahre jüngeren „Kleinen“ berichtet. Persönliches wird angesprochen, Engels erzählt von seinen Backenzähnen, seinem Appetit und seiner Verdauung. Sein Humor und seine Vorliebe, Briefe auf „Platt“ zu beenden, werden deutlich. So zeichnet das Buch nicht nur Engels’ politisches Wirken nach, sondern auch ein sehr persönliches Bild.

Reiner Rhefus hat das Werk von 420 auf 180 Seiten gekürzt

Zwischen den Lesungen übernahm Rhefus den vermittelnden Part, erklärte Hintergründe und Fakten, zeigte Aufnahmen dazu. Er erzählte vom sehr liebevollen Elternhaus der Familie Engels. „Die Kinder haben ihre Eltern geduzt und nicht mehr gesiezt.“ Ein Brief des Vaters an einen Freund und den späteren Paten von Engels Carl Snethlage zeigt den ganzen Stolz des Vaters über seinen neugeborenen Sohn Friedrich.

Die satirische Ader des Schriftstellers und Kaufmanns Georg Weerth, einst Lehrling im noch heute erhaltenen „Wunderbau“, verdeutlicht eine Rede an einen Banklehrling.

Engels, der mit 18 Jahren Wuppertal verließ, kam danach immer nur für kurze Zeit zurück. Dennoch sind es wichtige Phasen seines Schaffens. Rhefus verdeutlicht in seinem Buch die engen Beziehungen Engels’ zu Mutter und Bruder Hermann sowie die zahlreichen anderen Kontakte und Freundschaften, die er zur Förderung seiner politischen Projekte und Publikationen pflegte. Das Buch folgt den Orten von Engels’ Kindheit und Jugend, seinen Wirkungsstätten vor und während der Revolution 1848/49. Obwohl nicht mehr in Wuppertal ansässig, verfolgte Engels immer das Geschehen in seiner Heimat.

Zahlreiche Bilder ergänzen die informativen Texte. 240 historische und aktuelle Aufnahmen, Karten, Gedichte, zum Beispiel von Carl Siebel, das „Weberlied“ von Heinrich Heine, Abdrücke historischer Zeitungsartikel oder Plakate sind in dem 180 Seiten starken Band zu finden und machen das Schmökern und Lesen zu einem Vergnügen.

Dabei hat Rhefus schon stark gekürzt, 420 Seiten war die Originalfassung. Chronologisch folgt das Buch Engels’ Spuren, von der Geburt bis zu seinem Tod 1895. Es zeigt ebenso aktuelle Erinnerungsorte und Denkmäler und gibt im Anhang einen Überblick über ausgewählte Lebensdaten und Aufenthalte in Wuppertal. Das Buch ist im VSA-Verlag erschienen und kostet 16,80 Euro.