offen gesagt: Regisseure einer Pannenserie

offen gesagt : Regisseure einer Pannenserie

Der Geduldsfaden reist langsam. Kaum ein Tag vergeht, an dem die Wuppertaler Stadtwerke nicht eine neue schlechte Nachricht vom Neubau der Schwebebahn berichten müssen. Am Donnerstag war es nur eine unterbrochene Funkverbindung.

Aber in deren Folge hing an der Ohligsmühle stundenlang einer der neuen Wagen, ohne sich auch nur einen Millimeter zu bewegen. Überhaupt verlassen die Schwebebahnen ihr Depot seit Wochen nur für Test- und Schulungsfahrten. Wenn jetzt selbst die nicht mehr funktionieren, wie soll es dann jemals wieder einen Normalbetrieb geben?

Die Stadtwerke haben die Rückkehr der Schwebebahn für den 1. August angekündigt, mit Vorsicht zwar, aber auch so bestimmt, dass eigentlich kein Zweifel daran bestehen konnte, dass die Zeit des Ersatzverkehrs über die zu Stoßzeiten belastete B7 enden wird. Das ist nun in weitere Ferne gerückt, seit die Bezirksregierung Anfang der Woche anmahnte, dass ihr noch Dokumente zur Prüfung fehlen. Ohne die gibt es aus Düsseldorf keine Betriebsgenehmigung für die Bahn. Der 1. August als Wiederstarttermin wackelt nicht nur, er kippt anscheinend schon sehr bedenklich,

Die aktuelle Situation passt in das Bild, das die Stadtwerke in der Sanierung des zentralen Wuppertaler Verkehrsmittels seit Monaten, wenn nicht seit Jahren abgeben. Wirklich reibungslos geht gar nichts. Schon seit Abschluss der ersten Umbauphase, also mit dem Einschlagen der letzten Niete in das neue Gerüst, erweckt die Bahn den Eindruck, weniger zuverlässig zu sein. Immer wieder kam es zu Betriebspausen, die mit den insgesamt 31 neuen Wagen an Häufigkeit noch zunahmen. Stabil scheint das System Schwebebahn seither nicht mehr zu sein. Dieser Eindruck hat sich noch verstärkt, als 2013 zwischen Landgericht und Kluse ein großes Stück Stromschiene vom Gerüst viel. Und seit sich der lebensgefährliche Zwischenfall fünf Jahre später wiederholte, steht die Bahn nun still. Zumindest darf kein Fahrgast mitfahren.

Es ist selbstverständlich richtig, dass die Stadtwerke nichts unversucht lassen, die Fahrt mit dem weltberühmten Verkehrsmittel so sicher wie möglich zu machen. Seltsam ist allerdings, dass die Dokumentation dieser Bemühungen nun schon so lange auf sich warten lässt. Gesprochen wird darüber mindestens seit Mai. Geschehen ist anscheinend nichts. Sonst könnte die Bezirksregierung Düsseldorf die Unterlagen schließlich nicht anmahnen.

Damit ist die Gefahrenlage bei den Stromschienen offenbar noch immer ebenso ungeklärt wie die Frage, warum die Wagenkästen bei Tempo 60 in Kurven ans Gerüst stoßen können. Hier ist laut Stadt Wuppertal der Hersteller und Konstrukteur der neuen Bahnen in der Pflicht. Erledigt hat die Düsseldorfer Firma Vossloh Kiepe die Aufgabe seit 2017 nicht. Damit ist die neue Bahn mangels Geschwindigkeit eines wichtigen Investitionsgrundes beraubt. Gerüst und Wagen sind auch deshalb für weit mehr als eine halbe Milliarde Euro ausgetauscht worden, damit die Schwebebahn schneller und kürzere Taktzeiten fahren kann. Statt im Zweieinhalb-Minuten-Rhythmus sollen die Wagen alle zwei Minuten in die Bahnhöfe einschweben. Ziel ist, die Zahl von bis zu 80 000 Fahrgästen pro Tag noch einmal zu erhöhen. Das hat auch Sinn angesichts der Diskussionen um den Klimaschutz. Denn zwei Eigenschaften treffen trotz aller Unglücke auf die Schwebebahn zu wie auf kein anderes Verkehrsmittel auf dem Erdball: Sie ist sicher und dank Antriebs durch Strom auch sauber.

Aber leider fährt sie nun schon seit fast einem Dreiviertel Jahr nicht mehr. Das ist in vielerlei Hinsicht misslich. Besonders traurig war es zuletzt für eine chinesische Schulklasse, die das Wunderwerk der Technik einmal im Leben in Aktion sehen wollte. Die Mädchen und Jungen mussten sich mit Fotos begnügen und kaschierten ihre bittere Enttäuschung mit asiatischer Höflichkeit.

So zurückhaltend sind viele Wuppertaler längst nicht mehr. Sie wissen, dass ihre Stadt auf die Schwebebahn angewiesen ist. Eine erhebliche Zahl verweigert den Ersatzverkehr per Bus und füllt die Talachse mit dem eigenen Auto und die Luft mit dessen Abgasen.

Deshalb wären die Stadtwerke sehr gut beraten, entweder den 1. August für den Wiederstart der Schwebebahn zu erreichen oder einen wirklich verlässlichen Termin zu nennen. Sonst entsteht noch der Eindruck, dass es in der Chefetage der WSW nur so wimmelt von Regisseuren einer Pannenserie.

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