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Rechte im Visier: Brüderpaare in Wuppertal vor Gericht

Rechte im Visier: Brüderpaare in Wuppertal vor Gericht

Die juristische Aufarbeitung rechtsextremer Übergriffe in Wuppertal offenbart Verbindungen der Szene ins Ruhrgebiet.

Wuppertal. Am gestrigen Donnerstag sollte sich eigentlich ein 25 Jahre alter Neonazi aus Dortmund wegen versuchter Nötigung vor dem Amtsgericht verantworten. Laut Anklage soll der Mann auf dem Weg zu einer Neonazi-Demo am 25. April vergangenen Jahres auf dem Bahnsteig am Barmer Bahnhof versucht haben, das Wuppertaler Medienprojekt am Filmen zu hindern. Die schlechte Nachricht: Der gestrige Prozesstermin platzte, weil der Verteidiger des 25-Jährigen verhindert war.

Neuigkeiten gibt es trotzdem: Bei dem Angeklagten handelt es sich um den älteren Bruder eines Neonazis (21) aus Hamm, der sich seit Anfang des Monats wegen des Prügelangriffs auf Linke beim Flohmarkt in Vohwinkel im Jahr 2011 verantworten muss. Wie berichtet, hat der 21-Jährige erst vor kurzem eine einjährige Jugendstrafe verbüßt. Nach WZ-Informationen soll auch der ältere Bruder in anderen Fällen im Visier der ermittelnden Behörden stehen.

Die juristische Aufarbeitung beider Fälle offenbart die Verbindungen der Wuppertaler Szene zu Neonazis — unter anderem ins Ruhrgebiet. Bei Kundgebungen — wie der am Barmer Bahnhof im vergangenen Jahr — sind die Neonazis oftmals darauf angewiesen, dass Sympathisanten von außerhalb anreisen.

So beispielsweise eine Woche vor einer großen Nazikundgebung in Elberfeld im Januar 2011. Laut Staatsanwaltschaft waren Mitglieder des „Aktionsbüros Mittelrhein“ nach Wuppertal geschickt worden und hätten sich dann mit Angehörigen der linken Szene eine handfeste Auseinandersetzung geliefert.

Mittlerweile haben die Ermittler die Wuppertaler Szene namentlich im Visier. Wie berichtet, listet der Staatsschutz derzeit 20 Namen — davon ein Drittel Frauen — in einer Art Intensivtäterkartei auf. Verwandtschaftliche Beziehungen innerhalb der Szene sind nach Angaben der Ermittler nichts Ungewöhnliches: Im Prozess zum Vohwinkeler Prügelangriff sitzen zwei einschlägig vorbestrafte Brüder (29, 24) aus Wuppertal auf der Anklagebank. Der jüngere Bruder ist mittlerweile aus Wuppertal an den Niederrhein gezogen.

Wie berichtet, wird der Prozess zum Prügelangriff in Vohwinkel im Februar fortgesetzt. Das am Donnerstag ausgefallene Verfahren ist noch nicht neu terminiert worden.