Nordbahntrasse: Radweg oder Veranstaltungsort - die Wuppertaler Nordbahntrasse muss benutzbar bleiben

Nordbahntrasse: Radweg oder Veranstaltungsort - die Wuppertaler Nordbahntrasse muss benutzbar bleiben

Radweg oder Veranstaltungsort? Für die Stadt ist klar: Auf der Nordbahntrasse hat der Verkehr Vorrang. Sie appeliert an gegenseitige Rücksichtnahme.

Die Nordbahntrasse ist ein Verkehrsweg. Die Nordbahntrasse ist aber auch Veranstaltungsort. Doch wie sollen die beiden Nutzungen unter einen Hut gebracht werden? Der Verein Utopiastadt fordert einen runden Tisch. Für die Stadt ist die Sache dagegen klar: Radler, Fußgänger & Co. genießen auf der ehemaligen Bahnstrecke ganz klar Vorrang vor Events und Festen.

Zuletzt hatte der Trassenrave Tausende in die Mirke gelockt. Veranstalter und Stadt zogen anschließend ein positives Fazit. Das Sicherheitskonzept habe funktioniert. Ein paar Wochen vorher hatte der Trassenjam an gleicher Stelle allerdings abgebrochen werden müssen - es war einfach zu viel los. Ein Durchkommen auf der Trasse war nicht mehr gegeben.

„Was die B7 für den Autoverkehr ist, das ist die Trasse für den Radverkehr“, stellt Verkehrsdezernent Frank Meyer gegenüber der WZ noch einmal klar. Sperrungen des Rad- und Fußweges für Veranstaltungen seien deshalb kein Thema. Zumal die Stadt im Sinne der Gleichbehandlung agieren müsste. Sprich, wird es einem Veranstalter erlaubt, muss es auch allen anderen erlaubt werden. Und: „Der Trassenrave hat gezeigt, dass ein Miteinander funktioniert.“ Die Stadt begrüße grundsätzlich, „wenn es so viele Veranstaltungen wie möglich entlang der Trasse gibt“, betont Meyer. „Aber die Trasse muss benutzbar bleiben.“ Deshalb sei vor zwei Jahren auch das Integrationsfest am Bahnhof Loh abgesagt worden.

Dem immer wieder mal geäußerten Wunsch nach „verkehrsberuhigten Zonen“ an neuralgischen Punkten wie etwa den Bahnhöfen Mirke oder Loh erteilt Meyer ebenfalls eine Absage. „Das ist nicht erforderlich und außerdem verkehrsrechtlich gar nicht möglich.“ Und so viele große Termine gebe es auch gar nicht, vielleicht fünf, sechs im Jahr. Wobei Meyer einräumt, dass gerade an sonnigen Wochen auch ohne irgendwelche Veranstaltungen gerade rund um die Gastronomien viel los ist.

Unterstützung für die Position der Stadt kommt vom ADFC. „DIe Trasse ist Rad- und Fußweg“, sagt Klaus Lang. Dass es im Rahmen von Veranstaltungen mal zu Einschränkungen kommen kann, sieht er allerdings locker. So oft passiere dies ja nicht und grundsätzlich seien Feste eine positive Sache. Auch der ADFC sei ja selbst als Mit-Veranstalter der Fahrradmesse in der Mirke beteiligt. Dass für kurze Strecke dann unter Umständen das Rad geschoben werden muss, sei akzeptabel. „Dass man da als Radfahrer sowieso nicht mit 35 km/h durchbrettern kann, soll aber ohnehin jedem klar sein“, so Lang.

Einen runden Tisch zum Thema wünscht sich David J. Becher vom Verein Utopiastadt. Zum einen gehe es natürlich um Veranstaltungen, zum anderen auch um die Frage, wie in manchen Bereich für eine sichere Trassenquerung gesorgt werden kann. „Da muss man sich etwas einfallen lassen“, sagt Becher, der fragt: „Wie wird es zum Beispiel in Zukunft am Heubruch aussehen?“. Dort entsteht bekanntlich ein neues großes Wohngebiet, direkt an der Trasse.

Zwei Herzen schlagen in der Brust von Christoph Grothe. Der Wuppertaler engagiert sich in der IG Fahrradstadt und setzt sich für einen möglichst hindernislosen Radverkehr ein - er ist aber auch Utopist. Aus seiner Sicht „sind wir aber auf dem richtigen Weg“. Die Situation habe sich gegenüber dem Vorjahr deutlich verbessert. Schilder, die etwa vor Fußgängern im Bereich der Bahnhöfe warnen oder ein Tempolimit angeben, lehne er ab. „Ich bin kein Fan einer Schilderitis.“

Die Stadt habe auch keine Absicht, Schilder aufzustellen, so Meyer. Und wenn das jemand privat mache, sei das zudem ein „Eingriff in den Straßenverkehr“ und verboten. Wie Grothe appelliert auch der Verkehrsdezernent an eine gegenseitige Rücksichtnahme aller Trassenbenutzer.

Mehr von Westdeutsche Zeitung