Radler wünschen sich Lückenschluss

Radler wünschen sich Lückenschluss

Nordbahntrasse: IG Fahrradstadt spricht sich für gesonderte Radspur im Bereich Vor der Beule aus. Stadt will Vorhaben prüfen lassen.

Wichlinghausen. Über eine Strecke von rund 23 Kilometern erstreckt sich die Nordbahntrasse durch Wuppertal, die Wiederbelebung der alten Bahnstrecke als Rad- und Wanderweg ist ein Referenzprojekt für bürgerschaftliches Engagement. Doch nicht an allen Abschnitten der Nordbahntrasse läuft der Rad- und Wanderverkehr so, wie man es sich wünscht. So kritisiert etwa der Verein Fahrradstadt Wuppertal schon seit längerem die aus seiner Sicht unzureichende Situation im Bereich Wichlinghausen. Wer nach Osten unterwegs ist, muss nach dem Bergischen Plateau am Bahnhof Wichlinghausen über eine Strecke von rund 500 Metern — entlang der Straßen Am Diek und Vor der Beule — über einen gemeinsamen Gehweg fahren, skaten oder flanieren.

Entlang von vier Supermärkten, einem Gartencenter und einer Autowerkstatt können die Nutzer der Nordbahntrasse den für Radler freigegebenen Gehweg befahren. Gerade dieser Tage kann das allerdings problematisch werden, weil bei dem sommerlichen Wetter viele Menschen unterwegs sind und es zu Konflikten kommen kann.

Zudem können die Radfahrer in dem Bereich nur im Schritttempo fahren. Darauf haben die Wuppertaler Fahrradfreunde erst vor kurzem in einem Beitrag auf Facebook aufmerksam gemacht.

Zugleich verweist der Verein auf eine Lösung, die er schon länger propagiert: eine gesonderte Fahrspur für Radfahrer — neudeutsch „Protected Bike Lane“ —, die nur den Radfahrern zur Verfügung stünde und ein zügiges und unproblematisches Passieren des Trassenabschnitts erlaubte. „Das wäre in dem Bereich die ideale Lösung“, sagt Christoph Grothe vom Vorstand der Fahrradstadt Wuppertal. Die Fußgänger könnten den Gehweg nutzen, die Radfahrer hätten eine eigene Spur für sich. Die Fahrspur könnte grün abgesetzt werden, zudem könnten auch Blumenkübel errichtet werden.

Allerdings würde diese Regelung für den Autoverkehr eine Einschränkung mit sich bringen. Die Straße Vor der Beule würde zu einer Einbahnstraße heruntergestuft. Dieser Abschnitt könnte dann nur noch in Richtung Osten von Pkw und Lkw befahren werden. Wer in Gegenrichtung unterwegs ist, müsste einen Umweg über die Wittener Straße bis zum Anschluss Am Diek — zwischen den Discounter-Märkten hindurch — nehmen.

Nach Angaben der Fahrradstadt würde dieser Umweg für die Autofahrer nur eine zusätzliche Fahrzeit von elf Sekunden betragen — bei einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern. Der Umweg läge bei knapp 620 Metern: Das wären etwa 150 Meter zur jetzigen Fahrstrecke zusätzlich.

Grothe weiß, dass diese Verkehrsregelung durchaus ambitioniert daherkommt. Er plädiert deshalb auch dafür, dass zunächst die Stadt eine Simulation durchführt, um zu sehen, welche Auswirkungen die geplanten Veränderungen auf den Verkehrsfluss haben könnten. Dabei müsste auch ermittelt werden, wie viele Radfahrer in dem Bereich unterwegs sind.

Für das Projekt werben die Radfreunde schon seit längerem: Im August 2016 kam sogar der damalige NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD), um sich gemeinsam mit seinem Parteigenossen Oberbürgermeister Andreas Mucke über die Nordbahntrasse zu informieren. Dabei wurde auch für die „Protected Bike Lane“ im Bereich An der Beule geworben. Die Stadt sei zwar grundsätzlich interessiert gewesen, bislang aber nicht aktiv geworden, sagt Grothe. Dabei sieht der Rad-Lobbyist in dem Projekt ein wichtiges Pilotvorhaben, um zu zeigen, wie ein solcher Umbau der Verkehrsführung vor dem Hintergrund der anstehenden Verkehrswende gelingen könnte.

Die Stadt zeigt sich weiter interessiert, eine neue Verkehrsregelung an dieser Stelle und die Auswirkungen auf die Anwohner zumindest prüfen zu lassen. Da ein solcher Untersuchungs- und Planungsauftrag allerdings einen mittleren bis hohen fünfstelligen Euro-Betrag kosten dürfte, seien die Mittel dazu im laufenden Haushalt nicht zur Verfügung gestellt worden, erklärt Stadtsprecherin Martina Eckermann. Die Verwaltung habe das Thema aber weiter „auf der Agenda“. Für den kommenden Haushalt sollen entsprechende Mittel beantragt werden.

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