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Radler haben am Wuppertaler Wall trotz eigener Spur keine freie Fahrt

Verkehr in Wuppertal : Radler haben am Wall trotz eigener Spur keine freie Fahrt

Die Stadt hat die Einbahnstraße für den Radverkehr freigegeben. Doch es parken immer wieder Fahrzeuge auf dem Streifen.

Seit Ende der vergangenen Woche ist die Einbahnstraße Wall für den gegenläufigen Radverkehr freigegeben. Mit der Markierung der entsprechenden Spur wurde ein Beschluss der Bezirksvertretung Elberfeld aus dem November vergangenen Jahres umgesetzt. Und das bedeutet, dass auf der westlichen Seite der belebten Verkehrsader die Parkplätze wegfallen, die vornehmlich zum Be- und Entladen, aber auch von Taxen zum Transport von kranken und behinderten Menschen zu den Arztpraxen auf dem Wall genutzt wurden.

Das hat seitens der Taxifahrer natürlich keine Begeisterungsstürme ausgelöst, doch auf entsprechende Fragen reagierte man eher gelassen. „Das ist natürlich schade, aber nicht zu ändern“, erklärt Taxifahrerin Sylvia Dötsch. Sie beklagt eher, dass die den Taxen ab 11 Uhr zusätzlich zustehenden Parkplätze von meist auswärtigen Autofahrern genutzt werden. Auch Konstantin Kux in seiner beigefarbenen Droschke regt sich nicht sonderlich auf: „Damit müssen wir uns abfinden“, meint er eher lakonisch.

Klaus Lang, Vorsitzender des hiesigen Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), ist ein uneingeschränkter Befürworter der neuen Fahrradspur. „Endlich haben wir eine Alternative zur Gathe, die für Radfahrer nicht ungefährlich ist. Jetzt geht es vom Bahnhof Mirke über die Neue Friedrich-Straße, die vor der Realschule Fahrradstraße werden soll, und die Friedrichstraße zum Wall in die Innenstadt“, erklärt Lang, der im Kopfsteinpflaster im unteren Bereich der Friedrichstraße noch Probleme sieht. „Was damit wird, wissen wir vom ADFC nicht.“

Seit dieser Woche werden am Wall auch Knöllchen verteilt

Eine Anfrage bei der Stadt, Bereich „Nahmobilität“, brachte Aufklärung: „Die Bepflasterung der Friedrichstraße steht unter Denkmalschutz“, erklärt Dirk Lange, der vor allem in der zukünftigen Fahrradstraße Neue Friedrichstraße einen großen Vorteil für die Schülerinnen und Schüler, für die Radfahrer und die Fußgänger sieht.

Das Problem, dass die Fahrbahn zu schmal ist für die Autos und die auf der östlichen Seite des Walls verlaufende Busspur, die für Anlieferungen und auch von den in gegenläufiger Richtung fahrenden Radfahrern genutzt wird, sieht Lange nicht. „Das ist mit der Polizei und mit den WSW abgesprochen“, berichtet der für die Nahmobilität zuständige Verkehrsplaner. Auch dass der Lieferverkehr wegen der Radspur jetzt nur noch auf der anderen Straßenseite des Walls (vor dem Holiday Inn Hotel und zeitlich begrenzt vor Peek & Cloppenburg) halten kann und die Straße queren muss, ist in den Augen von Dirk Lange hinnehmbar. Schließlich wurde die Radverbindung von der Nordbahntrasse in die Elberfelder City seit langer Zeit gefordert und findet auch in der Politik eine klare Mehrheit. Man sieht seitens der Stadt in der neuen Fahrradspur auch eine Steigerung der Attraktivität und Belebung der Fußgängerzone.

Doch bei Stichproben am Montag und am Dienstag zeigte sich, dass das Radfahren auf der neuen mit Pfeilen von Nord nach Süd und Fahrradsymbolen gekennzeichneten Zone nicht das reine Vergnügen ist. Denn der neue Radweg wird nach wie vor von Kfz als Kurzparkzone genutzt, so dass Radler vielfach absteigen müssten, um den Wall zu passieren. Überwiegend waren es auswärtige Pkw, die die aufgemalten Fahrräder souverän ignorierten, wobei ein Dortmunder Lkw nicht nur seelenruhig seine Ware vor dem Textil-Discounter entlud, sondern mit der anschließenden Einfahrt in den Turmhof trotz rot-weißer Verbotsschilder seine eigenwillige Interpretation der gängigen Verkehrsregeln demonstrierte.

Offensichtlich noch ein lohnendes Betätigungsfeld für das Ordnungsamt, das nach eigenen Angaben seit dieser Woche vier Verwarnungen an die Falschparker verteilt hat. Sie trafen dabei allerdings nicht auf Proteste der Pedalisten. Weil nämlich weder am Montag- noch am Dienstagmorgen Radfahrer auf dem Wall unterwegs waren als die WZ vor Ort war. „Doch hier gibt es viele Radfahrer“, bestätigte Taxifahrerin Sylvia Doetsch ebenso wie ihr Kollege Konstantin Kux. Dass zu den genannten Zeiträumen niemand per Rad den Wall passierte, erklärt Klaus Lang so: „Das stürmische Wetter an beiden Tagen lud nicht gerade zum Radfahren ein.“