Radfahrer setzen sich für bessere Verkehrsplanung ein

Radfahrer setzen sich für bessere Verkehrsplanung ein

Viele Wuppertaler schlossen sich der rund 50 Kilometer langen Sternfahrt Ruhr an. Die Teilnehmer wollten damit ein Zeichen für die emissionslose Alternative zum Auto setzen.

Bessere Radwege und mehr Rücksicht auf Fahrradfahrer bei der Verkehrsplanung — für diese Ziele schwangen sich am Sonntag auch etliche Wuppertaler aufs Fahrrad. 23 meist männliche Radler trafen sich am Bahnhof Mirke, um zur Sternfahrt Ruhr nach Bochum zu fahren. Weitere Teilnehmer stießen in Wichlinghausen und Schee dazu.

„Wenn man mit Tausenden von Leuten durch Bochum fährt — das ist ein Hölle-Erlebnis“, schwärmt Stephan Aldenhoven, der schon vergangenes Jahr bei der Sternfahrt dabei war. Auch Raphael Harlos genießt das Gemeinschaftserlebnis, sieht aber auch den politischen Aspekt: „Wir wollen der Politik zeigen, dass wir Interesse an einer guten Rad-Infrastruktur haben.“

Die Menge ist bunt gemischt: Fahrrad-Aktivisten der IG Fahrradstadt und des ADFC sind ebenso vertreten wie Freizeitradler. Die meisten sind mittleren Alters. Familien mit Kindern fehlen angesichts von 40 Kilometern Strecke bis Bochum plus 17 Kilometer vor Ort. Einige Teilnehmer kennen sich, etwa von den Critical Mass-Touren, andere sind neu dabei.

Kirsten Haberer, Christoph Grothe und Christoph Marcus von der IG Fahrradstadt übernehmen zwischen Utopiastadt und Hattingen die Aufsicht über die Gruppe. Auf der Nordbahntrasse ist das unproblematisch, aber an einer Straßenkreuzung müssen sie die Straße kurzzeitig sperren. Außerdem müssen sie die immer größer werdende Gruppe zusammenhalten. Christoph Marcus sorgt für die Musik: Auf sein Lastenfahrrad hat er einen großen Lautsprecher montiert und beschallt so die Radler mit Guter-Laune-Musik voller treibender Rhythmen.

„Mit so einer Aktion erhöhen wir das Bewusstsein in der Gesellschaft — auch die Leute am Straßenrand werden aufmerksam“, betont Kirsten Haberer. Und die Sternfahrt ist eine Möglichkeit, die Ziele der Aktivisten öffentlichkeitswirksam zu formulieren: Die Menschen sollen das Fahrrad als gut einsetzbare Alternative zum Auto erkennen. „Gerade nach einem Bürotag ist der Heimweg per Fahrrad ein schöner Ausgleich“, findet Christoph Marcus. Dafür sei jedoch auch ein Entgegenkommen der Arbeitgeber nötig: Wer täglich und vielleicht auch weiter zur Arbeit radelt, benötigt dort eine Dusche und einen Aufbewahrungsplatz für nasse Regenkleidung. Weitere Forderungen sind Tempo 30 in Städten, Grüne Welle für den Radverkehr und Radschnellwege.

Kurz vor Abfahrt gibt es noch eine kurze Irritation — wo bleibt der Zubringer aus Solingen? Dann stellt sich heraus, dass die zwei Solinger schon da sind. Im letzten Moment gesellt sich noch ein Hochradfahrer dazu, dann geht es los: Schnell die Zigarette ausdrücken, Musik an und der lange Tross setzt sich in Bewegung.

Mehr von Westdeutsche Zeitung