Radarfallen: Fehler bei der Auswertung?

Radarfallen: Fehler bei der Auswertung?

Ein Rechtsanwalt wirft den Behörden Patzer bei Radarmessungen vor. Die Stadt weist das zurück.

Wuppertal. Mehr als 48.300 Mal knipsten mobile Blitzer im vergangenen Jahr Temposünder in Wuppertal. Das sich anschließende Procedere ist Standard: Auswertung der Bilder, Ermittlung des Fahrers und ein Bußgeldbescheid - mitunter auch Punkte in Flensburg. Bei kniffligen Fällen kann sich aus diesem Verfahren auch ein Gerichtsprozess entwickeln.

Ein solcher Fall wird derzeit vor dem Wuppertaler Amtsgericht verhandelt. Ein Fahranfänger wurde auf der Hauptstraße in Vohwinkel - sie ist zweispurig befahrbar - mit einer Geschwindigkeitsüberschreitung von 31 Stundenkilometern geblitzt. Das kostet ihn unter Umständen einen Monat Fahrverbot, zirka 100 Euro Geldbuße und drei Punkte in Flensburg.

Das Foto, das die Stadt von jener angeblichen Verkehrssünde geschossen hat, zeigt jedoch zwei Autos. Um nun zu ermitteln, welches der Fahrzeuge den Blitzer ausgelöst hat, muss die Behörde eine geeichte Schablone auf das Bild anlegen, um den Mess-Strahl zu simulieren. Dieser Part warf nun bei Verteidiger Tim Geißler Fragen auf.

"Das Foto, das die Stadt als Beweis geschickt hatte, war viel zu klein für die Schablone. Die Auswertung ist mithin ungültig", sagt der Jurist. Angeblich aus "Kostenersparnis" habe die Stadt das kleinere Foto ausgedruckt. Darauf angesprochen, habe die Sachbearbeiterin der Stadt im Prozess gesagt, das werde immer so gehandhabt und werde auch das Ergebnis nicht verfälschen, so Geißler.

Davon will man bei der Stadt Wuppertal indes nichts wissen. "Wir verkleinern keine Bilder zur Auswertung", sagt Martina Eckermann, Sprecherin der Stadt. Diese würden ausschließlich für den Bescheid an den Temposünder verkleinert. Die eigentliche Auswertung erfolge an einem Monitor - in der erforderlichen Größe. Der Fall, der vor Gericht für Verwirrung gesorgt habe, sei auf ein Missverständnis zurückzuführen, sagt Eckermann. "Wir haben den verkleinerten Ausdruck geschickt, weil wir dachten, es geht um die Identifizierung des Fahrers."

Tim Geißler: "Diese Aussage steht zu hundert Prozent im Widerspruch zu den Angaben der beiden Zeugen." "Wir haben zwei Beamte gehört, die die Auswertung machen - keiner hat gesagt, dass man an einem Monitor auswertet", sagt der Anwalt.

Inzwischen hat die Stadt übrigens das Foto in der benötigten Größe an das Gericht geschickt. Laut Geißler ist deutlich zu sehen, dass der Mess-Strahl das Auto an einer anderen Stelle trifft als auf dem kleinen Bild: "Meines Erachtens nach ist nicht mehr sicher, dass die Messung verwertbar ist. Er kündigte an, ein Gutachten zu beantragen.