Wuppertal: Quartiersmanager suchen „Haushüter“ in Oberbarmen

Wuppertal : Quartiersmanager suchen „Haushüter“ in Oberbarmen

Projekt will neues Leben in leerstehende und sanierungsbedürftige Wohnungen bringen. Fördermittel sollen ab 2018 fließen.

Oberbarmen. Die Idee stammt aus der alten Messestadt Leipzig, in der zur Wende und auch in den Folgejahren viele Häuser leer standen und verfielen: Junge Mieter mit und ohne Familie bezogen renovierungsbedürftige Wohnungen oder Häuser, zahlten wenig oder gar keine Miete, sanierten dafür die Wohnungen und stoppten so den weiteren Verfall der Immobilien. Die Erfahrungen waren so gut, dass nun ein ähnliches Konzept im Rahmen des Städtebaulichen Entwicklungskonzepts Soziale Stadt Oberbarmen/Wichlinghausen auch in den dortigen Quartieren erprobt werden soll.

Vor einem Jahr haben das Büro für Quartierentwicklung und das Zentrum für Transformationsforschung und Nachhaltigkeit (Transzent) das Projekt gestartet: Zwei erste Workshops zu dem Vorhaben fanden statt, potenzielle Vermieter sollten akquiriert, potenzielle Mieter neugierig gemacht werden. Zunächst firmierte das Projekt unter dem Titel „Haushüten auf Zeit“, mittlerweile ist der Zusatz „auf Zeit“ gestrichen.

Bislang standen keine Fördermittel zur Verfügung, ab dem Jahr 2018 sollen es immerhin 127 000 Euro sein. So sieht es die Fortschreibung des Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes vor, die der Stadtrat am 19. Dezember verabschieden soll. Noch steckt das Projekt freilich in den Kinderschuhen.

„Derzeit sind wir noch in der Pilotphase“, sagt Nikolai Spies, Sozialwissenschaftler der Wuppertaler Quartierentwicklungs GmbH. Man habe in der Schwarzbach eine erste Wohnung, deren Eigentümer die Räumlichkeiten für wenig Geld an einen Mieter abgeben würde. Gespräche mit einem potenziellen Mieter, der sich die Wohnung auch schon angeschaut hatte, seien allerdings erfolglos verlaufen. Nun werde nach einem anderen Interessenten gesucht.

Drei Wochen lang sei die Wohnung im Vorfeld über den Allgemeinen Studierenden-Ausschuss der Bergischen Uni und das Hochschulsozialwerk beworben worden. Nun sollten demnächst auch die Immobilienportale im Internet bespielt werden, erklärt Spies. „Im kommenden Jahr möchten wir etwa fünf Wohnungen auf den Weg bringen“, betont er. Derzeit seien aber noch rechtliche Fragen zu klären — unter anderem, in welchem Umfang die Kosten für die Renovierung des Objekts auf die Miete angerechnet werden können.

Das Projekt hat vor allem Studenten als Mieter im Blick, will sich aber nicht allein auf diese Personengruppe konzentrieren. „Das Angebot richtet sich an alle, die Interesse und Lust haben, eine Wohnung herzurichten“, sagt Annaliesa Hilger, Mitarbeiterin bei Transzent, die das Projekt betreut und dazu derzeit eine Doktorarbeit anfertigt. Auch die Eigentümer hätten Interesse daran, die Wohnungen zu vermieten, allerdings mitunter keine Möglichkeit, die Objekte wieder für eine Vermietung herzurichten. Das kann nämlich schnell sehr teuer und aufwendig werden.

Hier soll die „Haushüte“-Idee ansetzen und Wohnungssuchende mit potenziellen Interessenten zusammenbringen. Positiv sei auch, dass man bei der Umsetzung des Projekts eng mit den Verantwortlichen vor Ort — der Bezirksvertretung oder den Immobilienbesitzern — zusammenarbeite, betont Hilger.

Die jetzt in Aussicht gestellten Mittel für das Projekt sollen nach Angaben der Stadt vor allem dafür verwendet werden, das Vorhaben bekannter zu machen. Die Akquise und Vermittlung von Wohnungen soll dadurch in Gang kommen. Quartiersentwickler Spies würde sich zudem ein leerstehendes Haus wünschen, das im Rahmen des Projekts zur Verfügung gestellt wird. Gerade in einem solchen Referenzobjekt könnten die Vorteile der „Haushüte“-Idee dann noch stärker deutlich gemacht werden.

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