Qualitätsoffensive konzentriert sich zunächst aufs Wuppertaler Zentrum

Stadtentwicklung : Qualitätsoffensive konzentriert sich zunächst aufs Zentrum

Bei der dritten Innenstadtkonferenz wurde vor allem über die Anbindung des Neumarkts an die angrenzenden Einkaufsstraßen diskutiert.

Parkplätze ohne Autos, Wohnbebauung, „goldene Bänke“: Die Ideen zur Aufwertung der Elberfelder Innenstadt sind vielfältig und bergen auch Überraschendes. Die Ergebnisse der „Qualitätsoffensive Innenstadt“ sind freilich kein bloßes Sammelsurium, im Gegenteil: Das zuständige Team zeigte sich bei der Innenstadtkonferenz im Elberfelder Rathaus ebenso strukturiert wie kreativ.

Prof. Klaus Overmeier (Urban Catalyst Studio) und Prof. Dr. Guido Spars (Institut für Raumforschung und Immobilienwirtschaft) sind damit beauftragt, die Situation zu analysieren und neue Ansätze zu entwickeln. 2016 begann dazu der Dialogprozess mit Wuppertaler Bürgern. Vorschläge fanden Eingang in das Konzept, das in Empfehlungen der Macher an die Politik mündete. Grundsätzliche Hoffnung von Gunther Stoldt, Abteilungsleiter „Qualitätsoffensive“: „Vom Rat der Stadt erwarten wir eine Rückendeckung für die weitere Entwicklung.“

Der Plan geht aus von einer Dreiteilung: Luisenviertel, Kern von Elberfeld, Hofaue. Von ersterem war am Dienstagabend weniger zu hören, was sicher auch an einer wichtigen Neuheit seit der vergangenen Konferenz lag: dem inzwischen runderneuerten Döppersberg. Stoldt: „Der Neumarkt hat eine wichtige Magnetfunktion als Gegenpol zum neuen Döppersberg“. Dass dieser anregend auf die Innenstadt ausstrahlt, bestand Einigkeit zwischen ihm und Döppersberg-Kommunikator Johannes Busmann: Der Mediendesign-Professor lobte die „neuen Perspektiven“ – im Wortsinn Richtung City wie auch übertragen: „Es ermöglicht neue Vorstellungen dazu, was die Innenstadtentwicklung zeigen kann.“

Quer durch die Entwürfe und Anregungen tauchte ein Begriff immer wieder auf: „Mobilitätsuntersuchung“. Dass das keineswegs primär Autos meinte, vielmehr Alternativen dazu, lag nahe und fand verschiedentlich Konkretisierung. Das galt etwa bei Überlegungen zum Neumarkt, der stärker an seine „Ränder“ angebunden werden soll. Geboten, so die Experten unisono, sei es aber für die gesamte Innenstadt. Das hatte sicher zu tun mit den Verbindungen zwischen Orten, die mitunter unerwartet gemeinsam in den Fokus kamen: Bezüge zwischen City und Utopiastadt etwa, also vom Karlsplatz Richtung Nordstadt. Ungewohnt auch die Linie, die zwischen Hofaue und dem geplanten Tanzzentrum anvisiert wird. Bindeglied: Kultur – ein schon vorhandener kultureller Kern, wohl rund ums Atelierhaus, sei dazu freilich noch auszubauen. Kreativwirtschaft war generell ein weiteres Thema unter den Ansätzen, neben dem Einzelhandel auch andere Akzente in der Stadt zu setzen.

Die kürzlich mit einer Ablehnung beendete Seilbahn-Debatte im Sinn, ging es im Saal häufiger um Bürgerbeteiligung. Nicht in Form von Referenden, sondern mit Möglichkeiten zum Mitgestalten. „Wuppertal ist eine Bürgerstadt“, formulierte Guido Spars programmatisch und regte an, etwa in die Aufwertung des Wupperufers Menschen aus der Bevölkerung einzubeziehen. Was Busmann konterte: „Der Wupperpark Ost ist bürgerlich.“

Autofreunde hatten
es nicht leicht

Ausführlich in den Blick kommt bei den Überlegungen der Platz am Kolk. Stoldt dazu: „Der Pfarrer der Kirche sagt mir: Nach einer Trauung treten die Leute auf eine Straße.“ Mehr freier Raum: Das sah auch Architekt Markus Rathke im Publikum ähnlich, der besonders auf das neue Hotel dort abhob. „Eine qualitätvolle Vorzone“ war hier sein Wunsch, und dort beim Parkplatz ganz konkret: „Die Autos mal ´runternehmen. Das geht eigentlich relativ schnell, oder?“ Überhaupt bekamen Auto-Enthusiasten heute einiges zu hören: „Warum muss die Straße Kipdorf in beide Richtungen befahrbar sein?“ Auch hier setzte man auf die Mobilitätsuntersuchung, um Lage und Optionen zu klären. „Gerne mutig!“, ermunterte Bernhard Sander (Linke), den Individual-, sprich: Autoverkehr, wo sinnvoll, durchaus beherzt zu bremsen. Für Klaus Lüdemann von den Grünen ohnehin ein Leib- und Magenthema: Gekommen war er wie üblich mit dem Fahrrad.

In Richtung „Tor zum Luisenviertel“ gab es Vorschläge zum Von-der-Heydt-Platz. „Die goldene Bank kommt“, war zu hören und im grafischen Entwurf auch zu sehen: Eine schillernde Sitzgelegenheit etwa vor dem Bekleidungshaus soll den Aufenthalt angenehmer machen.

Bekannt ist zudem der Verbesserungsbedarf am Karlsplatz, wobei dort gerade organisatorisch ein Dämpfer kam: Das Management der Rathaus-Galerie hat gewechselt, Begonnenes steht auf Anfang.

Von der ISG Poststraße gab es einen eigenen Beitrag. Neben Eleonore Putty erklärte Nikolai Espenschied: „Wir sind die 1A-Lage in Elberfeld.“ Ein Entwurf sah hier unter anderem Flächenmarketing und ein attraktives Lichtkonzept vor.

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