Prozess um Verfolgungsfahrt am Spielplatz

Prozess um Verfolgungsfahrt am Spielplatz

Kinderstreit als Anlass? Angeklagter (33) gibt angeblichem Opfer (42) die Schuld.

Wuppertal. Wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und Verstoßes gegen das Waffengesetz muss sich seit Dienstag ein 33 Jahre alter Mann vor dem Amtsgericht verantworten. Am 22. Juni 2011 soll er mit seinem Fiat Panda mehrfach auf das mutmaßliche Opfer (42) und dessen fünf Kinder mit hohem Tempo zugefahren und sie auf dem Fußgängerweg der Grafenstraße in Wichlinghausen regelrecht verfolgt haben. Zudem habe er dem Vater einen geladenen Revolver an den Kopf gehalten. Der 42-Jährige habe in Notwehr dem Angeklagten mehrfach ins Gesicht geschlagen. Seine Kinder konnten sich laut Anklage zwischen parkende Autos retten.

Grund für den Zwischenfall soll ein Kinderstreit auf dem Spielplatz am Görlitzer Platz gewesen sein. Der Sohn des Angeklagten habe dort die Kinder des 42-Jährigen geschlagen. Der Angeklagte behauptete, dass die Kinder seinen Sohn zum Weinen gebracht hätten, und wies die Vorwürfe der Anklage zurück. Seine Version: Als er von dem Streit auf dem Spielplatz erfahren habe, sei er losgefahren, um seinen Sohn zu finden. Als er dabei auf den 42-Jährigen getroffen sei, habe der ihn durch das offene Autofenster gewürgt.

Der älteste Sohn (20) des 42-Jährigen habe gegen den Panda getreten. In seiner Not habe er den Rückwärtsgang eingelegt und sei weggefahren. Der Streit ging offenbar weiter: Ein zweites Mal soll der 42-Jährige mit seinem Sohn (20) den Angeklagten auf der Liegnitzer Straße aufgehalten haben, als sie schreiend vor das Auto gesprungen seien. Er habe mit einem Schlenker ausweichen müssen, sagte der 33-Jährige.

Und der Revolver? Bei der Waffe handelt sich um eine Schreckschusspistole, mit der man unter anderem auch Leuchtkugeln verschießen kann: „Es hört sich vielleicht blöd an, aber ich habe den Revolver für Silvester gekauft, damit ich die Raketen nicht alle einzeln anzünden musste“, beteuert der Angeklagte am gestrigen Dienstag vor Gericht. „Ich wollte nicht, dass mein Sohn die Waffe findet“, sagte er. Seine Wohnung sei kein sicherer Aufbewahrungsort, deswegen habe er die Waffe auf dem Rücksitz seines Fiat deponiert. Auf Nachfrage des Staatsanwalts, warum das Auto ein sicherer Ort für die Waffe sei, antwortete der Angeklagte: „Mein Sohn ist etwas übergewichtig — er kann in dem Fiat nicht hinten sitzen.“

Ein Urteil gab es am Dienstag noch nicht. Sechs Zeugen — darunter der 20 Jahre alte Sohn des angeblichen Opfers sind nicht vor Gericht erschienen. Der Prozess wird Anfang Februar fortgesetzt. Unter anderem sollen dann neun weitere Zeugen gehört werden.

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