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Prozess: Bankräuber ist doch kein Gentleman

Prozess: Bankräuber ist doch kein Gentleman

Innerhalb von vier Monaten knackte ein 50-Jähriger in Wuppertal und Dortmund zwei Banken. Ab Montag wir ihm am Landgericht der Prozess gemacht.

Wuppertal. Manfred F. kam im dicksten Mittagstrubel. An jenem 18.Oktober 2006 herrschte in der Hauptfiliale der Sparkasse am Rolingswerth Hochbetrieb. Ganz cool marschierte F. quer durch die nicht eben kleine Halle zur Kasse. Dort holte er eine Schreckschusswaffe hervor, sagte knapp: "Schnell, schnell", und ging wieder. Samt seiner Beute von 17015Euro verschwand er im Trubel der Barmer City.

Am Montag wird dem 50-Jährigen der Prozess gemacht - wegen zweifachen Bankraubes. Denn vier Monate später knackte F. auch eine Bank in Dortmund, dann kamen ihm die Fahnder auf die Spur. Seit Ende März sitzt der gebürtige Berliner in der JVA Simonshöfchen (die WZ berichtete) in U-Haft.

Lange Zeit galt F. als eleganter "Gentleman-Räuber". Der Grund: Bei seinen beiden Überfällen hat er nicht nur seinen rotbraunen Aktenkoffer dabei, sondern sah auf den Bildern, die die Überwachungskamera von ihm machte, mit Anzug und seriöser Brille aus wie ein Geschäftsmann. Von solch romantischen Vorstellungen darf man sich getrost verabschieden. Manfred F.hat eine traurige Vorgeschichte.

Wegen schwerer räuberischer Erpressung saß er bereits mehr als ein Jahrzehnt in Haft. 1982 wurde er in Duisburg zu sieben Jahren verurteilt. Das Gericht ordnete damals sogar Sicherheitsverwahrung an. F.saß deshalb bis März 1999 hinter Gittern.

Einen Beruf hat der Berliner offenbar nicht erlernt. Er schlug sich als Bauhelfer und Lagerarbeiter durchs Leben. Irgendwann soll er dann angefangen haben, um Geld zu spielen. Das wurde zur teuren Sucht und führte F. wieder auf die schiefe Bahn. Die Beute aus den beiden Banküberfällen soll er dann auch zu großen Teilen wieder verprasst haben - insgesamt mehr als 24000Euro.

Mit seinen dreisten Coups schaffte es Manfred F. bis in die ZDF-Fahndungsshow "Aktenzeichen XY". Jede Menge Zeugenhinweise gab es zum "Gentleman-Räuber". Am Ende wurde ihm wohl ein Security-Paket zum Verhängnis. Das hatte man ihm beim Überfall in Dortmund in die Aktentasche gesteckt. Die rotgefärbten 200-Euro-Scheine führten die Fahnder schließlich auf seine Spur.

Überwacht Die Überwachungskamera nahm den "Gentleman-Räuber" samt Aktenkoffer beim Überfall in Barmen auf. Angesichts weiterer Bilder soll Manfred F. bei der Kripo ein Geständnis abgelegt haben. Heute beginnt sein Prozess.