Prostitution in Wuppertal: „Die Frauen kommen aus tiefer Armut“

Prostitution in Wuppertal: „Die Frauen kommen aus tiefer Armut“

Das Gesundheitsamt untersucht die Frauen kostenlos und hilft bei sozialen Problemen.

Wuppertal. „Die Frauen sind oft Wirtschaftsflüchtlinge und kommen aus tiefer Armut. Dort, wo sie herkommen, können sie keinen Euro verdienen und deshalb nehmen sie hier viel in Kauf“, sagt Dagmar Wagener von der Beratungsstelle für sexuelle Gesundheit. Zu ihrer Arbeit gehört die Beratung von Prostituierten und all jenen, die einem erhöhten Infektionsrisiko an sexuellen Krankheiten ausgesetzt sind — wie Freiern oder Menschen mit häufig wechselnden Partnerschaften. 1600 Kontakte hatte die Beratungsstelle 2010, die Zahl steigt von Jahr zu Jahr. Ein Großteil der Arbeit macht die Beratung der so genannten Sexarbeiterinnen aus.

Zusätzlich zu den festen Sprechstundenzeiten fährt Dagmar Wagener auch die Clubs ab und berät über sexuell übertragbare Infektionen, virale Hepatitis und Verhütung. 45 Adressen stehen derzeit auf ihrer Liste. In den 1990er-Jahren waren es noch fast doppelt so viele, damals arbeiteten die Prostituierten in Wuppertal noch viel in Wohnungen.

Die meisten Frauen in dem Gewerbe kommen aus Rumänien, Bulgarien oder Tschechien. „Sie sind fast alle sehr jung und sprechen wenig oder gar kein Deutsch. Häufig sind sie nicht krankenversichert, das ist ein großes Problem“, weiß die Sozialpädagogin. Sie wissen kaum Bescheid über sichere Arbeitstechniken oder Schutz vor Schwangerschaft und Krankheiten.

Beim Gesundheitsamt werden sie kostenlos behandelt, nur einzelne Tests müssen gering bezahlt werden. Ein weiterer Vorteil: Die Untersuchungen sind anonym, die Beratungsstelle kennt den Arbeitsnamen und das Geburtsdatum der Frauen und weiß, in welchem Club sie arbeiten.

Haben die Frauen erst einmal Vertrauen gefasst, lernt Wagener viele Schicksale kennen: „Sie schicken immer Geld nach Hause und müssen sehr viel an den Betreiber bezahlen. Da bleibt für sie nicht viel übrig.“

Eine große Hilfe ist für Wagener die Zusammenarbeit mit den Caritas-Projekten „Eva“ und „Magdalena“, die sich unter anderem um Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution kümmern. „So können wir den Frauen weiterführende Hilfen anbieten. Das macht unsere Arbeit viel effektiver“, sagt Wagener. Dank der Caritas sind bei den Sprechstunden auch Übersetzer vor Ort.

„Oft arbeiten die Frauen nur in dem Milieu, weil sie in ihrer Heimat Kinder haben, die sie unterstützen“, sagt Elisabeth Cleary von der Caritas. Sie kann bei Aufenthaltsfragen und bei der Ärztesuche helfen und unterstützt die Frauen auch, wenn sie aus dem Gewerbe aussteigen wollen.

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