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Professionelle Hilfe für junge Autoren

Professionelle Hilfe für junge Autoren

Der Schriftsteller Karl Otto Mühl gab Schülern wertvolle Tipps.

Wuppertal. Die „moralische, süchtige Mittelklasseempfindlichkeit“ ist ungefähr das, wovon sich die Betroffenen noch am wenigsten ein Bild machen können. Anna Schumacher jongliert derweil ganz lässig mit den Begriffen, zu denen sie eine Kurzgeschichte geschrieben hat. Die birgt nach Aussage des Wuppertaler Schriftstellers Karl Otto Mühl erstaunliche philosophische Tiefen.

Dass Mühl die Ehre hatte, Einblicke in die Schreibkünste junger Studierender zu erhalten, ist Ergebnis eines Workshops am Bergischen Berufskolleg, mitfinanziert durch die Jackstädt-Stiftung. „Ich bin nicht als rettender Engel in die Klassen gekommen, sondern habe dort selbst etwas gelernt“, gibt Mühl zu.

Als Schriftsteller zum Anfassen konnte er einen Zugang zur Sprache schaffen, wie er im Deutschunterricht oft verwehrt bleibt. Anliegen des Workshops, der sich über vier Wochen erstreckte, war es zunächst nur, Sprachbarrieren zu lockern, die nicht selten auch den Zugang zu anderen Fächern behindern. Das Ergebnis aber ging weit über die Erwartungen hinaus.

Nachdem Mühl zunächst nur Anregungen gegeben hatte, füllten die jungen Leute den Plot mit Leben. So verfasste Armand Schick unter dem Druck, eine Geschichte schreiben zu müssen, kurzerhand eine Geschichte über den Druck, eine Geschichte schreiben zu müssen. Sebastian Danck fesselte seine Leser mit einer Story über Zombies, um sie dann mit dem gänzlich Unerwarteten auf den Leim zu führen. Jenny Hartmann hatte derweil schon vor dem Workshop mit Mühl ihre ersten Schreiberfahrungen. „Was ich früher geschrieben habe, war oft nicht so gut, aber ich wusste nicht, woran das lag.“ Mühls Anregungen hätten ihr da in mancher Hinsicht die Augen geöffnet.

„Hinter stilistischen Problemen stecken häufig Persönlichkeitsprobleme“, sagt Mühl. So komme es vor allem darauf an, beim Schreiben authentisch zu sein. Für Finja Reblin liegt das Authentische im Poetry Slam. Nach der Begegnung mit Mühl will sie nun sogar ihr erstes Buch schreiben.