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Produktionsstraße durch Kulturzentrum Loch

Musik : Produktionsstraße durch Kulturzentrum Loch

Gelungenes Happening „TypenTappenTonchen“.

Der Ton gab den Ton an. „Typen Tappen Tonchen – Manifest einer Human-Kapital- und Maschinen-Installation“: Hinter dem ein wenig sperrigen Titel verbarg sich nicht nur ein musikalisches Experiment. Zum Ausklang des Engels-Jahres präsentierte das Kulturzentrum Loch am Freitag ein Spiel mit Arbeit, Maschinen, Entfremdung, Industrialisierung, Kapitalismus, Kommunismus und Revolution.

Hinter TTT verbarg sich kein bequem zu konsumierendes Konzert. Die Besucher wurden durch eine sich ständig ändernde begehbare Installation geführt und waren Teil des Konzeptes. Auf einer „Produktionsstraße“ gelangten sie in einen Mikrokosmos aus Klängen und Aktionen. Abgedunkelte (Fabrik-)Räume, Produktionsstätten der Industrialisierung, gingen eine Verbindung mit der Musik ein.

In dem komplexen Produktionsmechanismus wird das musikalische Material verarbeitet. Sich drehende Maschinenteile, rotierende Lampen, Musiker in Warnwesten, Rufe, Aufforderungen, Befehle. Verteilt, mittig auf der gesamten Fläche und in Nebenräumen agieren die Musiker als Teil des experimentellen Spiels mit offenem Ausgang. Was zunächst chaotisch erscheint, ist es nicht. Die Musiker können improvisieren, aber auch aufeinander hören, sich absprechen, musikalisch in Kontakt treten und Allianzen bilden. Sie sind Arbeitende im Betrieb. Zettel mit Aufforderungen werden verteilt. „Ich bin krank geschrieben“, ruft ein Musiker und hält den entsprechenden Zettel hoch. „Ich arbeite nicht“.

Am Schlagzeug trommelt Maik Ollhoff, einen Raum weiter erklingen die sanften Töne der Bassklarinette von Andre Enthöfer. „Bleiben Sie auf der Produktionsstraße. Gehen Sie nur in eine Richtung!“, schallt es aus dem Megafon. Es ist laut auf dieser Produktionsstraße, von allen Seiten tönt Musik in die Ohren, Geigen, Trompeten, Kontrabass oder Cello, Theremin und Percussion. An die Wände werden ständig wechselnde Bildinstallationen projiziert. Die Besucher sind Teil des Werkprozesses und des Produktionsmechanismus, fremdbestimmt und weisungsgebunden in Abhängigkeitsverhältnissen.

Aufbegehren und Ringen
um Autonomie

Doch da ist auch ein Aufbegehren, ein Ringen um Autonomie. Alle Musiker werden auf den Balkon geordert und singen „Bella Ciao“, Lied der italienischen Partisanen im Zweiten Weltkrieg, Hymne der antifaschistischen Bewegung. Wer möchte, kann einstimmen. Besucher können den Musikern ausgelegte Noten zum Spielen geben. Revolutions-, Arbeits- und Freiheitskampflieder wie „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ von Ton, Steine, Scherben oder das deutsche Volkslied „Die Gedanken sind frei“ sind es.

„Ich habe mir die „Moorsoldaten“ (1933 von Häftlingen des Konzentrationslagers Börgermoor verfasst, Red.) ausgesucht“, erzählt Besucherin Doris Eichler und lobt das Event: „Es ist der Hammer, das ist Wuppertal. Die freie Kunstszene hat hier ein enormes kreatives Potential.“

TTT war vierstündiges Happening zu „Sound of the City“ der Wuppertaler Oper. Es stand unter der musikalischen Leitung von Christoph Iacono. 20 Personen konnten, gerne wiederholt, den roten Pfeilen der Produktionsstraße folgen. Und das war gut so, denn jeder Durchlauf war anders. Experimentell, außergewöhnlich, sehens- und hörenswert.