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Probleme mit neuem System im Ausländeramt in Wuppertal

Ausländeramt : „Es wird eine Durststrecke geben“

Nach der Umstellung auf das neue System läuft im Wuppertaler Ausländeramt noch nicht alles reibungslos ab.

Seit Mitte September arbeitet das Wuppertaler Ausländeramt mit neuem Terminsystem. Die Online-Terminvergabe wurde abgeschaltet, die bisherigen Notfallnummern und Notfall-E-Mail-Adressen sind nicht mehr erreichbar. Stattdessen werden Betroffene jetzt per SMS zwei Monate vor Ablauf ihrer Aufenthaltsgenehmigung benachrichtigt und gebeten, entsprechende Unterlagen per E-Mail zu schicken.

Für Mahdi Mosavi läuft schon lange nicht alles rund beim Wuppertaler Ausländeramt. Seit einem Jahr wartet er auf die Entscheidung über seine Aufenthaltsgenehmigung. Zwei Mal wurde ihm bereits eine Fiktionsbescheinigung ausgestellt, ein Nachweis über ein vorläufiges Aufenthaltsrecht. Da er seit der Umstellung des Systems keine Online-Termine mehr vereinbaren kann, sprach er in der vergangenen Woche persönlich vor. Der Türservice händigte ihm einen Zettel mit Ansprechpartner inklusive Telefonnummer und E-Mail-Adresse aus. „Es geht allerdings nie jemand ans Telefon, und die E-Mail-Adresse ist so schlecht auf das Papier gedruckt, dass sie kaum zu lesen ist“, beklagt sich der zweifache Familienvater, der zusammen mit seiner Frau in Wuppertal lebt und an der Ruhr-Universität Bochum Vermessungsingenieurwesen studiert. „Und wie soll ich einen Termin vereinbaren, wenn niemand ans Telefon geht?“

Hans-Jürgen Lemmer, Leiter des Ressorts Zuwanderung und Migration, räumt auf Nachfrage ein, dass seit der Systemumstellung noch nicht alles rund laufe: „In der Praxis funktioniert das System zwar, aber es holpert noch.“

Tagesaktuell arbeiten rund 70 Mitarbeiter in der Ausländerbehörde an der Friedrich-Ebert-Straße. Sie kümmern sich um insgesamt 70 000 Kunden. „Aber natürlich sitzt nicht jeder Mitarbeiter in direktem Kundenkontakt“, erklärt Lemmer.

Grundsätzlich habe er alle in letzter Zeit beantragten Stellen bewilligt bekommen, bis alle neuen Mitarbeiter eingearbeitet sind, wird es allerdings noch eine Weile dauern. „Es wird eine Durststrecke geben. Bis mir alle neuen Stellen helfen, vergehen zwei bis drei Jahre“, prognostiziert der Ressortleiter. Zurückgeworfen in der Bearbeitung der Anträge wurden die Mitarbeiter des Ausländeramtes außerdem durch den Corona-Lockdown im Frühjahr. Lemmer hofft, zumindest diesen Rückstand bis zum Jahreswechsel halbwegs aufgeholt zu haben.

Grundsätzlich soll das neue System Abläufe beschleunigen und direkte Kontakte minimieren. Der erste persönliche Termin wird erst zur Abgabe des Fingerabdrucks und Passbildes fällig, vorab läuft alles per E-Mail und SMS. „Somit reduzieren wir von drei persönlichen Kontakten auf zwei.“

In Bezug auf Mahdi Mosavis ausstehenden Aufenthaltstitel äußert sich Hans-Jürgen Lemmer entschuldigend: „Bei 70 000 Akten kann schon mal etwas schiefgehen, wir sind auch nur Menschen“, und verspricht, sich gegebenenfalls persönlich um den Fall zu kümmern.