Gesellschaft Pro-Palästina-Camp an der Uni Wuppertal

Update · Studierende und Unterstützer machen auf die Situation in Gaza aufmerksam.

Auf dem Unigelände unterhalb der Mensa wurde gestern ein Protest-Camp errichtet.

Auf dem Unigelände unterhalb der Mensa wurde gestern ein Protest-Camp errichtet.

Foto: Andreas Fischer

An der Bergischen Universität Wuppertal gibt es jetzt wie in einigen anderen Uni-Städten ein Pro-Palästina-Camp: Am Mittwoch bauten Studierende und Unterstützer am ehemaligen Löschteich unterhalb der Mensa einige Zelte auf. Sie wollten bis Freitag bleiben, erklärte ein Student als Sprecher der Gruppe. Grundidee sei ein „Protest gegen die Massaker im Gaza-Streifen“, insbesondere gegen die aktuelle Zuspitzung durch den Angriff Israels auf Rafah und die Gefährdung von Zivilisten dadurch.

Die Gruppe bestehe aus Studierenden der Uni und Unterstützern, manche hätten familiäre Bezügen nach Gaza, andere wollten sich solidarisch zeigen oder interessierten sich für das Thema. Denn der Krieg in Gaza sei ein „Thema, das krass in der Luft liegt“, so der Sprecher, aber bisher habe es an der Uni noch keine Angebote gegeben, sich damit auseinanderzusetzen.

Laut Polizeisprecher sei die Nacht friedlich und ohne Zwischenfälle verlaufen. Bei der Kundgebung am Vormittag wurde ein Banner sichergestellt, das mit einem womöglich strafrechtlichen Inhalt beschriftet war. Eine Strafanzeige wurde gestellt. Ansonsten seien die Banner unproblematisch gewesen, hieß es weiter.

Nach Angaben des Camp-Sprechers wollte ein gutes Dutzend Personen im Camp übernachten, tagsüber seien aber viel mehr da. Am ersten Tag hätten sie zunächst aufgebaut und Schilder gemalt. Für die kommenden Tage sei geplant, sich – etwa in internationalen Medien – über die jeweils aktuelle Lage in Gaza zu informieren, Reden zu halten, abends dokumentarsche Filme anzusehen. Ob die Camp-Teilnehmer Forderungen an die Uni stellen, werde noch diskutiert.

Vormittags hatte eine andere Gruppe vor der Uni-Bibliothek eine Kundgebung abgehalten, bei der verschiedene Redner auftraten, unter anderem ein Vertreter der Sozialistischen deutschen Arbeiterjugend, der Israel Vertreibung der Palästinenser, zahlreiche Kriege und aktuell einen „Ausrottungskrieg“ vorwarf und Deutschland als mitschuldig bezeichnete. Rund 50 Personen hielten sich zu der Zeit auf dem Platz auf, mehrere trugen Palästinensertücher, einige hatten die palästinensische Flagge auf die Wange gemalt.

„Aus Überzeugung und Pflichtbewusstsein“ sei er da, sagte ein Geschichtsstudent (30): „Man kann bei Völkermord nicht schweigen.“ Christoph Hufnagel (30), ehemaliger Student, erklärte: „Das Thema verdient mehr Aufmerksamkeit.“ Er verstehe, dass Israel auf den Hamas-Anschlag reagieren müsse, „aber Krieg ist nicht die Lösung“. Abiturient Jonathan Grobel (18) fand: „Das hier ist wichtig.“ Und sagte mit Blick auf die Anwesenden: „Die Jugend ist politisch.“ Zwei junge Frauen von der „Föderation klassenkämpferischer Organisationen“ wollten „ein Zeichen setzen“ und die „klassenkämpferische Perspektive reinbringen“. Mehrere Personen, die offenbar zu den Mitorganisatoren der Veranstaltung gehörten, wollten nicht selbst mit der Presse sprechen. Sie verteilten unter anderem Flugblätter, die Rüstungsverkäufe deutscher Firmen an Israel kritisierten.

Auf der Terrasse der Unikneipe saßen derweil zahlreiche Studierende, von denen einige die Veranstaltung nicht oder nur im Vorbeigehen bemerkt hatten. Andere sagten: „Damit müsste man sich mehr beschäftigen“ oder äußerten sich positiv: „Ich find’s gut“, sagte eine Lehramtsstudentin (29).

Auf der Uni-Webseite heißt es, die Aktionsteilnehmer wollten unter dem Motto „Keine Unis mehr für Gaza“ auf die Situation für Studierende im Gazastreifen hinweisen. Uni-Rektorin Birgitta Wolff erklärt dazu: „Die Bergische Universität ist ein Ort des Dialoges und bietet Raum für kritische, auch kontroverse Diskussionen, die angemessen geführt werden.“ Dieser Raum sei schützenswert. Universitäten nähmen so auch die wichtige Aufgabe der Versachlichung von Debatten und der Demokratiebildung wahr.

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