Pro Monat kostet Kaugummi-Entsorgung am Döppersberg bis zu 400 Euro

Situation am Bahnhof : Kaugummis verdrecken Döppersberg in Wuppertal

Die Aktion Gum-Wall soll die Situation am Bahnhof und auf anderen Plätzen verbessern.

Rund 100 Kaugummis kratzen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der städtischen Straßenreinigung täglich am Döppersberg mühsam von den Steinplatten. Alle bisherigen Appelle, die neu gestalteten Plätze und Flächen sorgsam zu behandeln, sind ohne Ergebnis geblieben. Und das hat sichtbare Folgen: Auch nach dem Entfernen der Kaugummis (englisch: gum) bleiben Flecken zurück, die extrem schwierig zu beseitigen sind.

Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG) und ESW starteten am Donnerstag mit der Aktion „Gum-Wall“ einen erneuten Versuch im Kampf gegen die unappetitlichen Kaugummireste, die überall dort zu finden sind, wo Kaugummis achtlos ausgespuckt werden statt im Papierkorb zu landen. Das ist am Döppersberg umso ärgerlicher, weil allein dort mehr als 80 Papierkörbe aufgestellt sind.

Die Gum-Wall ist eine etwa DIN A 3 große Tafel, die direkt über einem städtischen Papierkorb montiert worden ist. „Wir haben zunächst einmal 50 Exemplare bestellt, die auf stark frequentierten Plätzen aufgestellt werden sollen“, sagt Carsten Melech, Teamleiter Straßenreinigung und Winterdienst. Die mobile Gum-Wall kann über ESW/AWG angefordert werden. Bedarf besteht praktisch auf allen großen Freiflächen. Daher bietet sich der Einsatz einer Gum-Wall auf Schulhöfen und vor Ladenlokalen an.

Bei der Aktion am Döppersberg wurde Passanten ein Kaugummi angeboten und sie wurden aufgefordert, mit einem Ball Pylonen zu umrunden. Der Parcour führte sie zur Gum-Wall, wo sie das Kaugummi an die Gum-Wall kleben konnten. „Kleben Sie uns eine“, lautet die Aufforderung der ESW. Wer sein Kaugummi nicht in aller Öffentlichkeit an der Platte über dem Papierkorb drapieren mochte, der konnte es auch gleich in den Abfalleimer werfen - wo es hingehört.

Kaugummireste sind auch auf Schulhöfen ein Ärgernis

„Wir wollen nicht drohen und bestrafen, sondern Bewusstsein für das Problem schaffen, motivieren und überzeugen“, sagt AWG/ESW-Sprecher Andreas Spiegelhauer. Die Idee gebe es in Variationen schon in anderen Städten, Wuppertal versuche es spielerisch. Wer den kleinen Kaugummi-Parcours absolviert hatte, wurde mit einer Mini-Mülltonne für den Schreibtisch oder die Schulbank belohnt. Einige der Exemplare landeten im Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium, denn Studiendirektor Norbert Peikert nutzte die Vertretungsstunde mit einer 7. Klasse zu einem Abstecher zum Döppersberg. „Nachhaltigkeit ist mein Thema und Kaugummireste auf Schulhöfen sind ein großes Problem“, sagt Peikert.

„Wir werden das auch machen“, sagt Matthias Zenker von der IG1, der Interessengemeinschaft der Einzelhändler. Im Zuge der Neugestaltung der Elberfelder Fußgängerzone hat die Stadt dort großflächig neues Pflaster verlegt. Doch der Effekt verpufft schon nach wenigen Monaten, weil sich ein dunkler Fleck an den anderen reiht. Die Masse macht es, man erinnere sich zum Beispiel an den Dreck, der durch weggeworfene Zigarettenkippen früher an Bahnsteigen und in Bahnhöfen anfiel.

Auf dem Reinigungsplan der ESW steht am Döppersberg eine Fläche von mehr als 16000 Quadratmetern. Bereits ab 5 Uhr sind die Reinigungstrupps im Einsatz. Dazu zählen auch vier Frauen aus der Job-Center-Maßnahme Prima!, ein Projekt zur Arbeitsmarktintegration von Frauen in Wuppertal.

Mit Technik ist den Kaugummis nicht beizukommen

Bereits im Mai hatten die Mitarbeiter der ESW auf das Kaugummiproblem am Döppersberg hingewiesen und die Passanten um mehr Sorgfalt am neuen Eingangstor zur Stadt gebeten. „Der Effekt hat zwei Wochen gehalten, aber länger leider nicht“, sagt Einsatzleiter Oliver Wichelhaus.

Der Einsatz von technischen Hilfsmitteln ist nur bedingt möglich. „Mit Hochdruckreinigern bekommen wir zwar die schwarzen Flecken weg, aber das schadet der Verfugung der Platten“, sagt Carsten Melech. So bleibt als Alternative nur das müsame Kratzen mit dem Spachtel, der auf einen Besenstil montiert ist. Eine frustrierende Arbeit, denn oft schon am nächsten Tag kleben an der selben Stelle wieder Kaugummis auf dem Pflaster.

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