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Private Einblicke: Studenten zeigen Väter mit Nachwuchs

Private Einblicke: Studenten zeigen Väter mit Nachwuchs

Studenten der Bergischen Uni haben 26 Väter portraitiert. Ab heute sind die Fotos in der Uni-Bibliothek zu sehen.

Wuppertal. Sie sollen eine Geschichte erzählen. Ganz schlicht, ohne Worte, ohne schriftliche Hinweise. Und sie teilen viel mit, die 26 Momente, die Thomas Schekalla (27) und Moritz Trebin (26) in den vergangenen vier Monaten per Fotokamera eingefangen haben.

Geschätzte 1000 analoge Aufnahmen haben die beiden Studenten, die im Hauptstudium Kommunikationsdesign studieren, im Vorfeld gemacht. Die Model-Grundbesetzung: ein Vater, dazu ein bis sechs Kinder, von elf Wochen bis 24 Jahre alt. Die Szenerien: unterschiedlich - mal sitzt Papa mit seinen Kleinen am Klavier, mal backen Vater, Sohn und Tochter gemeinsam, mal spielt die Familie im Garten.

Mit seinem Kommilitonen ist er durch Tal und Nachbarstädte getourt, um ein im Rahmen des Themas Elternzeit aktuell viel diskutiertes Phänomen einzufangen: Väter, die ihre Freizeit intensiv mit ihren Sprösslingen nutzen. "Wir haben jede der 26 Familien in ihrem Zuhause besucht und sie im Gespräch kennen gelernt", erzählt Trebin. Schekalla ergänzt: "Das war eine Herausforderung - jeder verhält sich anders vor der Kamera. Die Kinder beispielsweise waren oft sehr quirlig." Die jeweils vorgefundene Atmosphäre haben die beiden dann bildlich umgesetzt. Daraus je einenFavoriten zu benennen, war laut Schekalla nicht einfach.

Inzwischen sind die Werke ausgewählt, bearbeitet, auf 50 Mal 50 Zentimeter vergrößert und eingerahmt. Nun warten sie darauf, in Form einer Wander-Ausstellung namens "Väterzeit" von der Uni-Bibliothek nacheinander in die beteiligten Einrichtungen der Stadt zu ziehen (siehe Kasten). Im Idealfall machen die 26Beispiele Schule, hofft Gabriele Hillebrand-Knopff, stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte der Bergischen Uni.

Sie gehört zu den Initiatorinnen des Projekts, das Väter motivieren soll, sich mehr Zeit für ihre Kinder zu nehmen, sie zu erziehen und zu fördern: "Es war eine Gemeinschaftsidee unseres Netzwerks. Wir wollten etwas Visuelles, das auf eine breite Öffentlichkeit wirkt." Männer lesen nicht unbedingt Ratgeber, wie die gelernte Buchhändlerin sagt: "Bilder sprechen sie viel mehr an."

Aus diesem Grund wandte sie sich an Susan Lamèr, Inhaberin des Lehrstuhls Inszenierte Fotografie an der Uni Wuppertal, die daraufhin Schekalla und Trebin mit der Umsetzung beauftragte und sie über vier Monate hinweg begleitete. Die beiden sind "stolz", dass ihre Professorin gerade sie mit dem aufwändigen Projekt betraut hat. Trebin: "Wir machen zum ersten Mal so etwas Großes außerhalb des Studiums."

Die gesammelten Erfahrungen der beiden sind nicht nur technischer und kreativer, sondern auch persönlicher Natur. Einer der portraitierten Väter etwa - darunter Mitarbeiter der Stadt, des Finanzamts, der Polizei - hinterließ einen besonderen Eindruck: Stadtkämmerer Johannes Slawig, der mit seinen beiden Söhnen ebenfalls vor der Linse posierte. Trebin: "Er ist eine starke Persönlichkeit."

In den kommenden vier Wochen ist die Wander-Ausstellung in der Uni-Bibliothek zu sehen, danach zieht sie weiter in die beteiligten Institutionen. Zeit genug für alle, die sich mit dem Thema Kindererziehung einmal aus einer anderen Perspektive beschäftigen wollen - und so vielleicht zu ihrer ganz persönlichen Väterzeit finden.