Poststraße in Wuppertal: Wo ist die Nische?

Offen gesagt : Poststraße in Wuppertal: Wo ist die Nische?

Die Passantenfrequenz der Poststraße ist, man höre und staune, gar nicht so schlecht, wie viele unken.

Die Passantenfrequenz der Poststraße ist, man höre und staune, gar nicht so schlecht, wie viele unken. Was die reinen Zahlen angeht, kann Wuppertal fast im Konzert der Großen mitmischen. Düsseldorfs Schadowstraße liegt zum Beispiel in gar nicht so weiter Ferne, ebenso Bonns 1a-Lage. Die Krefelder Hochstraße hat deutlich weniger Betrieb. Gut, München oder Köln spielen in einer anderen Liga, Wuppertal muss sich aber nicht kleiner machen, als es ist.

Doch es sind leider nur Zahlen. Der Moppertaler wird zurecht bemerken, dass es aussagekräftiger wäre, wenn feststehe, wie viele der Leute, die an den Läden vorbei laufen, auch mal einen Blick hineinwerfen — und im besten Fall sogar was kaufen. Bei der ISG Poststraße sieht man die Ergebnisse deshalb auch erfreulich realistisch. Positiv sei, dass soviel Bewegung auf der Poststraße ist, heißt es. Potenzial ist da, man muss es nutzen.

Doch wie? Kritiker sprechen von wenig Attraktivem, was die Elberfelder City bietet. Handy- und Ein-Euro-Shops prägten das Bild. Das ist ein bisschen übertrieben, aber leider nicht ganz so weit entfernt von der Wahrheit. Definitiv gibt es ziemlich viele Gründe dafür, warum viele Menschen die Poststraße offenbar eher als Verbindungsweg denn als Einkaufsstraße nutzen, lieber entlang hetzen als shoppen, wenig Gründe dafür, Geld in den Geschäften zu lassen und den Einzelhandel zu stärken.

Da passt eine andere Nachricht aus dieser Woche leider gut ins Bild. Die Geschäftsbrücke am Döppersberg, also die Fortsetzung von Poststraße und Alte Freiheit zum Hauptbahnhof, bekommt Zuwachs. Und was für einen. War es lange ein Running Gag, dass zum Primark eigentlich nur noch der Ein-Euro-Shop fehlt, kommt der in Gestalt von Tedi gegenüber jetzt wirklich. Andere Interessenten finden sich offenbar nicht für eine wirkliche 1a-Lage am Eingangstor zur City.

Die Folge war ein ziemlicher Shitstorm, die Linke sieht den Döppersberg sogar schon als gescheitert an. Bei der Wirtschaftsförderung hält man sich mit einer Bewertung zurück, Begeisterung klingt aber verständlicherweise anders. Der Markt sei nun mal so, dass sich solche Anbieter eben die 1a-Lagen leisten können, ist zu hören. Offenbar wollte auch kein anderer, denn das Geschäft direkt neben der Treppe zur Bahndirektion stand ja nicht erst seit gestern leer. Die Interessenten haben nicht Schlange gestanden.

Ein weiteres Ladenlokal auf der Brücke wartet übrigens immer noch auf einen Mieter. Keine Angst, liebe Moppertaler, Kik wird es wahrscheinlich nicht — die haben ihr Geschäft ja schon am Wall, der mal, wie immer wieder süffisant angebracht wird, die „Kö von Wuppertal“ werden sollte. Der ehemalige Leiter des Kaufhofs hatte das vor fünf Jahren mal der WZ gesagt. Ein Zitat, das viele nicht vergessen haben. Von der Passantenfrequenz kann Wuppertal mit Düsseldorf vielleicht sogar mithalten. Das reicht aber nicht.

Es müssen ja nicht Gucci, Prada oder die Luftverpester von Abercrombie mit ihren Parfümschwaden sein. Das passt nicht zu Wuppertal, soviel Realitätssinn sollte schon vorhanden sein. Auch Tedi, Kik & Co. werden gebraucht, denn eingekauft wird dort offensichtlich. Aber irgendwo dazwischen muss eine Nische sein für Wuppertal.

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