Posse um die alte Post

Posse um die alte Post

Zwei Geschäftsleute erheben Anspruch auf das Gebäude. Der eine hat Hotelpläne — steht aber nicht namentlich im Kaufvertrag.

Oberbarmen. Es gibt mittlerweile einen festen Ansprechpartner und Hoffnung für eine neue Vermietung der alten Post an der Rittershauser Brücke (die WZ berichtete). Doch im Hintergrund schwelt, wie jetzt bekannt wurde, ein Rechtsstreit — und eine Frage ist offen: Wem gehört das ehemalige Postgebäude überhaupt?

Aktuell ist noch die Deutsche Bahn im Grundbuch als Besitzer eingetragen. Das soll sich bald ändern, denn es gebe bereits seit längerem einen Kaufvertrag, sagt Immobilienverwalter Aydin Orhun, der seit kurzem die Vermietung des Gebäudes übernommen hat. In dem Vertrag stehe Ersin Erbis, ein Wuppertaler Geschäftsmann, als Käufer, den Orhun seit kurzem vertritt. „Das ist der alleinige Eigentümer“, so der Verwalter.

Allerdings gibt es einen Zweiten, der Anspruch auf die Post erhebt — und Pläne hat, die Immobilie in ein Hotel umzubauen: Nach der WZ-Berichterstattung meldete sich Menderes Akkus — der ehemalige Geschäftspartner von Orhuns Klient. Er habe zuerst ein Auge auf die Post geworfen, als diese im Sommer 2016 zur Veräußerung anstand. Ersin, mit dem er damals bereits zusammenarbeitete, sei dann erst eingestiegen. Dass dieser im Kaufvertrag stehe, stimme, so Akkus. Allerdings habe auch er ein Anrecht. „Ich habe eine Vollmacht.“ Das bestätigt Orhun: „Er war Bevollmächtigter mit Gewinn- und Verlustbeteiligung von 50 Prozent.“

Die beiden Männer hätten die Aufgaben geteilt. Erbis habe sich um das Finanzielle gekümmert, so Akkus, er selbst um die Verwaltung und Vermietung. Vor allem aber hätten Mitarbeiterin Ahsen Göksel und er gemeinsam mit Architekten die Pläne für eine Hotelnutzung des Gebäudes erarbeitet. Seit Januar gebe es erste Zeichnungen und Animationen.

Zu diesem Zeitpunkt war das Tischtuch zwischen den beiden Geschäftspartnern offenbar schon zerschnitten. Man habe sich Ende 2017 getrennt, so Akkus. Seitdem läuft der Kontakt über Anwälte. Erst Ende März habe Erbis Akkus die Vollmacht entzogen, hat Orhun erfahren. „Wir haben noch nichts schriftlich“, sagen Göksel und Akkus dazu.

Beide sind zuversichtlich, dass es mit den Hotelplänen etwas wird. „Ich gehe davon aus, dass ich auch ins Grundbuch eingetragen werde“, so Akkus, der nach eigener Aussage immer noch vollen Zugriff auf die Immobilie hat. „Wir haben die Schlüssel.“ Alternativ würde man Erbis anbieten, ihn auszuzahlen. „Wir wollen das hier auf jeden Fall machen“, betont er. Zu weit fortgeschritten seien die Hotelpläne. Auch mit möglichen Investoren stünde man in Kontakt. Es gebe eine positiv beschiedene Bauvoranfrage, so Akkus, Ende April soll der Bauantrag eingereicht werden. Die Stadt wollte sich mit Verweis auf ein privates Bauvorhaben nicht zum aktuellen Stand äußern.

Der Standort für ein Hotel sei ideal, so Akkus. In Verbindung mit der Umgestaltung des Berliner Platzes würde das ganze Areal an Attraktivität gewinnen. Das Hotel, so die Planung, biete 40 Zimmer. Der Bahnhof sorge für viele potenzielle Gäste. Das Postgebäude selbst würde stehen bleiben, erhielte allerdings eine neue Fassade sowie An- und Aufbauten. Die Zeichnungen zeigen zudem ein Dach-Café.

Pläne, die auch bei Bezirksbürgermeisterin Christel Simon (CDU) gut ankamen, als sie im Herbst vorgestellt wurden. „Wenn das so kommt, wäre das wunderbar.“ Der Bau sei dem Stadtteil angepasst und eine echte Verschönerung. Allerdings müsse man jetzt abwarten, was sich aus dem Rechtsstreit ergebe. „Davon wusste ich bislang nichts.“

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