Verkehr Pop-up-Radweg in Wuppertal Barmen verbannt Autos

Wuppertal · In Wichlinghausen demonstrierten Radfahrer, indem sie eine Straße für den Kfz-Verkehr sperren ließen.

 Auf den Straßen Am Diek und Vor der Beule war eine Spur ausschließlich Radfahrern vorbehalten.

Auf den Straßen Am Diek und Vor der Beule war eine Spur ausschließlich Radfahrern vorbehalten.

Foto: Kevin Bertelt/Kevin Bertelt Photography

Rege war der Radverkehr hier wie immer, auf den zentralen Wichlinghauser Straßen Am Diek und Vor der Beule – kein Wunder: Umschlossen wird die Strecke von der Nordbahntrasse. Auffällig ging es am Samstag dennoch zu, denn just diese Zwischenlage geriet gezielt in den Blick: Für den Autoverkehr war eine Spur auf der belebten Fahrbahn gesperrt.

Für Kraftfahrzeuge mit vier Rädern war an dem Areal mit vier Supermärkten und Discountern heute Schluss: Am Abzweig Luhnsstraße querten Markierungen die Straße, Polizeibeamte stellten die Sperrung sicher. „Pop-up-Radweg“ hatten vier Rad- sowie Umweltinitiativen die Aktion genannt, die als Demonstration angemeldet war. Der Weg von hier bis zur Trasse war bis 18 Uhr der Nutzung per Pedalen vorbehalten. Veranstaltet hatten das Ganze die Interessengemeinschaft (IG) „Fahrradstadt Wuppertal“, Fridays for Future Wuppertal, der ADFC Wuppertal/Solingen sowie die Initiative „Mobiles Wuppertal“.

Zur Situation: Der Abschnitt liegt auf einem Teilbereich zwischen dem Bergischen Plateau und dem Wichlinghauser Markt. Während die Trasse bekannt radfreundliche Bedingungen bietet, ist dieser sichere Rahmen zwischen Diek und Beule für 500 Meter unterbrochen. Fahrradfahrer befuhren teils den Fußgängerweg, inzwischen zeigen Piktogramme auf der Straße, dass sie diese zusammen mit den Autos nutzen sollen.

Ein Sicherheitsproblem, befand „Fahrradstadt“ schon vor acht Jahren. Laut Eigenaussage hatte die IG im Mai 2016 einen radfreundlichen Vorschlag vorgelegt und damit auch den damaligen Oberbürgermeister Andreas Mucke überzeugt. Ein daraufhin von der Stadt ausgearbeiteter Vorentwurf sei aber von der zuständigen Bezirksvertretung abgelehnt worden.

Nun, in Absprache und polizeilich unterstützt, gab es „Nägel mit Köpfen“– für einen Tag, als plakatives Anschauungsobjekt und praktischer Tauglichkeitsbeweis. Ohne riskante, PS-starke Mitnutzer fuhren die Drahtesel auf dem nur für sie reservierten Randstreifen – in beide Richtungen. Für die Radler hatte sich an Möglichkeiten im Grunde nichts geändert, erlaubt war ihnen die Straße ja auch sonst. Was für sie anders war, war das, was fehlte: Autos.

Anwohner zeigen sich skeptisch

Autofahrer waren auf die Umleitung verwiesen, die bergab unter anderem über Weiher- und Wittener Straße führte. Arian Gaubig von „Fridays for Future“ meinte dazu: „Das funktioniert super.“ Er habe sogar schon ein Fahrzeug, das an der Sperrung abbiegen musste, bald unerwartet schnell nach Ende der Umleitung wieder auftauchen sehen. Und ein kurzes Abgehen des Ersatz-Wegs schien das in der Tat prompt zu bestätigen: Langwierig oder schwierig ist das kurze Ausweichen nach unten nicht.

Für Aufsehen sorgte die Aktion jedenfalls unübersehbar. „Was ist denn hier heute los?“, war eine wertfreie Frage, mit der sich ein Paar (heute gewiss nicht als Einzige) neugierig ans Team wandte, das bereitwillig Auskunft gab. Als ein Autofahrer, ob der ungewohnten Sperrung, irritiert reagierte, verwies ihn ein Polizist aufs blaue Fahrrad-Schild an der Barriere: „Ist das so schwierig? Ihr müsst Verkehrsschilder lesen.“

Anwohner ließen sich zuweilen skeptisch vernehmen. Steffen Bangert vom ADFC berichtete vom negativen Kommentar eines zuvor vorbei gekommenen Passanten, der selbst im Bereich der Auto-Umleitung wohne; er fürchtete demnach mehr Kfz-Verkehr in „seiner“ Straße, sollte die Kurzzeitregelung des Tages zur Dauerlösung werden. Auch bei Anrainern in der Gegend war etwas Skepsis zu hören: Auf Höhe der Bushaltestelle „Königsberger Straße“ beobachtete ein Mann am Fenster im Parterre das ungewohnte Szenario und meinte im Gespräch mit einer Frau auf der Straße: „Jetzt wollen sie auch noch eine Armada Fahrräder da durch schicken.“

Um eine erhöhte Frequenz ging es freilich kaum, vielmehr um mehr Sicherheit für den ohnehin stattfindenden Radverkehr. Steffen Bangert vom ADFC brachte mit Blick aufs munter vorbei ziehende Radlervolk auf den Punkt: „Jeder, der heute hier entlang fährt, ist ein potenzielles Unfallopfer.“

Am Ende des dicht begrünten Trassenabschnitts vom „Plateau“ aus ging es nun fast so entspannt weiter. Menschen setzten ihre Drahtesel auf der kleinen Steilstrecke gen „Beule“ in Bewegung und wurden oben von der unerwarteten Straßen-“Reservierung“ empfangen.

Auf der Trasse gab es keinen Hinweis auf die Aktion und darauf, dass heute günstige „Sonderbedingungen“ zu finden wären. Für ADFC-Mann Bangert ging es auch nicht um ein besonderes Hervorheben für die Radler, die vielmehr ihre gewohnte Strecke fast „wie immer“ nutzen sollten - bloß komfortabler. „Besonders von älteren Radfahrern habe ich schon mehrfach Lob gehört, dass diese Lösung ihre Sicherheit erhöht.“

Verbesserte Anbindung für Radfahrer kommt derzeit mancherorts in den Fokus, auch augenfällig und mit einprägsamen Bildern: Als vor einigen Monaten in Barmen mit zahllosen Kerzen für eine Öffnung der Barmer Schafbrücke geworben wurde, waren neben dem Trägerverein „Blaue Ufer“ auch Radaktivisten dabei; auch dort argumentierten sie mit der Verbindung zur Trasse, von der aus die leuchtende „Lichterkette“ gebaut wurde. Weniger symbolisch als praktisch kam nun der Vorstoß pro Rad an der „Beule“ daher: Genau so wie heute könnte es hier immer laufen. Wie genau es läuft und dass es klappen kann, war zumindest einen Tag lang am Wegrand zu besichtigen - oder auf dem Sattel zu „erfahren“.