Polizeihunde Wuppertal: Mit dem Lernen geht es schon für Welpen los

Helfer auf vier Pfoten : Mit dem Lernen geht es schon für Welpen los

Denis Wieser ist Ausbilder von Polizeihund Vegas. Ob der als Suchhund eingesetzt wird oder Streife geht, entscheidet sich später.

Vegas springt aus dem Wagen und drängt sich an die Seite von Denis Wieser. Ihre Augen leuchten, sie lässt ihn nicht aus dem Blick. Angespannt, voller Energie scheint sie kaum abwarten zu können, was gleich passiert. Wieser ist der stellvertretende Leiter der Diensthundestaffel bei der Wuppertaler Polizei. Und Vegas ist ein Belgischer Schäferhund, ein Malinois, gerade mal zwölf Monate alt. Wieser bildet sie aus. Zeigt ihr, was eine Diensthündin alles wissen und können muss. Dass sie die Arbeit liebt, ist offensichtlich. Sie ist aber auch im wahrsten Sinne des Wortes zum Polizeihund geboren.

Während Vegas zeigt, was sie zum Thema „Menschen verbellen“ schon alles gelernt hat, erklärt Trainer Dirk Grabowsky: „Sie kommt aus der landeseigenen Zucht aus Schloss Holte-Stukenbrock. Wie viele Polizeihunde in NRW. Da decken wir unseren Bedarf an Polizeihunden. Nur in Ausnahmefällen suchen wir einen Hund auf dem freien Markt.“ Schloss Holte-Stukenbrock ist der Sitz des Diensthundwesens des Landesamts für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten (LAFP). Was ein junger Hund mitbringen muss, um Polizeihund zu werden? „Absolut gesund muss er sein“, sagt Dirk Grabowsky. „Er muss einen Spiel- und Beutetrieb haben. Ein sicheres Sozialverhalten. Er muss beweglich sein, robust und widerstandsfähig. Und er muss gerne lernen.“

Mit dem Lernen geht es schon los, wenn der Welpe bei seinem Hundeführer einzieht. Schon früh lernt er, dass es nicht nur sein ruhiges Zuhause gibt. Sondern auch trubelige Fußgängerzonen, laute Bahnhöfe, Stadtfeste. Glatte Böden, Treppen, Aufzüge. Eine riesige bunte Welt voller Geräusche, Gerüche, Leben. Und nicht zuletzt, dass man seinem Menschen absolut vertrauen kann, wenn der sagt, das ist in Ordnung. „Vertrauen ist wichtig“, sagt Dirk Grabowsky. Wichtig in beide Richtungen. Der Hundeführer müsse wissen: Hier habe ich einen Kollegen, der geht mit mir durchs Feuer. Denis Wieser: „Das schweißt zusammen.“

In absehbarer Zeit wird Vegas in Schloss Holte-Stukenbrock zur ersten Prüfung vorgestellt. Deren Ergebnis entscheidet darüber, ob sie sich so entwickelt hat, dass sie zum Diensthund taugt. Dann soll sie in Wuppertal an eine neue Hundeführerin übergeben werden. Das ist ein Ausnahmefall. In der Regel kommt der Welpe direkt zu dem für ihn vorgesehenen Diensthundführer, bei dem er sein Hundeleben lang bleibt. Fällt Wieser das schwer? „Einerseits schon“, sagt er. „Aber ich werde ja als Trainer des Teams ständig mit Vegas zu tun haben.“

Wenn das neue Team mit Vegas soweit ist, müssen Hund und Mensch bei der Zertifizierung zum Diensthund-Einsatz ihre Fähigkeiten beweisen. Diese Prüfung muss dann alle zwei Jahre wiederholt werden. Grundsätzlich werden alle Wuppertaler Polizeihunde im Schutzdienst geführt. Dazu kommt im Rahmen der dualen Verwendung jeweils eine zweite Spezialisierung als Suchhund, entweder für Sprengstoff oder für Rauschgift oder für die Personensuche. Auch das wird geprüft und muss alle zwei Jahre bestätigt werden.

Kein Hund wird nach Schema
geführt und ausgebildet

„Es ist schon ein besonderes Verhältnis, das man zu seinem Hund hat“, sagt Dirk Grabowsky. „Nicht nur, weil man 24 Stunden am Tag mit ihm zusammen ist.“ Man weiß gegenseitig um die jeweiligen Eigenheiten. Kein Hund wird nach Schema ausgebildet und geführt. Grabowsky: „Jeder ist individuell verschieden. Da muss man entsprechend drauf eingehen.“ Dabei fließen die aktuellen wissenschaftlichen lerntheoretischen Erkenntnisse in die Ausbildung ein. „Und man muss immer das richtige Maß im Auge behalten, wenn man über das spielerische Lernen kommt und mehr Intensität einbaut. Und wiederholen, wiederholen, wiederholen. Hundeausbildung dauert ein Leben lang.“

Wenn alles nach Plan läuft, wird Vegas einmal im Wach- und Wechseldienst auf Streife fahren. Bei Fußballspielen und Demos dabei sein. Oder wenn eine verdächtige Gaststätte auf Rauschgift überprüft wird. Wieser: „Da hilft oft schon die Anwesenheit der Hunde, um Eskalationen zu verhindern.“ Spürhundeinsätze können sie über die Landesgrenzen hinausführen. Und wenn sie einmal, nach rund zehn Jahren, in Pension geht, bleibt sie bei ihrem Menschen. Wieser: „Das Land bleibt dabei der Besitzer. Und bezahlt das Futter und eventuelle Arztkosten.“ Vielleicht guckt Vegas dann zu, wie ein neuer Welpe in ihre Pfotenabdrücke stapft.