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Polizei weicht nach Anschlag in eine mobile Wache aus

Polizei weicht nach Anschlag in eine mobile Wache aus

Der Umzug in das City-Center ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Ermittler vermuten Linke als mögliche Täter.

Zentrum. Der geplante Umzug der Polizeiwache vom Döppersberg an den neuen Standort im City-Center wird auf unbestimmte Zeit verschoben. Da die Beamten Ende April die alte Immobilie in zentraler Lage verlassen müssen, hat sich die Polizei eine Übergangslösung einfallen lassen und wird künftig nur mit einer „mobilen Wache“ in der Fußgängerzone unterwegs sein: einem großen Polizei-Fahrzeug.

Polizei weicht nach Anschlag in eine mobile Wache aus

Die neue Unterkunft mit 314 Quadratmetern ist derzeit nicht nutzbar, nachdem Unbekannte Ende März in das Gebäude eingedrungen waren und dort Buttersäure verteilten. Die Täter verbreiteten nicht nur einen üblen Geruch, sondern zerstörten auch Teile der neuen Einrichtung und sprühten die neuen Räume voll. Die Polizei geht davon aus, dass sich Linke an dem Standort an der Schlossbleiche zu schaffen gemacht haben. Dafür sprechen laut Sprecherin Anja Meis die angebrachten Anarchie-Symbole. Zudem schrieben die Unbekannten an die Wände: „Welcome to hell“ — „Willkommen in der Hölle“.

Bei dem mutmaßlich linken Angriff handelt es sich um den ersten Übergriff dieser Art gegen die Polizei in Wuppertal der jüngsten Zeit. Vor mehr als zehn Jahren wurde die Wache in Cronenberg von Unbekannten besprüht. Straftaten mit Buttersäure, bei denen die Polizei eine linke Motivation vermutet, gab es in jüngster Zeit zwei. Unbekannte wollten ein Konzert im Club Apollo 21 sowie ein Konzert im U-Club mit Buttersäure stoppen. In beiden Fällen standen die Künstler in der Kritik. Einmal wegen homophober Texte, einmal wegen der mutmaßlichen Nähe zu faschistischer Gesinnung.

Außergewöhnlich sei die Serie von Farbschmierereien gewesen, die die Polizei jüngst registrieren musste. In Nord- und Südstadt sprühten Unbekannte linke Parolen und Symbole auf Häuserwände und andere Flächen. So kamen allein 2018 mehr als 100 Taten zusammen. „Ein solches Ausmaß stellen wir in Solingen und Remscheid nicht fest“, sagt Polizeisprecherin Hanna Meckmann.

Trotz der misslichen Situation, versucht die Polizei, ihr Angebot in Elberfeld weiter in bisheriger Form aufrecht zu erhalten. „Wir werden unsere Präsenz in der Innenstadt nicht einschränken“, sagt Anja Meis. In der mobilen Wache lässt es sich sogar an einem Tisch sitzen. „Dort können die Kollegen ganz normal Anzeigen aufnehmen wie bisher“, so Meis. Auch die Öffnungszeiten sollen sich im Vergleich zum Döppersberg nicht ändern.

Nur der Standort ist noch nicht gefunden. Meis: „Wir brauchen einen Stromanschluss und eine ebene Fläche.“ Zudem soll das Fahrzeug so zentral wie möglich stehen. Die Kollegen sollen vor allem im Streifendienst zu finden sein — auch aus Platzgründen. In den Wagen passen die 23 Polizisten, die normalerweise die Wache Döppersberg besetzen, nämlich nicht.