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Polizei nimmt Fußgänger ins Visier

Polizei nimmt Fußgänger ins Visier

Ernst Adam, neuer Leiter der Direktion Verkehr der Kreispolizeibehörde Wuppertal, über Rot- und Temposünder,die Nordbahntrasse und den Döppersberg.

Wuppertal. So richtig neu ist die Idee nicht, aber sie dürfte für jede Menge Gesprächsstoff sorgen: Als die Polizei vor sieben Jahren ankündigte, gezielt Fußgänger an Ampeln ins Visier zu nehmen und Rotlichtgeher auch noch mit Fünf-Euro-Knöllchen zu bestrafen, war das sogar der Bild-Zeitung einer fette Schlagzeile wert.

In diesem Sommer dürfen sich die Wuppertaler auf die Wiederholung der Aktion einstellen. Denn das Sündenpotenzial an Wuppertals Fußgängerampeln ist nach wie vor groß. Das hat zumindest Ernst Adam festgestellt. Der 54-Jährige ist seit Anfang März Leiter der Direktion Verkehr in der Kreispolizeibehörde Wuppertal. Am skizzierte er die Problemlage an den weit mehr als 300 Fußgängerampeln in Wuppertal: „Die Leute, die wir erwischen, zeigen sich wenig einsichtig und sind oftmals renitent. Das ging bis zu körperlichem Widerstand.“ Wuppertals Polizeipräsidentin Birgitta Radermacher — sie hat die Fußgänger-Knöllchenaktion schon einmal im Jahr 2010 wiederbelebt nickt dazu: „Die Bürger beschweren sich dann darüber, ob wir nichts besseres zu tin hätten. Angesichts der Unfallzahlen kann ich nur sagen: Nein, wir haben nichts Besseres zu tun.“

Dazu nickt dann wieder Ernst Adam. Der Hobbysportler kennt das tägliche Miteinander auf Wuppertals Straßen übrigens aus einer ganz speziellen Perspektive: Der Hobbyradler fährt, wann immer es möglich ist, die 15 Kilometer aus seinem Wohnort Haan mit dem Rad zur Arbeit ins Präsidium in Unterbarmen.

Noch kann er dabei die Nordbahntrasse — sie wird derzeit zum Rad- und Wanderweg umgebaut — nicht nutzen. Doch der 54-Jährige weiß, dass die Trasse schon bald ein Thema für die Polizei wird: „Mit der Trasse wird das Pendeln per Rad immer attraktiver. Dazu kommen Touristen und der E-Bike-Boom. Darauf müssen und werden wir uns einstellen.“ Entsprechende Gespräche — unter anderem über die Beschilderung — mit der Stadt, dem ADFC und der Verkehrswacht laufen bereits.

Anschauungsunterricht liefert die Korkenziehertrasse im benachbarten Solingen. Dort hat es bereits eine Handvoll Fahrradunfälle gegeben — wegen unangepasster Geschwindigkeit. Adam am Dienstag zur WZ: „Wir haben das im Blick und arbeiten an einem Sicherheitskonzept für die Nordbahntrasse in Wuppertal.“ Von Knöllchen ist da bislang noch keine Rede. Über den verkehrserzieherischen Effekt von Knöllchenaktionen gehen die Meinungen zuweilen auseinander. Zum Vergleich: Als die Polizei im Jahr 2006 erstmals Fußgänger an Ampeln ins Visier nahm, wurde das mehrfach in sämtlichen Medien auf den Tag genau angekündigt. Trotzdem wurden in Wuppertal an drei Tagen 299 Rotsünder erwischt und zur Kasse gebeten.

Und trotz regelmäßiger Kontrollaktionen auf der als Motorradrennstrecke berüchtigten L 74 gingen der Polizei erst kürzlich wieder notorische Raser auf zwei Rädern ins Netz. Unter anderem wurde ein Düsseldorfer Honda-Fahrer mit 187 Sachen bei erlaubten 90 km/h erwischt. Ist alle Prävention umsonst? Adam schüttelt den Kopf: „Das Temponiveau ist insgesamt gesunken. Wir müssen deutlich mehr Verkehrsteilnehmer kontrollieren um solche Kandidaten zu erwischen.“

Soviel zum Tempo. Stau gibt es in Wuppertal bekanntlich auch. Und wenn die Bauarbeiten für den millioneschweren Umbau des Döppersberg erst einmal in Gang kommen, wird auch das die Polizei beschäftigen. Angesichts der Pendlerströme rund um den Hauptbahnhof sagt Adam: „Das wird ein großes Problem.“ Man werde potenzielle Ausweichrouten in den Blick nehmen: „Elberfeld darf nicht zu einem großen Parkplatz werden.“