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Polizei lässt Wuppertaler Onlinehandel für Drogen auffliegen

Polizei lässt Wuppertaler Onlinehandel für Drogen auffliegen

Von Wuppertal aus soll ein 29-Jähriger einen florierenden Internethandel mit Drogen geführt haben. Bei Hausdurchsuchungen wurden am Montag insgesamt 200 Kilogramm Drogen gefunden. Der Wert: Drei Millionen Euro.

Wuppertal. Der Wuppertaler Polizei ist ein Drogenfund von erheblicher Größe gelungen — einer der größten bisher. Sie deckte in Elberfeld-Nord die Versandzentrale eines Onlinehandels mit Amphetaminen, Ecstasy und Marihuana auf, stellte insgesamt 200 Kilogramm Drogen im Verkaufswert von drei Millionen Euro sicher. Ein 29-jähriger Niederländer sitzt in Untersuchungshaft. „Das war ein Beispiel hervorragender Kriminalarbeit“, freute sich Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert über den Erfolg der Ermittlungskommission „Zoo“.

Auslöser war der Fund mehrerer Briefsendungen mit Drogen, die der Zoll im August 2016 sichergestellt hatte. Die Ermittler gingen dann Hinweisen nach, dass ein maßgeblicher Drogenhändler im Darknet von Wuppertal aus agiert. Im November begannen die Ermittler mit Observationen und beobachteten, dass in Briefkästen an der Uellendahler Straße und an der Hauptpost jeweils 40 bis 50 Versandtaschen eingeworfen wurden. Die Polizei ließ die Briefkästen öffnen und fand in den Versandtaschen DVD-Hüllen, gefüllt mit vakuumverpackten Drogen.

Am Montag dieser Woche stürmte dann das Spezialeinsatzkommando (SEK) drei Wuppertaler Wohnungen, darunter die, von der aus die Briefkästen angefahren wurden: An der Uellendahler Straße fanden sie die Versandzentrale, eine spartanisch eingerichtete Wohnung, wo in Regalschubfächern unterschiedliche Drogen in unterschiedlichen Formen zum Verpacken und Versenden bereitlagen, darunter Ecstasy-Tabletten in verschiedenen Farben, Kokain, Methamphetamin-Brocken oder Haschplatten. Die Beamten beschlagnahmten außerdem Computer, Laptops und mobile Datenträger.

Das Spezialeinsatzkommando erschien auch an einer Wohnung an der Tiergartenstraße (nach der auch die Ermittlungskommission „Zoo“ heißt). Dort wohnt der hauptverdächtige 29 Jahre alte Mann, der auch Mieter der Wohnung an der Uellendahler Straße ist. Überrascht wurden nicht nur er, sondern auch seine Lebensgefährtin und das gemeinsame Kind im Kleinkindalter. Die Frau habe durchaus so gewirkt, als ob sie bisher nichts von den illegalen Geschäften ihres Partners wisse, sagte Baumert.

Der 29-Jährige ließ sich widerstandslos festnehmen. Er sitzt seit Dienstag in Untersuchungshaft. Bisher hat er sich nicht zu den Vorwürfen geäußert. Sollte er angeklagt und verurteilt werden, drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft.

Durchsucht wurde außerdem eine Wohnung an der Wupperstraße. Dort wohnt eine Person, die mit dem Hauptverdächtigen Kontakt hatte und von der die Ermittler vermuten, dass sie mit den Drogengeschäften zu tun hat. Gegen sie konnten jedoch bis jetzt noch keine Beweise gefunden werden. Der 29-Jährige selbst stammt aus einer grenznahen Stadt in den Niederlanden. Möglicherweise kommen auch die Drogen von dort.

Die Kunden sind über die ganze Welt verteilt: Die beschlagnahmten Sendungen gingen bis in die USA, nach Kanada, Australien und Singapur, aber auch ins europäische Ausland, vor allem die Schweiz und Österreich, und innerhalb von Deutschland, zum Teil an Privatadressen, zum Teil an Postfächer. Die Kunden hatten ihre Ware im Darknet bestellt. „Dort gibt es Internetshops, die wie im richtigen Internet funktionieren“, erklärt Marc-Andre Opdam, Leiter der Ermittlungskommission. Die ähnlich aussähen wie Auktions-Plattformen — nur speziell für Drogengeschäfte. Kunden sähen Fotos der Drogen und könnten den gewünschten Stoff in der gewünschten Menge anklicken und auf diese Weise bestellen, zum Beispiel 50 oder 100 Gramm Kokain oder 50 oder 100 Ecstasy-Tabletten. Bezahlt wurde mit der Internet-Währung Bitcoins.

Nun geht es darum, zu ermitteln, woher die Drogen kamen. „Das ist so professionell gelaufen, dass es verwunderlich wäre, wenn nicht mehr Personen beteiligt waren“, erläutert Oberstaatsanwalt Baumert. Auch die Empfänger der Drogen müssen mit Ermittlungen rechnen. Die Wuppertaler Polizei geht davon aus, dass auf den Datenträgern Kundendaten gespeichert sind — „sonst hätte es keinen Sinn gehabt, so viele Daten zu sammeln“, erklärt Baumert. Es habe offenbar eine professionelle Kundendatenverwaltung gegeben. Diese Daten müssen nun die IT-Experten der Polizei analysieren.