Polizei konnte Einbrecher abschrecken

Polizei konnte Einbrecher abschrecken

Weniger Täter stiegen in Häuser ein. Die Zahl der gesamten Delikte im Kreis wuchs wegen eines Betrugsfalls.

EN—Kreis. Der Ennepe-Ruhr-Kreis ist im fünften Jahr in Folge sicherer geworden. Vor allem die Zahl an Einbrüchen ist im Vorjahr stark zurückgegangen, während die Aufklärungsquoten gestiegen sind. „Ein gutes Gesamtergebnis, das sich sehen lassen kann. Wir leben nach wie vor in einer der sichersten Regionen in NRW“, bilanzierte Landrat Olaf Schade bei der gestrigen Vorstellung der hiesigen Kriminalitätsstatistik 2017.

Dass vor allem die Zahl der Wohnungseinbrüche im vergangenen Jahr kreisweit um satte 26,8 Prozent und in Sprockhövel sogar um rund 40 Prozent gesunken ist, sieht Schade als Resultat einer eigenen Ermittlungsgruppe, verstärkter Fahrzeugkontrollen sowie der Kampagne „Riegel vor“. Auch die Firmeneinbrüche gingen um 21 Prozent zurück, wobei genau wie in ganz NRW 16,7 Prozent aller Einbrüche aufgeklärt werden konnten. „Diese Zahlen sind nicht vom Himmel gefallen, sondern resultieren vor allem aus unserer Präventivarbeit“, glaubt Schade und ergänzte, dass das Thema Einbruchssicherheit allgemein sehr wichtig genommen, der Überwachungsdruck auf Täter stetig erhöht und immer mehr Gebäude einbruchssicher gemacht würden. So sei auch die Anzahl an fehlgeschlagenen Einbrüchen auf 51 Prozent gestiegen.

Ganze Aufklärungsarbeit musste der Landrat jedoch hinsichtlich der kreisweit von 13 280 auf 15 456 gestiegenen Gesamtverbrechenszahlen leisten. „Hier ist uns im Dezember die ganze Statistik verhagelt worden“, so Schade. Hintergrund des erstaunlichen Anstiegs ist eine Betrugswelle in Hattingen, die anstatt durchschnittlich 50 Betrugsfällen im Monat durch einen zusammenhängenden Tatkomplex im letzten Jahresmonat nun 3311 Fälle hervorbrachte. „Hier ging es um Plagiate, die von Hattingen aus übers Internet verkauft wurden und insgesamt 3200 Taten betreffen“, erklärte Direktionsleiter Dirk Happe den „Statistik-Killer“ und beruhigte, dass man ohne den durch die Bochumer Kriminalpolizei aufgeklärten Plagiatschwindel beruhigende 7,7 Prozent unter dem Vorjahr liege.

Besonders erfreulich ist auch hier die Entwicklung in Sprockhövel, wo gegenüber dem Vorjahr ein Kriminalitätsrückgang von 21,7 Prozent verzeichnet werden kann. Während auch Hattingen, Wetter und Herdecke zweistellige Rückgänge aufzuweisen haben, konstatiert im Kreis allein Ennepetal mit 7,6 Prozent einen merklichen Kriminalitätsanstieg.

Im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl ist Sprockhövel weiterhin am zweitsichersten hinter Breckerfeld. Indes ist die Aufklärungsquote sämtlicher Taten — ebenfalls bereinigt — von 58,2 auf 60,3 Prozent gestiegen. In ganz NRW liegt sie mit 52,3 Prozent deutlich niedriger. Während die Jahresstatistik kreisweit neun Tötungsdelikte, darunter ein Mord in Hattingen, und damit eine leichte Steigerung aufweist, ist die Zahl an Gewaltdelikten mit nun knapp 2000 Fällen um 12,6 Prozent angestiegen.

„Diese Entwicklung steht leider entgegen des Landestrends“, verriet Happe und gab zu bedenken, dass es gerade bei jüngeren Tätern hoffähig geworden sei, mit mehreren auf Einzelpersonen loszugehen. Überhaupt ist der Anteil der Jugendkriminalität im Kreis merklich angestiegen, so dass im Vorjahr 24,8 Prozent aller Strafverdächtigen unter 21 Jahre alt waren, während dies 2016 nur 21,6 Prozent betraf.

Sexualdelikte waren indes rückläufig und lagen mit nun 139 Fällen ebenfalls bereinigt — hier werden seit 2017 erstmals auch einschlägige Beleidigungen hinzugezählt — um 6,3 Prozent unter dem Vorjahreswert. Besonders positiv ist die Entwicklung auch in den Bereichen Straßenkriminalität und Diebstähle, in denen die Kreispolizei gegenüber 2016 minus 9,8 beziehungsweise minus 16,4 Prozent vermeldet.

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