Polizei kann jetzt auch in den Kurven blitzen

Polizei kann jetzt auch in den Kurven blitzen

Eine neue Messanlage kontrolliert in beide Richtungen und auf mehreren Fahrspuren gleichzeitig die Geschwindigkeit.

Wuppertal. Draußen fällt leichter Schneeregen, doch Frank Biller sitzt warm und trocken. Ein Schreibtisch ist in den silbernen Kleinbus eingebaut mit einem Bildschirm, an dem der Polizeibeamte die Bilder der Verkehrssünder sichtet.

Den Rest übernimmt die Messanlage für ihn: Etwa 50 Meter entfernt misst ein Sensor an einer kurvigen Landstraße die Geschwindigkeit der vorbeifahrenden Autos — in beide Fahrtrichtungen. Und wer zu schnell unterwegs ist, wird von einer der beiden Kameras erfasst, die zu beiden Seiten der Straße aufgestellt sind. „Man kann auch beide gleichzeitig auslösen“, erklärt Biller. Das sei beispielsweise dann praktisch, wenn ein Motorrad vorbei rauscht, denn die haben nur hinten ein Kennzeichen.

„Der Aufbau der Anlage ist allerdings schon ein wenig aufwändig“, sagt Biller. Etwa eine halbe Stunde daure es, alle Geräte in Position zu bringen und richtig auszurichten. „Da sollte man schon vier bis fünf Stunden an einer Stelle bleiben, damit es sich lohnt“, sagt Biller.

Seit November gibt es die neue mobile Messstelle für das Bergische Dreieck. 185 000 Euro hat die Anlage gekostet, inklusive Fahrzeug. Alle Polizeibehörden im Land wurden damit ausgerüstet. „Sie ist vielseitig einsetzbar, auch in Kurven und an extremen Steigungen“, sagt Uli Schulte von der Direktion Verkehr. Außerdem sei genau festzustellen, welches Fahrzeug geblitzt wurde — auch wenn mehrere nebeneinander fahren. Bis zu sechs Spuren gleichzeitig könne die Messanlage theoretisch kontrollieren.

Nicht nur auf kurvigen Landstraßen soll das neue Gerät zum Einsatz kommen, sondern auch in innerstädtischen Bereichen. In nächster Zeit soll ein Messatlas angelegt werden mit Orten, an denen die Messung sinnvoll ist.

Ziel sei es, die Durchschnittsgeschwindigkeit im Straßenverkehr und damit die Anzahl der schweren Unfälle zu senken. „Die Geschwindigkeit ist das A und O. Wenn langsamer gefahren wird, passieren weniger Unfälle und weniger schwere“, sagt Schulte.

Nachdem sich Frank Biller und sein Kollege Uwe Trier mit der Handhabung vertraut gemacht hatten, sind sie seit Anfang des Jahres mit der Messstelle im Einsatz. „Wenn das Wetter es zulässt, jeden Tag“, sagt Biller. Denn bei Schnee reiche die Qualität der Bilder häufig nicht aus. Aber es kommen auch wieder sonnigere Tage. Und dann heißt es: Fuß vom Gas.

Mehr von Westdeutsche Zeitung