Politiker erproben in der Junior Uni bergische Zusammenarbeit

Politiker erproben in der Junior Uni bergische Zusammenarbeit

80 Bürgermeister, Dezernenten und Ratsmitglieder experimentieren.

„Der bergische Faden!“ Otto Mähler, Ratsmitglied und Bezirksbürgermeister aus Remscheid (SPD) dreht begeistert seinen Holzstab, um den sich eine durchsichtige Schnur wickelt. Die lässt sich wie ein Spinnfaden aus der Flüssigkeit in einem Becherglas herausziehen, die er und sein Politiker-Kollege Dirk Kanschat, Stadtverordneter (CDU) in Wuppertal, soeben hergestellt haben. Rund 80 Politiker aus Wuppertal, Solingen und Remscheid durften im Jubiläumsjahr — die Junior Uni wird 2018 zehn Jahre alt — bei einem „Forschernachmittag“ gestern solche Experimente ausprobieren, die sonst die jungen Studenten durchführen.

In weißen Kitteln und mit Schutzbrille stehen acht Politiker an den Seminartischen im Labor und folgen Schritt für Schritt der vorgegebenen Anleitung: Erst eine Lösung aus genau bemessenen Zutaten herstellen, dann die zweite, beides vorsichtig zusammengießen und dann bildet sich eine feine Membran, die sich zum Faden ziehen lässt, wenn man das Stäbchen hineintunkt. „Nylon aus dem Becher“ heißt das Experiment.

Dabei arbeiten die Gast-Forscher in gemischten Teams: Solinger mit Wuppertalern, Remscheider mit Solingern, Stadtverordnete, Bezirksbürgermeister, sachkundige Bürger, auch Dezernenten und sogar zwei Oberbürgermeister mischen sich ungeachtet von Stellung, Parteizugehörigkeit und Heimatstadt.

Dazu hat sie zuvor Junior Uni-Gründer Ernst-Andreas Ziegler auch aufgefordert: Es gebe ja das Gerücht, dass die bergischen Städte nicht so gut miteinander auskämen, sagte er augenzwinkernd. „Sie sollten das Gegenteil beweisen“, forderte er auf — und wies auf den Erfolg der Junior Uni hin: Allein in der laufenden Woche besuchten sie 1140 Studenten. „Das sollte die Menschen im Bergischen stolz machen.“

Lambert T. Koch, Rektor der Bergischen Universität, erzählte, wie ihn einst Ernst-Andreas Ziegler mit der Idee der Junior Uni begeistert hat. „Ich hätte nie gedacht, dass das einmal so groß wird.“ Auch Thomas Meyer, Präsident der Industrie- und Handelskammer Wuppertal-Solingen-Remscheid, lobte die Einrichtung: „Bildung ist das wichtigste Kapital eines Unternehmens.“ Die Junior Uni sei ein positives Beispiel und könne dazu beitragen, das Thema Digitalisierung als Chance und nicht als Angstthema wahrzunehmen.

„Mut zur Zukunft“ hat die Junior Uni als Motto des Nachmittags gewählt. Die Politiker probieren gern modernste Technik aus: Lego-Autos, die schon die jüngsten Studenten programmieren, ebenso wie den Roboterarm aus der Industrie, der ebenfalls programmiert werden kann.

Viel Spaß hat auch Maria Schürmann, Stadtverordnete und Bürgermeisterin in Wuppertal (CDU). Sie hätten mit einem Bauteile-Tester Lego-Häuser durchgerüttelt und auf ihre Stabilität geprüft, erzählt sie. „Es hat gehalten“, sagt sie stolz. Ihr Team-Partner, Hartmut Hoferichter, Stadtdirektor in Solingen und parteilos, ist voll des Lobes: „Sie hat sich als Lego-Profi erwiesen.“