Plastikmüll: Wuppertal will bei Festen schärfer kontrollieren

Plastikmüll: Wuppertal will bei Festen schärfer kontrollieren

Die EU erwägt Verbote von Plastikgeschirr. Bis zur Umsetzung will man in Wuppertal nicht warten und beruft sich auf die Abfallsatzung.

Die Stadt kündigt schärfere Kontrollen bei Sommerfesten und großen Volksfesten bezüglich des Einsatzes von Plastikgeschirr und Einwegbechern an. Im Kampf gegen den Plastikmüll werden die Veranstalter im Genehmigungsverfahren dazu angehalten, die Vorgaben der Abfallwirtschaftssatzung zu erfüllen.

Der Kampf gegen Plastikmüllberge hat in Wuppertal eine lange Tradition. Mit ihrer legendären „Jute statt Plastik“-Tasche von Näherinnen aus Bangladesch setzte die in Wuppertal gegründete Gepa vor 40 Jahren ein Zeichen. Doch das Thema hat mehr Brisanz denn je. Die EU-Kommission hat angesichts der Vermüllung der Meere beschlossen, ein Verbot von Wegwerfartikeln wie Plastikgeschirr, Strohhalmen und Wattestäbchen zu entwickeln. Umweltschützer kritisieren, dass es noch Jahre dauern wird, bis diese Verbote umgesetzt werden. Gerade im Sommer kommen Plastikgeschirr, Strohhalme und Plastikbecher massenhaft zum Einsatz — auf privaten Feiern und Partys, aber auch auf großen Volksfesten, wie Barmen Live, Elberfelder Cocktail, Bleicherfest oder dem Flohmarkt in Vohwinkel.

„Wir weisen Veranstalter im Genehmigungsverfahren speziell auf Paragraf 3 der Abfallwirtschaftssatzung hin“, sagt Ulrike Schmidt-Keßler. Bei Veranstaltungen auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen dürfen Speisen und Getränke, die zum sofortigen Verzehr an Ort und Stelle bestimmt sind, nur in pfandpflichtigen, wiederverwendbaren oder mitverzehrbaren Verpackungen und Behältnissen (einschließlich Geschirr und Bestecke) ausgegeben werden. „Dies wird in Zukunft schärfer kontrolliert“, kündigt die Stadtsprecherin an.

Uwe Peter, einer der Organisatoren des Ölbergfestes, begrüßt die härtere Linie. „Es ist gut, dass die Stadt Druck auf die Veranstalter macht“, sagt Peter. Getränke gibt es am Ölberg aus Sicherheitsgründen nicht aus Gläsern, mit denen man aus Umweltschutzgründen die Plastikbecher früher ersetze. In vierter Auflage kommen am 16. Juni wieder die Ölbergfest-Becher zum Einsatz, die von den Besuchern mehrere Jahre genutzt werden können. „30 000 Becher haben wir verkauft, 20 000 sind bestellt“, sagt Peter. Ohne Plastik — das gilt auch für feste Nahrung. „Darüber klären wir alle, die mitmachen wollen, bei unserem Ölbergfest-Frikadellenkurs auf.“

„Man muss zwischen einem Sommerfest und einem Fest wie Barmen live unterscheiden, zu dem regelmäßig 250 000 Besucher erwartet werden“, sagt Thomas Helbig, Geschäftsführer der ISG Barmen—Werth. Er befürwortet Initiativen gegen Plastikmüll, hofft aber, dass das Thema mit Augenmaß angegangen wird. „Bei der Bierbörse haben wir keinen Abfall, sieht man einmal von den Gäbelchen für die Pommes ab.“ Bei Barmen live, wo mancher Besucher Getränke und Speisen mitbringe, lasse es sich nicht vermeiden, dass Plastikmüll in den Müllereimern landet. Lob gibt es von Helbig für die Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG) und den Eigenbetrieb Straßenreinigung (ESW).

„Auf den Festmeilen und in deren Umfeld stellen wir seit dem NRW-Tag 2006 die „Rest-vom-Fest-Tonnen“ mit einem Loch im Deckel auf“, sagt AWG-Geschäftsführer Martin Bickenbach. Der Inhalt dieser Tonnen wird komplett verbrannt. „Eine Trennung ist wegen der Esssensreste nicht möglich. Der Plastikmüll geht in der großen Masse unter“, so Bickenbach. Den Einsatz von Mehrweggeschirr begrüßt er. „Die Müllverbrennung ist ausgelastet, und wir haben auch aus technischen Gründen gar kein Interesse an Plastikmüll.“

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