Kunst in der Schule: Pina Bausch in allen Fluren

Kunst in der Schule : Pina Bausch in allen Fluren

In der Vohwinkeler Gesamtschule hängen ab jetzt 70 Bilder des Tanztheaters.

Jetzt ist es nicht mehr zu übersehen. Mehr als 70 großformatige Fotografien mit Motiven aus Stücken des Wuppertaler Tanztheaters zeigen die Verbindung der Pina-Bausch-Gesamtschule mit der berühmten Choreografin. Bereits seit sechs Jahren darf die Schule ihren Namen tragen. Zahlreiche Projekte mit Bezug auf das Tanztheater folgten. Außerdem gab es eine enge Zusammenarbeit mit der Pina Bausch Foundation. Rein optisch fehlte in der Gesamtschule aber bisher ein Hinweis auf die kulturelle Kooperation. Das hat sich mit der neuen Dauerausstellung gründlich geändert. Die Fotografien, Collagen und Plakate sind über das gesamte Schulgebäude verteilt. Mit viel Blick fürs Detail wurden sie auf das räumliche Umfeld abgestimmt.

„Café Müller“ in der Mensa, ausgestreckte Arme an der Treppe

„Das war uns bei der Erarbeitung des Konzepts wichtig“, sagt Angela Deußen von der Pina Bausch Foundation. So korrespondieren etwa die Bilder in der Mensa mit Kunstwerken der Schüler. Außerdem gibt es mit Szenen aus dem Pina-Bausch-Stück „Café Müller“ einen Bezug zu den Tischen und Stühlen im großen Saal. Die Fotos an den Treppenaufgängen greifen die nach oben strebenden Bewegungen der Ensemble-Mitglieder in einer Aufführung von „Arien“ auf. „Wir möchten ganz unterschiedliche Einblicke in die Arbeit des Tanztheaters sichtbar machen“, erklärt Angela Deußen.

Die Bilder stammen sowohl aus dem Pina-Bausch-Archiv als auch aus dem Fundus des Wuppertaler Fotografen Karl-Heinz Krauskopf. Er begleitet das Tanztheater seit 13 Jahren. „Es ist entscheidend, dass junge Menschen an Kunst und Kultur herangeführt werden“, betont Krauskopf. Das Publikum in den Spielstätten sei überwiegend im fortgeschrittenen Alter. „Wenn wir hier keine Anreize schaffen, fehlt irgendwann der Nachwuchs“, so der Fotograf. Zusammen mit Musiklehrer Martin Dahlhaus hat er sich um die praktische Umsetzung gekümmert.

Dabei wurden die großen Bilder zunächst einzeln entwickelt, dann gerahmt und schließlich mit akribischer Genauigkeit an den Wänden platziert. „Das war ein ganz schönes Stück Arbeit und hat insgesamt zwei Wochen gedauert“, berichtet Dahlhaus. Die Materialkosten in Höhe von rund 8000 Euro konnten durch Spenden von Eltern gedeckt werden.

Neben dem Werk von Karl-Heinz Krauskopf sind in der Ausstellung auch Bilder des Bühnenbildners und Pina-Bausch Lebensgefährten Rolf Borzik sowie der langjährigen Tanztheater-Wegbegleiterin Ulli Weiss zu sehen. „Wir wollten damit die gesamte Geschichte des Tanztheaters zeigen“, erläutert Angela Deußen. Außerdem erlaube das fotografische Werk der beiden mittlerweile verstorbenen Pina-Bausch-Vertrauten einen Blick hinter die Kulissen des Ensembles. Bewusst wurden Aufnahmen der Proben oder Blickwinkel aus dem Bereich der Bühnenseiteneingänge eingefügt. Dadurch bekommt der Betrachter einen sehr intimen Einblick in die Arbeit des Ensembles.

Die Foundation hatte die Wahl zwischen 200 000 Einzelbildern

Bei der Auswahl hatten die Organisatoren die Qual der Wahl. Immerhin ist die Pina Bausch Foundation im Besitz von rund 200 000 Einzelobjekten. Dazu gehören Negative, Abzüge in verschiedenen Größen und Polaroid-Fotos. „Es ging uns darum, ein möglichst breites Spektrum abzudecken“, so Angela Deußen. Schulleiter Jörg Merbecks freut sich über die Ausstellung und verweist auf die positiven Effekte für die Schüler. „Die Kontaktaufnahme mit dem Werk von Pina Bausch wird dadurch erleichtert, dass die Fotografien eine hohe Präsenz im Schulalltag haben, Aufmerksamkeit erregen und neugierig machen“, erläutert er. Das bestätigt Schülersprecherin Lena Wiegand (19). „Die Bilder sind sehr positiv aufgenommen worden und dadurch bekommt der Name der Schule eine ganz konkrete Bedeutung“. Ähnlich sieht es Mitschüler Sebastian Dahlmann. „Das sind spannende Einblicke in das Tanztheater, die Lust darauf machen, selbst ein Stück anzusehen“, sagt der 15-Jährige.

Das Ziel, die Schüler aktiv an die Arbeit der Choreografin heranzuführen, verfolgt die Gesamtschule auch mit ihren weiteren Projekten. „Es gibt viele Ideen, die ständig weiterentwickelt werden“, erklärt Lehrerin Julia Bögeholz. Sie hat sich stark für die Namensgebung eingesetzt und sieht in der Ausstellung einen weiteren Baustein in der Zusammenarbeit zwischen der Pina Bausch Foundation und der Pina-Bausch-Gesamtschule. Dabei werden die Bilder mit eigenen Texten der Jugendlichen ergänzt. Demnächst dürfen alle Schüler außerdem die Generalprobe des neuen Stücks besuchen. „Darauf freuen wir uns schon riesig“, sagt Julia Bögeholz.

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