Tierwelt Pilotprojekt in Wuppertal: Die Antibabypille für Tauben

Auch in Wuppertal soll das Medikament „Ovistop“ die hiesige Population eindämmen.

Der in Ovistop enthaltene Wirkstoff Nicarzabin sorgt dafür, dass in Taubeneiern keine embryonale Entwicklung stattfindet.

Der in Ovistop enthaltene Wirkstoff Nicarzabin sorgt dafür, dass in Taubeneiern keine embryonale Entwicklung stattfindet.

Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Was zunächst nach einer Vermischung von Tier- und menschlicher Welt klingt, wird bald auch in Wuppertal eingeführt: die Antibabypille für Tauben. „Ovistop“ nennt sich das Medikament, das als Ummantelung von Maiskörnern dafür sorgen soll, dass Tauben unfruchtbar werden und die Vermehrung der hiesigen Taubenpopulation somit eingedämmt wird.

Eigentlich wird der in Ovistop enthaltene Wirkstoff Nicarzabin für den Schutz vor Darmkrankheiten bei Masthühnern genutzt. Eine Nebenwirkung des Stoffes ist aber die Beschädigung der Membran zwischen Dotter und Eiweiß eines Eis. Durch diese findet keine embryonale Entwicklung statt, wodurch sich der Taubenbestand innerhalb eines Jahres um 15 bis 20 Prozent reduzieren soll. Der Effekt von Ovistop ist zudem reversibel: Nehmen die Tauben das Medikament nicht mehr regelmäßig zu sich, können sie sich nach vier bis sechs Tagen wieder fortpflanzen.

Bereits seit Jahren wird Ovistop genutzt, um der Vermehrung von Tauben entgegenzuwirken – so etwa in Italien, Spanien und Belgien. Und auch in Deutschland beginnen einige Städte pilotartig mit dem Einsatz von Ovistop an bestimmten Standorten: in Wuppertal im Bereich des Tanztunnels auf der Nordbahntrasse, wie die Stadt in einem Bericht vom 6. Februar schreibt.

Rechtlichen Vorgaben zufolge darf Ovistop erst nach einer tierärztlichen Bestandsuntersuchung eingesetzt werden. In Wuppertal fand diese „vor ein paar Wochen“ in Form einer dreitägigen Taubenzählung statt, also einem sogenannten Monitoring des Ortes, an dem die Tauben künftig mit dem Medikament gefüttert werden sollen. Durchgeführt wurde das von der Düsseldorfer Tierärztin Viktoria Adam, der derzeit einzigen Anbieterin des Medikaments, die das Ovistop-Projekt mit der Initiative TKK Stadttauben ins Leben gerufen hat. Um den Taubenbestand am Tanztunnel erfassen zu können, habe sie eine Wärmebildkamera benutzt und war dafür an drei Tagen je eine Stunde im Einsatz. Die Fütterung der Tiere mit dem Medikament erfolge dann, nachdem die Tauben auf die Fütterung mit gewöhnlichem Futtermais konditioniert und trainiert worden sind, so die Tierärztin.

In naher Zukunft soll der gewöhnliche dann durch den mit Medikamenten ummantelten Mais ausgetauscht und an die Tiere verfüttert werden. Die Fütterung übernimmt eine Taubenschutzinitiative in Wuppertal über neun Monate, jeweils montags bis freitags. Nach sechs und zwölf Monaten werde Viktoria Adam dann wie zu Beginn Monitorings durchführen.

Kritik und der Wunsch
nach weiteren Maßnahmen

Immer wieder gibt es auch kritische Stimmen gegenüber dem Einsatz von Ovistop. Oft wird etwa gesagt, es würden keine Langzeitstudien hinsichtlich seiner Wirkung geben. Adam sagt, sie könne die Kritik nicht nachvollziehen. „Ovistop wird seit 25 Jahren eingesetzt und ist medizinisch zugelassen“, betont sie. „Den Gegenwind verstehe ich daher nicht. Es hat noch nie irgendwo negative Auswirkungen gegeben.“

Britta Gerlach vom Taubenverein Fliegende Schönheiten ist dem Vorhaben gegenüber grundsätzlich positiv gestimmt. Trotzdem hoffe sie, dass es nicht nur bei dieser einen Maßnahme bleibt. „Das Problem bei Ovistop ist, dass zwar etwas gegen die Vermehrung der Tauben getan wird, aber nicht für die bereits bestehende Population“, beschreibt sie. Die Errichtung neuer Taubenhäuser solle daher nicht in Vergessenheit geraten.

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