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Protest in Wuppertal: Pflegern fehlt die Luft zum Atmen

Protest in Wuppertal : Pflegern fehlt die Luft zum Atmen

Vor dem Bethesda-Krankenhaus machten Mitarbeiter auf den Pflegenotstand aufmerksam.

Wuppertal. 111 Pflegekräfte des Bethesda-Krankenhauses haben am Mittwoch in ihrer Mittagspause vor der Klinik Blätter mit den Zahlen 47016 bis 47126 hochgehalten — als Teil jener 162 8000 Beschäftigten, die laut Verdi in deutschen Krankenhäusern fehlen. Die Gewerkschaft hatte zu der Protestaktion aufgerufen. Ziel war es, auf den Pflegenotstand aufmerksam zu machen. Von den 162 000 Klinikbeschäftigten fehlen demnach allein 70 000 in der Pflege.

Der Protest richtet sich gegen den Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Krankenhaus-Reform und soll die Gesundheitsminister-Konferenz, die gestern in Bad Dürkheim tagte, aufrütteln. Verdi fordert ein Gesetz zur Personalbemessung in Krankenhäusern und dessen Finanzierung sowie ausreichende Klinik-Investitionen durch die Bundesländer.

„Ich habe keine Minute gezögert, bei dieser Aktion mitzumachen“, sagt Oliver Großmann, Pfleger auf einer Intensivstation. „Wir kommen in unserem Job nur noch zum Reagieren statt zum Agieren.“

Der gleichen Meinung ist auch eine Krankenschwester in der Chirurgie, die überwiegend Nachtdienst versieht: „Ich bin oft ganz allein, und wenn die Patienten klingeln, kann man den Wünschen nicht mehr gerecht werden. Es gibt zwar noch eine weitere Pflegekraft zur Unterstützung, aber die ist für mehrere Stationen zuständig. Es ist schon lange höchste Zeit, dass hier etwas geschieht.“

Christfried Tetzner, der Vorsitzende der Mitarbeiter-Vertretung am Bethesda, macht seinem Ärger in einer Ansprache Luft: „Da wird Qualität in der Versorgung der Patienten gefordert, aber die Voraussetzungen dafür fehlen. Da können Notrufe nicht zeitnah abgearbeitet werden, da können gesetzlich vorgeschriebene Pausen nicht genommen werden. Da wird ein Dienst verlangt, der krank macht.“

„Das Pflegepersonal tut, was es kann, aber das reicht oft nicht aus“, meint auch Patientin Claudia Schulze. Auch Christa Thiel, die mit der Versorgung sehr zufrieden war, merkt an: „Ich habe für die Protestaktion volles Verständnis. Es gibt einfach zu wenig Personal, und man muss zu lange warten, bis auf Klingeln reagiert wird.“

Verwaltungsleiter Dirk Larisch steht ebenfalls mit draußen und meint: „Ich habe Verständnis für die Sorgen der Mitarbeiter, auch wenn ich die von Verdi genannten Zahlen nicht ganz nachvollziehen kann.“ Die von der Gewerkschaft errechneten 162 000 fehlenden Kräfte an den 2000 deutschen Krankenhäusern beruhen auf einer Hochrechnung.

Gewerkschafts-Sekretärin Silke Iffländer glaubt, dass diese Aktion nicht die einzige bleiben wird. „Ich denke, dass noch mehr nötig sein wird.“

Am bundesweiten Protest nahm in Wuppertal auch das Helios-Klinikum mit 294 Mitarbeitern teil.